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C64

Umrunden!

Foto: Yogi

Am vergangenen Freitag war das ZDF zu Besuch im Signallabor, um dort einen Beitrag zum 35. Geburtstag des Commodore 64 zu drehen. Der Film wird Ende Februar ausgestrahlt (ich werde dann hier darauf noch einmal hinweisen). Der Anlass zeigt aber einmal mehr, wir arbiträr die Anlässe sein können, Technikgeschichte als Wirtschaftsgeschichte umzudeuten. Dazu hatte ich vor ein paar Monaten einmal eine Kolumne in der Zeitschrift RETURN, die ich hier online stelle:

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Chips&Flocken

Bei einem der ersten Flohmarkt-Käufe, bei dem ich einen alten Computer erworben hatte (einen C64) fand sich als Beifang eine kleine Faltschrift, die offenbar Beigabe einer Frühstücksflocken-Packung von 1990 gewesen ist: »Kellog’s Kleines Commodore Computer Lexikon«. Jahrelang lag es nun hier zwischen Bilbiothek und Computerregal – jetzt ist es als Spende zum BCC gegangen … natürlich nicht, ohne vorher gescannt worden zu sein.

Den Scan darf man sich als PDF (OCR) hier herunterladen: Kellog (1990) – Kellog’s Kleines Commodore Computer Lexikon

Mikro-Kriegserzählung

„The Commodore Wars“ und die Misere der Computergeschichtsschreibung

Computergeschichte ist Teil der Technikgeschichte, die wiederum Teil der Wirtschaftsgeschichte ist. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn die Historiographen ihr Augenmerk auf die Geschichte einer Computerfirma richten. „The Commodore Wars“ steht in genau dieser Tradition und erzählt aus diesem Grunde auch nichts neues. Das einzig Originelle an ihm ist, dass er dies aus berufenem Munde tut.

mehr: Telepolis

C65 und ZX-82

Zu der unten bereits genannten Spende gehört auch eine Erweiterungsmodule für den Commodore 64 und ein stark modifizierter ZX-81. Die Artefakte zeigen deutlich, wie groß der Erweiterungswille und die Erweiterungsmöglichkeiten für Homecomputer gewesen sind, um sie beispielsweise besser zum Programmieren oder für Medienzwecke einsetzen zu können.

Zunächst die Kartensammlung für den C64:

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Erweiterungen für den C64 (von oben links nach unten rechts): unbek. ROM-Platine, AD-Wandler/Logikanalysator, Binär-LED-Ausgabe, Multimess-Modul, unbek. Modul (Audio/Video-Input?), diverse ROM-Platinen, C64-Bremse, Batterie-gepufferte Echtzeituhr, „Structured BASIC“, „Super Expander“ (BASIC-Erweiterung), „COMAL“, „Hyper-BASIC V. II“, CP/M-Erweiterung mit Parallelschnittstelle, Z80-Modul, 3810-Datenrecorder

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Startbildschirm mit „Hyper-BASIC V. II“

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Startbildschirm mit „Structured BASIC“

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Startbildschirm mit „Super Expander“ (der augenscheinlich erst mal nur 8 Kilobyte RAM verbraucht)

Der ZX-81 mutet schon von seinem erhöhten Aufbau stark modifiziert an. Grund dafür ist sowohl ein seitlich angebrachter Port für die Erweiterungstastatur (an der Stelle der Originaltastatur befindet sich ein Aufkleber mit dem Tastenfeld) sowie eine um ihr Gehäuse „beraubte“ 16-KB-Speicherweiterung von Sinclair. Alle Komponenten funktionieren einwandfrei:

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Looks like a melody

In Ergänzung zu Torsten Othmers und meiner Aufstellung soundproduzierender/-emittierender Computerperipherie hier eine besonders trickreiche Variante: Mit Hilfe des Grafikprozessors einiger Computer ist es möglich, Tonausgaben zu realisieren. Sicht- und Hörbar ist dies auf dem C64 (VIC-2):

… und dem Amiga:

 

Game Circuit #16: Hands on C=64

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Lehre im Sommersemester 2016

Meine Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2016

  • Hands on Commodore 64! Archäologie einer Computer-Plattform (BA Modul 1)
  • Artefakte des Medienarchäologischen Fundus (BA Modul IX)
  • Grafik- und Soundprogrammierung in Assembler (BA/MA Projektmodul)

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Erfahrung seit 1981

Interview mit Thomas Landgraf über »Sex Games« am C64*

Eines der bekanntesten Sex-Spiele für den C64 war fraglos »Sex Games«. Eine komplette Generation pubertierender Spieler hat sich durch das Spiel, das nach dem »Decathlon«-Prinzip gespielt werden musste, Handgelenke und Joysticks ruiniert, um von einer Stellung zur nächsten zu kommen. Dass sich die Programmierschmiede Landisoft damals aus zwei ebenfalls recht jungen Männern zusammensetzte, den Brüdern Thomas und Markus Landgraf, ist seit einem Spiegel-Interview auch der breiteren Öffentlichkeit bekannt. Unser Autor Stefan Höltgen hat sich noch einmal mit Thomas Landgraf, der heute in Kassel eine IT-Firma leitet, über die Geschichte des Spiels und seine Anfänge als Programmierer unterhalten.
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Der Commodore 64

Für das Sommersemester 2016 plane ich einen BA-Kurs zum Commodore 64. In diesem soll die Geschichte, Technik und Kultur des C64 unter medienarchäologischer Perspektive erforscht werden. Passenderweise sendet SternTV morgen Abend einen kleinen Beitrag zu diesem clash of the generations.

C66

In der PCWelt lese ich gerade, dass das M.E.G.A. einen Nachfolger des Commodore 64 mit dem wenig bescheidenen Titel „Mega65“ plant.

Ready?

Beim Durchstöbern der Geschichte-Abteilung der Informatik-Teilbibliothek bin ich auf eine neue Publikation zum C64 gestoßen: Roberto Dillons „Ready. A Commodore 64 Retrospective“, erschienen im Springer-Wissenschaftsverlag. Ich habe mir das sehr dünne (157 Seiten) aber dennoch teure (106,99 Euro!) Buch ausgeliehen und lese es in den nächsten Tagen, um es dann hier vorzustellen und zu rezensieren.

Update 25.4.: Ich habe das Buch nun gelesen, was etwa einen halben Tag gedauert hat und bin überaus enttäuscht. Nicht nur bekommt man für seine 106 Euro größtenteils Informationen geboten, die in kürzester Zeit im Internet recherchierbar wären und im Hauptteil einen Test der für den Autor wichtigsten Spiele für den C64; das Buch bietet überdies eine unausgereifte Mischung aus technischem Halb-Tiefgang und Oberflächlichkeit. Es enthält inhaltliche und Satzfehler und alle Abbildungen sind in Schwarzweiß. Was sich ein renommierter Wissenschaftsverlag wie Springer, der eine beachtliche Reihe computerhistorischer Publikationen hervorgebracht hat, bei diesem überteuerten Büchlein gedacht haben mag, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Update 10.5.: Eine detaillierte Rezension von mir erscheint in einer der nächsten Ausgaben der RETURN.

Robert Dillon
Ready. A Commodore 64 Retrospective
New York u.a.: Springer 2015
157 Seiten (gebunden), 106,9 Euro
ISBN: 978-981-287-341-5
Probeseiten | Inhaltsverzeichnis | Info | Amazon

Wie ist der Vektor, Victor?

Gestern trat – als Ersatz für Claus Pias, der wegen universitärer Verpflichtungen leider verhindert war, der Linzer Hobby-Programmierer Norbert Kehrer in der Vortragsreihe auf und sprach dort über die Emulation von Spielautomaten-Spielen für 8-Bit-Homecomputer. Am Beispiel von „Asteroids“ zeigte er die Schwierigkeiten, die Automaten-Hardware in Software abzubilden – denn der „Asteroids“-Automat verfügt über einen Vektormonitor, der über eine spezielle Hardware den Kathodenstrahl direkt steuert (anstatt der Rasterzeilen-Steuerung bei „herkömmlichen“ Aracade-Automaten). Die Emulation der Vektor-Hardware war daher auch die große Herausfordernung, die Norbert Kehrer auf zwei Homecomputer (Atari 800 und C64) ganz unterschiedlich bewältigen musste – weil deren Rasterbildschirm-RAMs ganz unterschiedlich funktionieren. So war also nachzuvollziehen, wie zwei mathematisch ganz unterschiedliche Episteme ineinander überführt wurden und wie sich die Vektormathematik im diskreten Zahlenraum des Bildschirmspeichers abbilden lässt.

P.S.: Ein Besuch der Webseite von Norbert Kehrer lohnt sich: Dort finden sich eine Menge Emulatoren – für die ausgefallendsten Systeme (etwa den Mailüfterl-Großrechner oder die PDP-8, die auf einem 8-Bit-Atari emuliert wird)!

[emulator*]

Im gestrigen Vortrag der Reihe SHIFT-RESTORE-ESC ging es um einen der medienwissenschaftlich interessantesten und zugleich zentralen Aspekte des Retrocomputings: die Emulation von alter Hardware auf neuer Hardware durch Software. Dr. André Fachat stellte dazu den VICE vor, der eine Reihe von 8-Bit-Commodore-Plattformen auf neueren Rechnern emuliert. Neben der Frage des Unterschieds von Simulation und Emulation (die Etymologie hilft hier wieder einmal gar nicht), war aber vor allem das Abbildungsverhältnis zwischen beiden Maschinen ein wichtiges Thema.

Geahnt hatte ich es ja bereits aber die Ausführungen (und Code-Beispiele) haben es dann deutlich gezeigt: Es geht nicht um die Abbildung einer Maschine in einer anderen, sondern um die Abbildung des Verhaltens einer Maschine durch eine andere. Keine Rede kann also davon sein, dass ein PC, der einen C64 emuliert, in diesem Augenblick „im Zustand des C64“ ist. Die Frage: „Wird ein Bauteil auch dann emuliert, wenn es gerade nicht benutzt wird?“ kann ganz klar mit „Nein.“ beantwortet werden. Für eine vollständige (was auch immer das sein könnte) und zugleich zeitgenaue Emulation selbst des ältesten Mikrocomputers reicht die Rechenperformance der neuesten Mikrocomputer nicht aus. Mit Hilfe von „shortcuts“ und „warp counting“ (siehe hier bei der CIA-Emulation) werden unbenötigte Funktionen des emulierten Systems ausgeblendet um die Performance des Emulators zu erhöhen.

Der Vortrag wurde wieder gefilmt und steht auf YouTube bereit:

Hacking the Beam

Gestern Abend trug Michael Steil in der Vortragsreihe „SHIFT – RESTORE – ESC“ zum Thema Computergrafik vor. Steil, der ein echter Fachmann in Sachen C64 ist, hat sich dabei auf die Bilderzeugung des VIC-2-Grafikchips in eben jenem Rechner konzentriert und peu a peu dessen dokumentierte und nicht-dokumentierte Funktionen vorgestellt. Die gleichermaßen extreme Hardwarenähe und trotzdem große Plastizität (vor allem aufgrund der sehr guten Präsentation) seiner bisherigen Vorträge hat er gestern abermals zu einem gelungenen Ganzen zusammengefügt. Das Video ist heute bei YouTube:

Macht’s gut und danke für die Chips!

Gestern war ich auf der BCC #7 – der Party der Berliner Commodore-Community. Neben vielen interessanten Kontakten und Gesprächen gab es auch Essen, Trinken, Bücher … und Fotos:

Mehr im RETRO-Blog und dann im kommenden Heft …

Der Tragödie zweiter Teil

2006 war als Gemeinschaftsprojekt der Homecomputerhistoriker Christian Zahn, Boris Kretzinger und Enno Coners das Buch „Die Commodore-Story“ erschienen. Darin skizzieren die Autoren die äußerst wechselhafte Geschichte der Firma Commodore, die einmal mit Schreibmaschinen und Taschenrechnern in die Mikroelektronik- und Büromaschinen-Branche eingestiegen war (der Firmenname CBM stand für „Commodore Business Machines“ – unter dieser Flagge erschienen auch die ersten Computer der Firma), sich jedoch spätestens mit dem Commodore PET, dem VC-20 und dem legendären C64 zu einer der wichtigsten Firmen in der Computerbranche der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren entwickelten. Mit dem Amiga wiederholte sich der Erfolg ab 1985 ein weiteres mal, läutete jedoch zugleich das Schlusskapitel von Commodore ein, die – nach ein paar Verkäufen des Firmennamens an unterschiedliche Hardwareproduzenten und -distribuenten – bald verschwunden war. Erst vor zwei Jahren tauchte der Name als „Commodore USA“ wieder auf: die Ankündigung und Produktion eines neuen C64 (gefolgt von Amiga und VC-20) auf Intel-Basis mit Linux-Betriebssystem (also mit Software-Emulatoren) im bekannten Hardware-Gewande sollte auch den Erfolg der vergangenen Jahrzehnte reanimieren.

Das Buch ist – nicht nur anlässlich des Todes von Jack Tramiel, einem zentralen Wegbereiter der Homecomputer-Ära des Konzerns im vergangenen Jahr – noch einmal überarbeitet und erweitert (von 155 auf 207 Seiten) aufgelegt worden und ab sofort für 12,95 Euro im Buchhandel oder über die Homepage des CSW-Verlages zu bestellen.

Poke her

Auf Telepolis ist heute mein kurzer Beitrag zur Freigabe der Grafikdemo „Sex Cartoon“ vom Index für jugendgefährdende Medien zu lesen.

Mehr: Telepolis

30 Jahre C64

Der Commodore 64 wird 2012 30 Jahre alt. Aus diesem Anlass gibt es verschiedene Events. In der kommenden Woche veranstalte ich einen „Game Circuit“ zum Thema, das neu entstehende LOAD-Magazin macht den Geburtstag zum Thema und sogar einer der Veteranen der deutschsprachigen Computerzeitschriften, die CHIP, hat eine Sonderausgabe über den C64 veröffentlicht:

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Ian Bogost und Nick Montfort, die 2009 mit einem Buch über die Atari-VCS-Konsole die „Platform Studies“ als neue (Inter)Disziplin zwischen Technikgeschichte, Informatik, Kunst und Game Studies eröffnet haben, kündigen für November ein neues Buch an: Der Titel „10 PRINT CHR$(205.5+RND(1)); : GOTO 10“ sagt im Prinzip schon, worum es gehen soll: Eine Zeile C64-BASIC, die zufallsbasierte Blockgrafik auf den Bildschirm bringt, bietet den Anlass zu wissenschaftlichen Reflexionen der Herausgeber und ihrer Autoren über computererzeugte Zufallszahlen, die Geschichte von Labyrinthen, BASIC als Programmiersprache, den Commdore C64 usw. Das Buch kann bereits jetzt bei Amazon vorbestellt werden.

3 x 8 Bit im Juni

Schon mal im Voraus, damit die Planung funktioniert, kündige ich drei dicht aufeinander folgende Veranstaltungen im Juni an:

  1. Am 6. Juni stelle ich zusammen mit meinem Kollegen Johannes Maibaum im Kolloquium „Medien, die wir meinen“ (im Medientheater, Georgenstraße 47, Erdgeschoss) unseren mittlerweile recht erfolgreichen und gut fortgeschrittenen z80-Assemlberkurs vor. Neben der Frage, warum maschinennahe Programmierung von 8-Bit-Computern interessant für die Medientheorien sein kann, wird es dort eine Vorführung der Soundprogrammierung des Schneider/Amstrad-CPC-Soundchips „AY-3-8912“ in Assembler geben. Das Kolloquium beginnt wie üblich um 18 Uhr (c.t.), der Vortrag dauert eine dreiviertel Stunde, danach wird diskutiert und zusammen gegessen und getrunken.
  2. Tags darauf, am 7. Juni, zeigt das Computerspielemuseum den neuen Dokumentarfilm „8 Bit Generation – Playing the Revolution“. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Museum (Karl-Marx-Allee 93a). Vorsichtshalber sollte man sich wohl dazu anmelden.
  3. Einen Tag später, am 8. Juni, findet der dritte Game Circuit im Signallabor des Bereichs Medienwissenschaft der Humboldt-Uni (Georgenstraße 47, 2. OG, Raum 2.26) statt. Anlass und Thema dieses mal ist der 30. Geburtstag des Commodore 64. Im Rahmen dessen wird Milo Mundt brandneue Spiele aus dem letztjährigen RGCD-Wettbewerb für den Brotkasten mitbringen, die simultan auf vier C64ern gespielt werden. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr und endet voraussichtlich auch irgendwann wieder. Aufgrund des begrenzten Platzes wird um Anmeldung per E-Mail gebeten.