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Serienmord

Informationen rund um mein Dissertationsthema

An den Ort des Verbrechens zurückzukehren

Vor einiger Zeit habe ich vom Label „Bildstörung“ die Anfrage bekommen, ob ich zur dort erscheinende Wiederauflage des Films „Henry – Portrait of a Serial Killer“ etwas beisteuern möchte. Da ich mich mit dem Film intensiv in meiner Dissertation befasst habe, war das naheliegend; weil ich nun aber in ganz anderen Gefilden tätig (und sogar einigermaßen froh, das „Filmkapitel“ hinter mir gelassen zu haben) bin, habe ich abgelehnt, etwas Neues dafür zu produzieren, anstelle dessen aber vorgeschlagen, das betreffende Kapitel meiner Diss. für das Booklet zu verwenden. Der Publisher und der Schüren-Verlag waren einverstanden und so hat mir die Briefträgerin heute einen dicken Brief mit vier Belegexemplaren (2 DVDs und 2 Blu-ray-Discs) des nun auch nicht mehr indizierten Films überreicht.

Es ist eine tolle Edition geworden – was nicht zuletzt am Bonusmaterial liegt und ich freue mich, etwas dazu beigesteuert zu haben!

Weitere Infos: Bildstörung | Amazon

»was den Serienmord im Innersten ausmacht«

Eine Nachricht aus der alten Welt: Gestern ist die Rezension zu meiner Dissertation bei IASL Online erschienen. Ein sehr penibles Portal, für das ich gelegentlich auch rezensieren. Umso erfreulicher, dass die Besprechung sehr positiv ausgefallen ist. (Wenngleich ich mich natürlich immer ein bisschen wundere, dass ein Hinweis darauf, „welche Filme noch in das Buch gehörten hätte“ als Kritikpunkt gelten kann. Mir selbst fallen nämlich noch Dutzende solcher Filme ein …)

Mehr: http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=3609

Überdies ist auch von mir heute eine Rezension auf IASL zu finden. Ich habe dort den Sammelband von David L. Ferro / Eric G. Swedin (Hg.): Science Fiction and Computing. Essays on Interlinked Domains. (Jefferson NC: McFarland & Company 2011) besprochen. Meine Rezension findet sich unter dem Link: http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=3513

See Saw

Christian Bartsch und seinem Label „Turbine Medien“ ist es gelungen, Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ nach fast 30 Jahren von alle deutschen Zensur-Repressalien zu befreien: Angefangen von der Aufhebung der gerichtlichen Beschlagnahmung über die Streichung vom Index für jugendgefährdende Medien bis hin zur erfolgreichen Beantragung einer FSK-Freigabe „ab 18 Jahren“ ohne Schnittauflagen.

„The Texas Chainsaw Massacre“, mit dem ich mich auch in meiner Dissertation beschäftigt habe, ist nun in Kürze wieder frei verkäuflich. Die von „Turbine Medien“ anlässlich dessen publizierte Blu-ray-Edition enthält den Film, Dokumentarfilme dazu sowie eine über zweistündige Diskussion, an der Roland Seim, Jörg Buttgereit, Christian Bartsch und ich im vergangenen Herbst teilgenommen haben.

Weitere Infos: Turbine Medien | Amazon

 

Computer morden leise

Am vergangenen Donnerstag habe ich im Kolloquium „Medien, die wir meinen“ des Lehrstuhls für Medientheorien einen Vortrag über „mordende Computer“ in der Science Fiction gehalten. Der Videomitschnitt ist jetzt bei YouTube einsehbar:

Verbunkerte Killerapplikationen

Vom 19. bis 22. Oktober 2011 findet am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die interdisziplinäre Tagung „Recht und Moral. Mediale Konstellationen gesellschaftlicher Selbstverständigung über ‚Verbrechen‘ vom 17. bis zum 21. Jahrhundert“ statt. In der Kurzvorstellung auf der Webseite heißt es:

Die Tagung entfaltet die Thematik im historischen Längsschnitt und vertieft zugleich diskurs- und mediengeschichtliche Konstellationen exemplarisch, von denen die Diskussionen in den sechs Sektionen der Tagung ausgehen werden. Vor dem Hintergrund diskurs- und mediengeschichtlicher Phasenbildung vom 17. bis zum 21. Jahrhundert will die Tagung insbesondere die medien- und öffentlichkeitsgeschichtlichen, literatur- und genregeschichtlichen, rechts- und justiz-geschichtlichen Ungleichzeitigkeiten herausarbeiten.

Ich bin freundlicherweise von Joachim Linder (der 2008 auf meiner Serienmord-Tagung in Bonn referiert hat) eingeladen worden, dort einen Vortrag zu halten. Ich werde die Gelegenheit nutzen, mein Dissertationsthema „zu Grabe zu tragen“ und in mein neues Forschungsprojekt überzuleiten, indem ich dort am Samstag Morgen über „Computer als (Serien-)Mordwaffe im Film der Gegenwart“ sprechen werde.

Vielleicht bietet der Kielbesuch darüber hinaus ja die Möglichkeit, das dort jüngst (in einem oberirdischen 2.-Weltkriegs-Bunker) eröffnete Computermuseum der FH Kiel zu besuchen und den hier schon gelegentlich zitierten Ralf Bülow sowie (endlich einmal) Hans-J. Wulff zu treffen …

»The Secret Soul of the Internet«

Fear Dot Com (USA 2002, William Malone) (DVD)

Das emergente Computernetz weiß alles

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»Ich hatte das verdammte Ding abgeschaltet.«

Net Games (USA 2003, Andrew van Slee) (DVD)

Frauen und Technik ...

Mein To-Do-Stapel hat ein bedenklich niedriges Niveau erreicht, weswegen ich mir als neues Projekt vorgenommen habe, einen Blick auf die Motiv-Kombination „Computer“ und „Serienmord“ zu werfen. Es gibt nicht viele Filme, die diese bedienen; diejenigen, die ich gesehen habe, nutzen allerdings beide Phänomene zur gegenseitigen ästhetischen „Verstärkung“. In „Schnittstellen“ hatte ich zu „Copycat“ und insbesondere zu „The Cell“ schon über die authentisierenden Effekte des Computer-Einsatzes im Plot geschrieben (archetypisch ist in beiden Filmen die Verschränkung von medialer Räumlichkeit und den Bedrohungs- bzw. Detektionsnarrativen des Serienmörderplots). Mit einem der konservativsten, und deshalb für eine Betrachtung von Angst-Mechanismen wertvollsten Beispiel beginne ich die Reihe: „Net Games“.

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»wenig neues erfahren«

Am 16. Oktober ist im Weblog „Kriminalakte“ eine Doppelrezension zu meiner Dissertation sowie dem von mir mit herausgegebenen Sammelband „Killer/Culture“ erschienen. Auch wenn ich die Rezension des Sammelbandes wenig stichhaltig finde (dazu fehlen mir etwa Belege darüber, dass es Betrachtungen wie in den Einzelkapiteln von „Killer/Culture“ schon einmal gegeben hätte, die das Urteil „wenig neues“ rechtfertigen – sehr problematisch erscheint mir auch die Bewertung des „Dexter“-Aufsatzes; natürlich hätte Seither auch etwas ganz anderes schreiben können; hat er aber nicht), freue ich mich doch über die ausführliche Besprechung.

Mehr: Kriminalakte

Mord ohne Ende

Für Telepolis habe ich die beiden PS3/PSP-Minis „Hysteria Project“ und „Actual Crimes: Jack the Ripper“ besprochen:

Serienmord als Thema für Videospiele ist beliebter als je zuvor. Allein 2009 und 2010 sind so viele [extern] Spiele mit diesem Motiv erschienen wie in den letzten 10 Jahren zusammen. Und neben Video- und Computerspielen für Erwachsene sind es zunehmend auch Browser-Games und – wie im vorliegenden Fall – mini-Games bzw. Apps für Handhelds und Smartphones, die den Serienmörder auch für Jugendliche zum Spielgegenstand machen.

mehr: Telepolis

Killer/Culture – Serienmord in der populären Kultur

Soeben wurden mir per Paketdienst meine Belegexemplare des von Michael Wetzel und mir herausgegebenen Sammelbandes „Killer/Culture – Serienmord in der populären Kultur“ geliefert. Der Band aus dem Bertz+Fischer-Verlag basiert auf der 2008 in Bonn stattgefundenen Tagung „Serienmord als ästhetisches Phänomen“, enthält jedoch sieben zusätzliche Essays zum Themenkomplex. Zu kaufen ist er in Kürze im Buchhandel oder jetzt schon über die Verlagsseite.

Inhaltsverzeichnis und Vorwort können auf der Verlagsseite als PDF-Datei eingesehen werden.

Wisconsin Generator

The Texas Chainsaw Massacre (USA 1974, Tobe Hooper) (Blu-ray)

Der ersten Film aus meiner Dissertationsfilmografie, den ich seit Abschluss der Arbeit wieder sehe – und gleich fallen mir zwei neue Dinge auf:

  1. In der deutschen Fassung sprechen Kirk und Pam sogar davon, dass es sich bei dem „amputierten, blutroten Motor“, der da „die unsäglichen Geräusche“ produziert, „ohne daß dadurch jedoch noch irgendetwas konkret angetrieben wird“ (Schwab, 231) um einen Stromgenerator handelt.
  2. Auf diesem Generator ist ein Aufkleber, auf dem die Herkunft „Wisconsin“ angegeben ist – erstmals für mich auf der Blu-ray zu erkennen. Netter kleiner Intertext.

Screenshot der DVD-Version

Neuer Killer in altem Gewand

The Killer inside me (USA 2010, Michael Winterbottom) (Berlinale-Palast)

Als letzten Berlinale-Beitrag habe ich mir einen Serienmörderfilm angesehen. Winterbottom verlegt seinen Stoff in die 50er Jahre und situiert dort einen Killer, der schon alles hat, was die Filmgeschichte bis in die Postmoderne auffährt; Beachtlich ist die „unbewusste Nähe“ zu Stoffen wie aus „The Sniper“ (in Hinblick auf die Misogynie als Zeitkolorit).

Jörg Buttgereit und ich haben für das epd-Film-Berlinale-Blog ein letztes Podcast zum Film aufgenommen:

Stillleben mit Blut

Gerade ist meine Kritik zum Computerspiel „Still Life 2“ (Mac) bei telepolis erschienen – mein erster Text zum einem Serienmörderspiel und gleichzeitig meine erste Besprechung eines Spiels für den Mac.

mehr: telepolis

The Sniper

Edward Dmytryks Serienmörderfilm „The Sniper“ aus dem Jahre 1952, der zu den eher seltenen Werken gehört, die ich in meiner Dissertation untersucht habe, ist jetzt endlich auf DVD erschienen. Wie ich im von philosophus zugesandten Link erfahre, befindet er sich in einer DVD-Klassiker-Kollektion zum „Filn Noir“ zusammen mit drei anderen Werken aus den 1950er Jahren, herausgegeben von Martin Scorsese.

Killer-Spiele (Nachschlag)

Als hätte ich es geahnt: Da müssen doch mehr Film-Spiele zum Thema gewesen sein – und richtig! Der „Angry Video Game Nerd“ kennt allein schon drei:

Killer-Spiele

Für einen Buchbeitrag suche ich gerade nach Titeln von Videospielen, in denen Serienmörder eine Rolle spielen oder Serienmord ein Motiv ist. Meine ersten Fundstücke (nach Erscheinungsjahr sortiert):

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Die großen Kriminalfälle

Auf 3Sat startet morgen Abend um 20:15 Uhr eine vierteilige Reihe mit dem Titel „Die grßen Kriminalfälle“ – Wiederholungen der bekannten ARD-Produktion. Im ersten Film wird „Der Kindermörder Jürgen Bartsch“ behandelt. Weiter geht es am 14.9. mit „Der Hammermörder“, am 21.9. mit dem „Al Capone aus der Pfalz“ (dessen Klarname verschweige ich hier lieber, um nicht wieder abmahnwütige Rechtsanwälte anzulocken – nur so viel: ein Freund von Peter Fleischmann) und schließt am 28.9. mit einer noch nicht genannten Episode.

Wer ist Jack the Ripper?

Heute hatte ich die letztmonatige Ausgabe von „PM History“ (05/2009) im Briefkasten und da fiel mir wieder ein, dass ich vor ein paar Monaten ja einmal ein Interview mit einer Journalistin hatte, die für das Magazin schreibt. Nun, der Artikel, der da heraus gekommen ist, befasst sich mit der Kriminalgeschichte des Jack-the-Ripper-Falles und sie stellt darin natürlich auch die Frage nach dem Täter (und nennt einige bekannte Hypothesen). Neben mir war auch Stephan Harbort Interviewpartner. Ein für einen ersten Überblick lesenswertes Spezialthema („Tatort Geschichte“).

Die Viren des Bergkönigs

Toll, wie der Anti-Viren-Werbespot der „Wir gegen Viren“-Kampage ein Motiv auf Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, nämlich das Pfeifen der Melodie von „In der Halle des Bergkönigs“ (aus Griegs „Peer Gynt Suite“), aufgreift. Die unheimliche Koalition der Erkennungsmelodie Fritz Beckerts, das Motiv des Mannes in der Menge und des unsichtbar umherschleichenden Todes zieht also auch nach 80 Jahren noch … (Schon das Eröffnungsbild der Hochhausfront in Froschperspektive ist weit mehr als ein establishing shot, es ist ein Kürzel für die Umheimlichkeit der Städte überhaupt.)

»Ultimative Erfahrung interaktiven Schreckens«

Brainscan (Kanada/UK/USA 1994, John Flynn) (VHS)

Der jugendliche Michael, der zurückgezogen in seinem voll-computerisierten Zimmer lebt und heimlich das Nachbar-Teeny-Mädchen Kimberly beobachtet und filmt, spielt leidenschaftlich gern mit seinem einzigen Freund Videospiele. Als sie von dem Neuen CD-ROM-Game „Brainscan“ erfahren, das vorgibt, die Videospielwelt zu revolutionieren, sind beide zunächst skeptisch. Michael ruft bei der Firma, die „Brainscan“ vertreibt, an und wird dort prompt „erkannt“. Am nächsten Tag hat er eine nicht-bestellte CD-ROM im Briefkasten, die er neugierig auch gleich einlegt. Kurz nach dem Programmstart steigt ein Mann aus seinem Monitor, provoziert Michael und macht ihm Angst: „It is the most frightening experience you have ever displeasure of coming into contact with.“

Was Michael im Videospiel „Brainscan“ erlebt, ist, in die Rolle (und Perspektive) eines Serienmörders zu schlüpfen und Menschen aus seiner Umgebung zu ermorden. Immer wenn er eine Spielrunde beendet hat, sind diese Leute jedoch wirklich tot. Ein Polizist, dem es seltsam vorkommt, dass sich Michael immer an den Tatorten herumdrückt, geht der Sache auf den Grund. Die letzten beiden Opfer, die Michael laut Spielplan ermorden soll, sind sein Kumpel und Kimberly – und das ist auch der Punkt, an dem er aus dem Spiel auzusteigen versucht.

bild-7(Michael und das Videospiel werden eins.)

Wie bei Cronenbergs „eXistenZ“ stellt sich gegen Ende des Films heraus, dass wir die ganze Zeit dem Spielplot beigewohnt haben, denn das, was wir als Filmhandlung von einer vermeintlichen Spiele-Handlung getrennt haben, war bereits ein Videospiel. (Einen kleinen Hinweis bekommen wir schon während des Films, als sich Michael ein Video von sich anschaut, das ihn dabei zeigt, wie er sich ein Videospiel anschaut.) Michael schreckt kurz vor Schluss des Films (und am Ende des Spiels) aus seinem Sessel auf, ist zunächst baff erstaunt über die immersive Qualität des Spiels, bekommt es dann jedoch mit der Angst zu tun und zertrümmert sein Computer-Equipment. Die reaktionäre Note, die der Film während der ganzen Zeit aufgebaut hat (dass nämlich dem realen das virtuelle Morden vorausgeht, ohne dass der Spieler noch einen Unterschied erkennen kann), findet hier ihre Katharsis: Zerschlagung der Verführungsmaschinerie und Flucht in die Realität.

bild-10(Michael zertrümmert seine Computer-Anlage)

Diese Realität ist allerdings nicht prä-medial, sondern nur prä-virtuell. Denn Michael ist Vorsitzender eines „Horror-Clubs“ in seiner Schule, in welchem er und ein paar Mitschüler sich regelmäßig Horrorfilme anschauen. Ein Lehrer argwöhnt, dass das nicht gesund und im Sinne der humanistischen Bildung sein kann und stellt Michael zur Rede:

Lehrer: „Die freien Projektstunden wurden zur intellektuellen Bereicherung eigenführt, deswegen habe ich einige Probleme mit eurem Horror-Club. Was war das für ein Film, den ihr euch da angesehen habt?“
Michael: „Tod! Tod! Tod! Folge 2“
Lehrer: „Oh Junge! Begreifst du nicht, dass sinnlose Gewalt keine Unterhaltung ist?
Michael: „Was soll es dann sein?“
Lehrer: „Warum? Was gefällt euch an dem Film? Hilf mir es zu verstehen?
Michael: „Ich schätze, es ist so eine von Art Flucht.“
Lehrer: „… wie gelegentlich Marihuana rauchen um der wahren Welt zu entfliehen. Oder wie durch einen pornografischen Drecksfilm eine Erektion zu kriegen und jemanden zu vergewaltigen, Michael.“
Michael: „Nun, also ich denke nicht, dass Erektionen so schlimm wären. Menschen vergewaltigen Menschen.“

Darauf findet der Lehrer (natürlich) keine Antwort, droht den Club zu schließen, wenn künftig nicht eine Bedingung erfüllt ist: Er will nur noch Sitzungen genehmigen, deren Inhalt er vorher geprüft und „ausgehalten“ hat. Für Michael stellt sich das zum Ende als Glücksfall heraus, denn so kann er dem gehassten Lehrer die „Brainscan“-CD-ROM zur Überprüfung reichen – wohlwissend, dass der Lehrer dabei durch dieselbe immersive Spiel-Hölle gehen wird wie zuvor er.

bild-11(Die „Brainscan“-CD-ROM)

Der Horror-Medienwechsel zwischen Video und Videospiel fand in etwa zur Entstehungszeit von „Brainscan“ statt (und die CD-ROM hatte daran einen nicht geringen Anteil!) – nicht aber auf der Rezeptionsebene, sondern auf der bewahrpädagogischen Ebene. Mitte der 90er Jahre hatte das Horrorvideo als Verführungsmedium so langsam ausgedient und konnte (wie zuvor schon die Rockmusik, das Comic, der Groschenroman usw.) seinen Weg in den Kanon der ungefährlichen Pop-Kultur finden. Das Medium Videospiel bot aufgrund ganz neuer interaktiver Rezeptionsweisen und der Generierung virtueller Szenarien viel „schrecklichere“ Möglichkeiten als das (scheinbar) monologische Filmegucken.

bild-12
(Igor, der virtuelle Gesprächspartner Michaels)

Ob „Brainscan“ nun nur Chronist oder Protagonist der Debatte ist, will ich hier nicht entscheiden müssen, sondern mich lieber noch auf ein paar interessante Details konzentrieren: Wie bei den anderen Filmen zum Thema „Computerspiel“, die ich bislang gesehen habe, ist die „Fiktion“ vom Sprachdialog mit dem Computer auch in „Brainscan“ zu finden. Das verbale Kommunizieren mit dem Computer soll ihn als gleichrangigen Dialog- und Spielpartner inszenieren und wenn er dann noch ein Gesicht – wie „Igor“ in „Brainscan“ – bekommt, wird ihm jene Individualität zugestanden, nach der sich der Computerfilm immer schon sehnt.

Eine andere interessante Strategie, die ebenfalls schon bei den vorher gesehenen Filmen auftauchte, ist die Behauptung der qualitativen Deckungsgleichheit von Videospielgrafik und Filmbild. Die virtuellen Bilder des Spiels sind ebenso realistisch „gezeichnet“, wie die des Films – hier sogar so realistisch, dass sie förmlich aus dem Rahmen springen:

Brainscan 1(Das Bild entsteigt dem Monitor.)

Das erhält innerhalb der „unzuverlässigen“ Dramaturgie von „Brainscan“ natürlich einen Sinn, denn es verwirrt einmal mehr über das Spiel-im-Spiel, von dem wir als Zuschauer nichts wissen. Ebenso wie bei „eXistenZ“ dient es aber nicht nur der „Verwischung“ der Fokalisationsgrenzen, sondern eben auch einem medienpsychologischen Spiel: Das Vorwort zum Spiel verspricht: „It interfaces with your sub-conscience, you supply the information, and we take care of the rest.“ Die Bilder stammen also nicht aus dem Spiel, sondern auch dem „Unterbewusstsein“ (wie es in der deutschen Synchro-Fassung heißt). Und von dort dringen sie gut-freudiansich gesprochen „unzensiert“ an die Oberfläche.

Das kulminiert schließlich in der medienethischen Fragestellung, die ich bereits bei „Terminal Entry“ aufgeworfen habe und die hier am Ende ausformuliert wird: „Wenn man keine Schuld empfindet, warum soll man Strafe auf sich nehmen?“ Es war schließlich wieder einmal alles nur ein Spiel.