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Essay

Längere Texte

Die Bibliothek der Turing-Galaxis

Das Buch als Medium, als „Apparat“ zum Speichern und Übertragen von Informationen, ist ein von der Buchwissenschaft bislang kaum beachtetes Thema. Anstelle des Kanals – also des materialen Mediums Buch – rückt diese seinen Leser, die Wirkung seiner Inhalte oder die Gesellschaft, die es hervorbringt, in den Fokus ihres manchmal ästhetischen, oft aber empirisch-soziologischen Interesses. Doch wie sähe eine Betrachtung des Buches als Medium aus? Es müsste zunächst rein als Material betrachtet werden, entkleidet von seiner Schrift, die den Blätterwald vor lauter Lettern bislang stets unsichtbar gemacht hat. Im Sinne Heideggers: Aus dem nur „zuhandenen“ Texttransportwerkzeug namens Buch müsste zuerst wieder etwas Vorhandenes werden, das uns als es selbst gegenübertritt.

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Computerspiele und Gewalt (3/4)

Heute ist der dritte Teil meines vierteiligen Essays über “Gewalt und Computerspiele” bei Telepolis erschienen, in dem ich mich mit den einzelnen Positionen und Personen in der “Killerspiele”-Debatte beschäftige.

Gewalt und Computerspiele (1/4)

Heute ist auf Telepolis der erste Teil meiner vierteiligen Textreihe über Gewalt und Computerspiele und den “Killerspiele”-Diskurs erschienen. Darin setze ich mich zunächst mit der Geschichte von gewaltdarstellenden Computerspielen auseinander:

Nach jeder Gewalttat von Jungendlichen entbrennt sofort die Frage nach den Gründen dafür. Seit einigen Jahren werden vor allem Computerspiele zuerst genannt, wenn es darum geht, ein “Vorbild” für irrationale Gewaltausbrüche Jugendlicher zu finden. In einem vierteiligen Essay stellt Telepolis-Autor und Medienwissenschaftler Stefan Höltgen die Anfänge dieser Debatte, entscheidende Zensurmaßnahmen, Positionen von Gegnern und Befürwortern und den Sinn der Diskussion über “Killerspiele” dar.

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Die Trauben des Todes sind gelesen: Jean Rollin (1938-2010)

Wie ich gerade von Oliver höre und auf der Fangoria-Webseite lese, ist (Edit: wahrscheinlich) in der vergangenen Nacht der französische Regisseur Jean Rollin gestorben, der mit seinen Horrorfilmen seit den 1970er-Jahren Maßstäbe für die Ästhetik des Genres gesetzt hat.

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, “Les raisins de la mort”, ist von Rollin – seine seltsame Kombination aus Lethargie, Gewalt, Endzeitatmosphäre und Sexualität berührt mich bei jeder Sichtung neu. Im November hatte ich eine kleine Hommage an den Film für einen Text-Weihnachtskalender verfasst, die allerdings abgelehnt wurde, weil ich übersehen hatte, dass ich über einen Film der vergangenen zehn Jahre schreiben sollte. Der Tod Rollins scheint mir ein passender Anlass, diesen Liebesbrief an seinen Film hier zu publizieren:

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»Die Antwort darauf, was die Geister wollen, ist in den Fotos.«

Shutter (Thailand 2004, Banjong Pisanthanakun, Parkpoom Wongpoom) (DVD)

In meiner damaligen Kritik bei Jump-Cut hatte ich geschrieben, dass mir “Shutter” vor allem deshalb so gut gefallen hat, weil er sich nicht allein auf den Hype der “J-Horror”-Ästhetik verlässt, sondern Ästhetiken und narrative Elemente des europäischen und amerikanischen Grusel- bzw. Geisterfilms in sich integriert. “Shutter” war nun Gegenstand der letztwöchigen Übungssitzung und dort haben wir vor allem diesen Aspekt und wie er mit der Tradition der Geisterfotografie und der Entstehung des medialen Spiritismus zusammenhängt, herausgearbeitet.

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Vergewaltigung & Vergeltung

Ich spuck auf dein Grab (I spit on your Grave, USA 1978, Meir Zarchi) (DVD)

Eine junge Frau zieht von der Stadt aufs Land, um dort an einem Roman zu arbeiten. Durch ihre autarke und freizügige Lebensweise erregt sie die Aufmerksamkeit von vier Freunden, die sie zunächst „nur“ belästigen und später schließlich mehrfach vergewaltigen. Als die Vergewaltigung beendet ist, wird der labilste der vier dazu auserkoren, die Frau zu erstechen, was er jedoch nicht tut. In der Annahme, das Opfer sei tot kehren die Männer zu ihrem gewohnten Tagesablauf zurück. Die Frau indes schmiedet, nachdem sie ihre Verletzungen auskuriert hat, Rachepläne, die sie auch in die Tat umsetzt: Sie ermordet einen Vergewaltiger nach dem anderen.
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Entgrenzung im Film

Über die Rollen der Teilnehmer am Diskurs über Film

Vortrag auf der "FSK Prüfertagung 2006" (10.11.2006)
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»Das woll(t)en Sie doch sehen!«

The Last Horror Movie (GB 2004, Julien Richards) (DVD, kJ-Fassung)

Stellungnahme zur gekürzten Fassung von „The Last Horror Movie“
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My Two Cents

Auf den Internetseiten von F.LM und Medialog habe ich heute eine ausführliche Stellungnahme über das neuerliche "Rohtenburg"-Verbot veröffentlicht. Darin versuche ich die Notwendigkeit des Film für den kultur-psychologischen Verstehensprozess zu erläutern.

[mehr: F.LM oder Medialog]

Ich töte also bin ich.

David Cronenberg erforscht in „A History of Violence“ die Wechselwirkungen von Gewalt und Identität

In „A History of Violence“ wird dargelegt, welchen Einfluss die Ausübung und Vermeidung von Gewalt auf die individuelle Entwicklung der Figuren hat – bis hin zur Findung der eigenen Identität. David Cronenberg führt damit die Betrachtung aus seinen früheren Filmen fort, jedoch unter für ihn völlig neuen ästhetischen Prämissen.

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»I like to remember THINGS my own way.«

Die
Unheimlichkeit des Details in den Filmen David Lynchs

Die Arbeitsgruppe „Die Unheimlichkeit des Details“ hat sowohl in
den Referaten als auch in den Diskussionen den Weg vom Konkreten zum Abstrakten,
vom physischen Detail als Motiv im Film zur Theorie des Films verfolgt. Im Zentrum
stand dabei die Frage, welche Formen von Unheimlichkeit in den Filmen David
Lynchs existieren, an welchen Aspekten der Produktion (als Vorstufe der
Inszenierung), der Ästhetik und der Rezeption sich Unheimlichkeit
entwickelt.

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Gute Gründe für Gewalt

Überlegungen zum kanonisierten “Taxi Driver”

Ein Mann mit einer Irokesen-Frisur geht auf einen anderen mit langen
Haaren zu. Der erste Mann ist bis an die Zähne bewaffnet und heißt
Travis Bickle. Bis vor kurzem war Travis Taxifahrer. Jetzt ist er
Amokläufer. Der andere Mann, ein Zuhälter, heißt bei seinen Freunden
und Prostituierten einfach „Sport“. Nach einem kurzen, aggressiven
Wortwechsel zieht Travis eine Pistole und schießt Sport in den Bauch.
Während dieser schwer verletzt zusammensackt, geht Travis in ein
benachbartes Haus, das als Bordell für Kinderprostitution dient. Dort
schießt er auf den Bewacher des Hauses, wird selbst von „Sport“, der
Travis trotz Verwundung gefolgt ist, in den Hals geschossen, bahnt sich
aber seinen Weg ins Obergeschoss, erschießt dort einen Freier und sinkt
schließlich schwer verwundet dennoch zufrieden neben der 12-jährigen
Prostituierten Iris zusammen. Ihrer Befreiung aus der Prostitution galt
augenscheinlich das Massaker.

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So nah als wär’ man da

Tony Scotts “Man on Fire” und die Ökonomie der Dinge

„Wenn du dein Kind oder deine Frau küßt,
so sage dir: ‚es ist ein Mensch, den du küßt.’
Dann wirst du nämlich nicht die Fassung verlieren,
wenn er stirbt.“
(Epikur)

Nähe erzeugt Empathie. Film schafft zweierlei Arten von Nähe: “nahe
Bilder” und Geschichten, die einem “nahe gehen”. Wenn sich – wie bei
Tony Scotts “Man on Fire” – beide Formen von Nähe miteinander
verbinden, entsteht ein interessantes Verhältnis zwischen Erzählung und
Bildkomposition. Scott setzt in “Man on Fire” verschiedene Techniken
ein, um den Blick des Zuschauers abzurichten. Und es erscheint schon
fast als Zwangsläufigkeit, dass sein Film “von Entführung und Liebe”
handelt.

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Biopolitik in Metropolis

Michael Winterbottoms „Code 46“ als Destillat urbaner Dystopien

Gerade die Science-Fiction-Filme, die in nicht allzu ferner Zukunft
spielen, bieten immer Anlass zur politischen Lektüre – insbesondere,
wenn sie Themen aufgreifen und weiterspinnen, die heute aktuell sind.
Zumeist handelt es sich bei diesen Filmen um Dystopien, also negative
Utopien, die – wie „Robocop“ (1987) – von den Auswüchsen (in) der
Urbanität, oder – wie „1984“ (1956/1984) – von der Unmenschlichkeit des
Überwachungsstaates, oder – wie „Gattaca“ (1997) – von den Folgen der
Technologisierung für das Leben des Menschen handeln. Michael
Winterbottoms neuer Film „Code 46“ ist insofern nicht originell, denn
er greift alle drei Themen auf und lässt sie einfließen in eine „Story,
die erkennbar in einer nicht allzu fernen Zukunft liegt“ (Presseheft).

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»the way of the future«

Krieg und Kino in Scorseses „Aviator“

Bei Filmbiografien bedeutender historischer Persönlichkeiten scheint es oft so, als trete der Regisseur ganz besonders weit hinter seinen Gegenstand zurück. Die darzustellende Biografie ist es ja schließlich selbst, die Sinn und Zusammenhang stiftet; der Autor ist mithin einzig als Sammler und Ordner der historischen Fakten zuständig – und als Sprachrohr seines Helden. Doch gerade im Bemühen um größtmögliche Authentizität kehrt der Autor als Konstrukteur und Simulant zurück.

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In Vorbereitung “Das Ding an sich”

Für die F.LM Nummer 6, die im Mai 2005 erscheinen soll, steht nun das
Titelthema fest: “Die Macht der Dinge”. Ich habe mich entschlossen,
einen nur in zweiter Hinsicht zum Thema “passenden” Artikel
beizusteuern. Wie immer bei mir muss zuerst die Überschrift stehen
(mithin: das Konzept) und daraus entwickelt sich dann der Artikel
selbst. Hier also die Überschrift:

“Das Ding an sich” – Subjekt/Objekt/Abjekt, oder: Körperparasiten im Science-Fiction-Film

Untersuchen
werde ich in dem Artikel John Carpenters “Ding”, David Cronenbergs
“Shivers” und
Frank Henenlotters “Brain Damage” auf ihre Parasiten-Metaphorik, die
ich in (m)ein metatheoretisches Autorenkonzept übertragen werde.

Organmetaphern in der Geistesgeschichte und Cronenbergs Scanners

Die Organisation des Denkens

1. Organ und Werkzeug

Parallel zur Intellektualisierung des Menschen in der Geschichte verläuft seine körperliche “Fragmentarisierung”. Sein Körper löst sich in Einzelteile auf – in Organe, die mit je eigenen Funktionen und Bauweisen beschrieben werden. Der Körper wird seit der Antike nicht mehr nur als Ganzes von den Göttern Gegebenes verstanden, sondern zusehends als ein Zusammen von funktionellen Einheiten.
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Die anale Phase in Cronenbergs “Shivers”

Gestern lief in unserer David-Cronenberg-Reihe “Shivers” mit einer sehr instruktiven Einführung von Brigitte Weingart über Kristevas Theorie des Abjekten. Dazu ist mir im Verlauf des Films folgende Frage gekommen: Was genau ist eigentlich der Parasit in dem Film?

Angeschlossen an den psychoanalytischen Diskurs von Weingart und meiner Überlegung zu “The Brood”, dass Cronenberg in seinen Filmen psychoanalytische Theorie inszeniert, habe ich mir folgendes überlegt:

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Hysteriekonzepte in David Cronenbergs “The Brood”

Ich mache ja derzeit in Bonn eine Komplett-Retro zu Cronenberg (in der Uni) mit wechselnden Vorträgern.

Letzte
Woche haben wir “The Brood” geguckt. Ich habe eine Einführung – gemäß
meiner Perspektive auf Cronenberg als “Film-Theoretiker” gemacht, die
sich mit der Psychologie in “The Brood” auseinandersetzt und zwar
genauer gesagt mit der Hysterie-Theorie Freunds und Cronenbergs.
Folgende Beobachtungen habe ich gemacht:

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“Passion Christi” vs. “Blood Feast”

Ein Essay von mir über sinnvolle und “sinnlose” Gewaltdarstellung im
Film … ein Vergleich zweier Filme, die auf den ersten Blick sehr
unterschiedlich sind. Erschienen bei “telepolis”

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