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Commodore

Umrunden!

Foto: Yogi

Am vergangenen Freitag war das ZDF zu Besuch im Signallabor, um dort einen Beitrag zum 35. Geburtstag des Commodore 64 zu drehen. Der Film wird Ende Februar ausgestrahlt (ich werde dann hier darauf noch einmal hinweisen). Der Anlass zeigt aber einmal mehr, wir arbiträr die Anlässe sein können, Technikgeschichte als Wirtschaftsgeschichte umzudeuten. Dazu hatte ich vor ein paar Monaten einmal eine Kolumne in der Zeitschrift RETURN, die ich hier online stelle:

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Chips&Flocken

Bei einem der ersten Flohmarkt-Käufe, bei dem ich einen alten Computer erworben hatte (einen C64) fand sich als Beifang eine kleine Faltschrift, die offenbar Beigabe einer Frühstücksflocken-Packung von 1990 gewesen ist: »Kellog’s Kleines Commodore Computer Lexikon«. Jahrelang lag es nun hier zwischen Bilbiothek und Computerregal – jetzt ist es als Spende zum BCC gegangen … natürlich nicht, ohne vorher gescannt worden zu sein.

Den Scan darf man sich als PDF (OCR) hier herunterladen: Kellog (1990) – Kellog’s Kleines Commodore Computer Lexikon

Mikro-Kriegserzählung

„The Commodore Wars“ und die Misere der Computergeschichtsschreibung

Computergeschichte ist Teil der Technikgeschichte, die wiederum Teil der Wirtschaftsgeschichte ist. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn die Historiographen ihr Augenmerk auf die Geschichte einer Computerfirma richten. „The Commodore Wars“ steht in genau dieser Tradition und erzählt aus diesem Grunde auch nichts neues. Das einzig Originelle an ihm ist, dass er dies aus berufenem Munde tut.

mehr: Telepolis

Game Circuit #16: Hands on C=64

gc16

Texas Instruments Galore

Auf dem Rückweg vom VCFe habe ich Zwischenstopp in Braunschweig gemacht und von jemandem, der hier im Blog auf meine TI-99/4A-Hardware aufmerksam geworden war, eine umfangreiche Spende für das Signallabor entgegen genommen.

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Bestandteile der Spende sind (nach erster Sichtung):

  • 2 Stück TI 99/4A (1 OVP) mit TV-Modulatoren (1 AV-Mod), Netzteilen
  • 2 Stück TI 99/4A-Platinen (teilweise modifiziert)
  • 2 Stück TI 99/4A-Ersatz-Tastaturen
  • 3 Stück TI 99/4A-Netzteilplatinen
  • 1 Peripheral Expansion System mit Diskettenlaufwerk, RS-232 und zwei unbekannten Karten)
  • mehrere Dutzend Original- und andere Kassetten mit Software
  • 2 Diskettenboxen voll Disketten (teilw. Originale)
  • 1 SketchPad OVP
  • 2 Mäuse & 2 Joysticks
  • 3 externe Diskettenlaufwerke
  • ca. 50 TI-Zeitschriften (deutsch)
  • ca. 20 TI-Bücher (deutsch & englisch)
  • Original-Dokumentationen zur Hardware und Software
  • eine Anzahl unbekannter, selbsterstellter Hardware-Erweiterungen
  • 2 Ordner voller TI-Artikel aus deutschen Computerzeitschriften

außerdem:

  • ein C16 mit Software auf Kassette
  • ein ZX-81 mit Drucker, RAM-Erweiterung, Software und Ersatzteilen für Sinclair ZX-81 und Sinclair Spectrum

Insbesondere die Paperware, Software und die unbekannten, selbst erstellten Hardware-Erweiterungen für den TI erscheinen mir sehr interessant. Ich werde die Teile in den nächsten Wochen testen.

Wer sich an der Identifikation der unbekannten Gegenstände beteiligen möchte, kann das in der (sehr aktiven) TI-Gruppe auf Facebook tun. Dort gibt es auch weitere Fotos der Spende zu sehen.

Der Commodore 64

Für das Sommersemester 2016 plane ich einen BA-Kurs zum Commodore 64. In diesem soll die Geschichte, Technik und Kultur des C64 unter medienarchäologischer Perspektive erforscht werden. Passenderweise sendet SternTV morgen Abend einen kleinen Beitrag zu diesem clash of the generations.

Fundstück 2013

Auf der letzten CC im Sommer 2013 hat mich natürlich auch Elias besucht:

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Hardware-Nachlese

Auf der Classic Computing habe ich nicht nur als Gastgeber fungiert, sondern natürlich auch einen eigenen Stand betrieben. Darauf habe ich vor allem Analogcomputer aus unserem Signallabor ausgestellt – unter anderem das fehlerbehaftete „Tennis for Two“ auf dem RA-742. Am Samstag Nachmittag hat sich ein interessierter Vereinskollege um die Schaltung gekümmert und sich en passent in die Analogcomputerprogrammierung eingearbeitet. Zum Abend hin lief das Spiel dann wieder. Auch mein Amiga 500 kam unters Messer und wurde mit einem Kickstart-1.3-ROM ausgestattet, damit ich in 3 Wochen eine Demo vorführen kann, die unter 1.2 nicht gelaufen wäre.

der Medienarchäologische Fundus war mit verschiedenen Experimental- und Einplatinencomputern vertreten. In der Reparatur-Ecke wurde zwar meine Odyssey nicht, dafür aber mein Spectrum +2 repariert (bei dem musste ein Transistor umgelötet werden, damit die RGB-Darstellung funktioniert). Zudem haben sich zwei der Vereinsmitglieder um meinen neuesten Computer gekümmert: Einen Olivetti M20:

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Den habe ich auf der Verlosung der Vereinsspenden gewonnen und mich zwar an meine unguten Zeiten mit ELAN und EUMEL erinnert, dafür aber sehr gefreut, als ich entdeckte, dass der Rechner auf der 16-Bit-CPU Z8000 von Zilog basiert und damit ein sehr exotischer Neuzugang im Signallabor ist. Ebenfalls auf der Verlosung habe ich einen KC 85/4 ersteigert, der mit zwei Digital-In-Out-Modulen, einem Kassettenrekorder von RFT sowie Kassetten und umfangreicher Dokumentation ausgestattet ist:

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Das Gerät ist etwas verbastelt: Es wurde wahrscheinlich in einem Labor als Messtechnik eingesetzt (einige Probes ragen noch hinten aus dem Gehäuse). Etwas stärker umgebaut ist dieser CBM-3000:

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Der Rechner mit 5,25-Doppelfloppy wurde mir als Dauerleihgabe von einem Vereinskollegen fürs Labor überlassen. Er besitzt mehrere alternativ wählbare ROMs und eine Speichererweiterung.

[emulator*]

Im gestrigen Vortrag der Reihe SHIFT-RESTORE-ESC ging es um einen der medienwissenschaftlich interessantesten und zugleich zentralen Aspekte des Retrocomputings: die Emulation von alter Hardware auf neuer Hardware durch Software. Dr. André Fachat stellte dazu den VICE vor, der eine Reihe von 8-Bit-Commodore-Plattformen auf neueren Rechnern emuliert. Neben der Frage des Unterschieds von Simulation und Emulation (die Etymologie hilft hier wieder einmal gar nicht), war aber vor allem das Abbildungsverhältnis zwischen beiden Maschinen ein wichtiges Thema.

Geahnt hatte ich es ja bereits aber die Ausführungen (und Code-Beispiele) haben es dann deutlich gezeigt: Es geht nicht um die Abbildung einer Maschine in einer anderen, sondern um die Abbildung des Verhaltens einer Maschine durch eine andere. Keine Rede kann also davon sein, dass ein PC, der einen C64 emuliert, in diesem Augenblick „im Zustand des C64“ ist. Die Frage: „Wird ein Bauteil auch dann emuliert, wenn es gerade nicht benutzt wird?“ kann ganz klar mit „Nein.“ beantwortet werden. Für eine vollständige (was auch immer das sein könnte) und zugleich zeitgenaue Emulation selbst des ältesten Mikrocomputers reicht die Rechenperformance der neuesten Mikrocomputer nicht aus. Mit Hilfe von „shortcuts“ und „warp counting“ (siehe hier bei der CIA-Emulation) werden unbenötigte Funktionen des emulierten Systems ausgeblendet um die Performance des Emulators zu erhöhen.

Der Vortrag wurde wieder gefilmt und steht auf YouTube bereit:

Hacking the Beam

Gestern Abend trug Michael Steil in der Vortragsreihe „SHIFT – RESTORE – ESC“ zum Thema Computergrafik vor. Steil, der ein echter Fachmann in Sachen C64 ist, hat sich dabei auf die Bilderzeugung des VIC-2-Grafikchips in eben jenem Rechner konzentriert und peu a peu dessen dokumentierte und nicht-dokumentierte Funktionen vorgestellt. Die gleichermaßen extreme Hardwarenähe und trotzdem große Plastizität (vor allem aufgrund der sehr guten Präsentation) seiner bisherigen Vorträge hat er gestern abermals zu einem gelungenen Ganzen zusammengefügt. Das Video ist heute bei YouTube:

Game Circuit #7 & Game Circuit #8

Aufgrund der Semester- und Veranstaltungsplanung habe ich die Termine und Themen für die nächsten beiden Game-Circuit-Treffen bereits jetzt festgelegt:
Game Circuits #7 gamecircuits8

Der Tragödie zweiter Teil

2006 war als Gemeinschaftsprojekt der Homecomputerhistoriker Christian Zahn, Boris Kretzinger und Enno Coners das Buch „Die Commodore-Story“ erschienen. Darin skizzieren die Autoren die äußerst wechselhafte Geschichte der Firma Commodore, die einmal mit Schreibmaschinen und Taschenrechnern in die Mikroelektronik- und Büromaschinen-Branche eingestiegen war (der Firmenname CBM stand für „Commodore Business Machines“ – unter dieser Flagge erschienen auch die ersten Computer der Firma), sich jedoch spätestens mit dem Commodore PET, dem VC-20 und dem legendären C64 zu einer der wichtigsten Firmen in der Computerbranche der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren entwickelten. Mit dem Amiga wiederholte sich der Erfolg ab 1985 ein weiteres mal, läutete jedoch zugleich das Schlusskapitel von Commodore ein, die – nach ein paar Verkäufen des Firmennamens an unterschiedliche Hardwareproduzenten und -distribuenten – bald verschwunden war. Erst vor zwei Jahren tauchte der Name als „Commodore USA“ wieder auf: die Ankündigung und Produktion eines neuen C64 (gefolgt von Amiga und VC-20) auf Intel-Basis mit Linux-Betriebssystem (also mit Software-Emulatoren) im bekannten Hardware-Gewande sollte auch den Erfolg der vergangenen Jahrzehnte reanimieren.

Das Buch ist – nicht nur anlässlich des Todes von Jack Tramiel, einem zentralen Wegbereiter der Homecomputer-Ära des Konzerns im vergangenen Jahr – noch einmal überarbeitet und erweitert (von 155 auf 207 Seiten) aufgelegt worden und ab sofort für 12,95 Euro im Buchhandel oder über die Homepage des CSW-Verlages zu bestellen.

Boing …

Edit:

Der Sourcecode zum letzten Beispiel ist in Locomotive-BASIC geschrieben:

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Platform Studies 2 & 3

Für IASL habe ich gestern zwei Bücher von MIT-Press zur Rezension bekommen. Es handelt sich um die Bände 2 und 3 der Reihe „Platform Studies“, die 2009 mit „Racing the Beam“ von Ian Bogost und Nick Montfort gegründet wurde:

C64 komplett

Via pagetable bin ich heute morgen auf die 177. Folge des Chaos-Radio gestoßen, in dem sich der Moderator Tim Pritlove mit Michael Steil (dem Macher von pagetable) mehr als 2,5 Stunden lang über den Commodore C64, seine Geschichte, Hardware-Details und Programmierung unterhält. Wer das Gerät nicht kennt, kennt es nach dem Anhören des Podcasts sehr gut. Leider ergeht sich der Moderator nicht selten in Zotigkeiten und Spitzfingerigkeiten (allein der Unsinn, den er über den TI 99/4a zu sagen hat …) Diese Form von Humor hat sich seit Benjamin Maacks GEE-Podcasts ja leider eingebürgert. Dennoch: sehr hörenswert!

Wenn du zu deinem Heimcomputer gehst, vergiss die Peitsche nicht

Ich habe jüngst drei Bücher vom W.-Hofacker-Verlag erstanden, bei denen es mir – ehrlich gesagt – nur in zweiter Hinsicht auf den Inhalt ankam. Dabei handelt es sich um folgende Titel:

Die Sammlung wird ausgebaut …

30 Jahre Brotkasten

SpOn erinnert in einem langen Artikel an die Veröffentlichung des Commdore 64 am 10. Januar 1982.

Expose me now!

Computer Sex (Expose me now, USA 1982, Joe Sherman) (DVD)

Ebenfalls als katalytische Maschine wird der Computer in „Computer Sex“ (USA 1982) inszeniert. Hier dient ein Commodore PET (beschriftet mit dem Akronym „C.L.I.T.“)  dazu, geheime Daten über das Sexualverhalten von Menschen zu speichern und dem Protagonisten Abel (Ron Jeremy) preiszugeben. Mit der Hilfe der Maschine versucht er nämlich seinem überaus keuschen Bruder Shane (Hershel Savage) das Erbe abzuluchsen, was ihm nur dann gelingt, wenn er ihn in Versuchung führt und dadurch seine Pflicht vergessen lässt. Der Computer soll hier ebenso dazu dienen, das Haus, in dem der züchtige Bruder lebt, zu verkaufen. Von den interessierten Käufern ermittelt er ebenfalls die sexuellen Vorlieben. Es ist eine wahre Offenbarungsmaschine, die dem Zuschauer in „Computer Sex“ präsentiert wird – damit wird eine immer schon bestehende Angst vor der Unsichtbarkeit der Informationsverarbeitung dieser Geräte bedient, die offenbar von keiner Privatsphäre halt macht, weil sie den Unterschied zwischen öffentlich und intim gar nicht kennt. Für den Pornofilm ist diese Indifferenz natürlich ein zentrales Thema – dieses drückt sich bereits im Alternativ-Titel „Expose me now“ als Imperativ aus. Der Computer verfügt über Daten, mit deren Hilfe sich sexuelle Kontakte anbahnen lassen, ohne dass er jedoch – wie die Roboter im Pornofilm – selbst zu einem Akteuer werden muss.