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DisSimulation

Über Medien, Wirkung, Konstruktion und Simulation

Verlaufsformen

Morgen halte ich ab 18 Uhr im Kolloquium “Medien, die wir meinen” einen Vortrag aus meine Forschungsprojekt:

Die Frage, ob und wie Medien die Wirklichkeiten ihrer Nutzer konstruieren ist, betrachtet man sie nicht bloß als soziologisches Problem, eine zentrale Frage jeder Medienepistemologie. Denn in der medialen Konstruktion von Wirklichkeit schreibt sich das Medium immer schon ein, weshalb die Analyse des Konstruktes immer auch eine Analyse des Mediums sein muss. Ausgehend von einer frühen sprachlichen Beschreibung eines physikalischen Vorganges aus der Kinetik (“Der springende Punkt”) durch Aristoteles wird über drei theoretische Scharniere (S. J. Schmidt, F. Kittler, C. Pias) ein Sprung in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts unternommen, in welchem Analog- und Digitalcomputer mit der “Beschreibung” desselben physikalischen Vorgangs betraut wurden, diesen jedoch nicht mehr nur in (programmier)sprachliche Codes kleiden, sondern ihn ihren technischen Aprioris unterwerfen. Im Vortrag wird die unterschiedliche “Simulationstätigkeit” desselben physikalischen Vorgangs durch fünf Sprachen demonstriert: die menschliche Sprache, die analog-elektronische Schaltung (auf dem Telefunken RA-742), die Implementierungen in 68k-Assembler/C (auf dem Commodore Amiga), Locomotive BASIC (auf dem Amstrad CPC) und 6507-Assembler (auf der Atari VCS). Dabei wird en passant versucht zu zeigen, warum solche Demonstrationen stets in Echtzeit erfolgen müssen (und damit an ein “Medientheater” gebunden sind) und – im Hinblick auf ein laufendes Buchprojekt -, wie die jeweiligen Simulationen das Wissen um die Grenzen und Möglichkeiten des Computers in der “Retrospektive” nutzbar machen.
Dauer ca. 60 Minuten mit vier unterschiedlichen Simulationsdurchläufen in Echtzeit – danach: Diskussion

point

Spiel, Raum und Bild

Gestern hat Stephan Günzel, den ich noch aus meiner Jenaer Zeit bei Wolfgang Welsch als Kollegen kenne, bei uns im Kolloquium vorgetragen und sein neue Buch vorgestellt: “Egoshooter. Das Raumbild des Computerspiels” hat er als Habilitation an der Uni Potsdam eingereicht. Darin unternimmt er den Versuch, der Geneaolgie von Claus Pias eine Erweiterung angedeihen zu lassen. Der Egoshooter ist das Computerspiel, das es ohne Computer nicht geben könnte. Dies beruht vor allem auf seinem Umgang mit räumlichen Konstruktionen. Besonders charmant an dem Ansatz ist die Relativierung von aggressionssteigernden Potenzialen, welche nach Ansicht der Medienpsychologen und Kriminologen hinter solchen Computerspielen schlummern. Hier wird nicht der Umgang mit Waffen eingeübt, sondern der Blick selbst ist es, der zum Projektil im virtuellen Raum wird.

Wir haben den Vortrag gefilmt und auf YouTube veröffentlicht:

An den Ort des Verbrechens zurückzukehren

Vor einiger Zeit habe ich vom Label “Bildstörung” die Anfrage bekommen, ob ich zur dort erscheinende Wiederauflage des Films “Henry – Portrait of a Serial Killer” etwas beisteuern möchte. Da ich mich mit dem Film intensiv in meiner Dissertation befasst habe, war das naheliegend; weil ich nun aber in ganz anderen Gefilden tätig (und sogar einigermaßen froh, das “Filmkapitel” hinter mir gelassen zu haben) bin, habe ich abgelehnt, etwas Neues dafür zu produzieren, anstelle dessen aber vorgeschlagen, das betreffende Kapitel meiner Diss. für das Booklet zu verwenden. Der Publisher und der Schüren-Verlag waren einverstanden und so hat mir die Briefträgerin heute einen dicken Brief mit vier Belegexemplaren (2 DVDs und 2 Blu-ray-Discs) des nun auch nicht mehr indizierten Films überreicht.

Es ist eine tolle Edition geworden – was nicht zuletzt am Bonusmaterial liegt und ich freue mich, etwas dazu beigesteuert zu haben!

Weitere Infos: Bildstörung | Amazon

Poke her

Auf Telepolis ist heute mein kurzer Beitrag zur Freigabe der Grafikdemo “Sex Cartoon” vom Index für jugendgefährdende Medien zu lesen.

Mehr: Telepolis

See Saw

Christian Bartsch und seinem Label “Turbine Medien” ist es gelungen, Tobe Hoopers “The Texas Chainsaw Massacre” nach fast 30 Jahren von alle deutschen Zensur-Repressalien zu befreien: Angefangen von der Aufhebung der gerichtlichen Beschlagnahmung über die Streichung vom Index für jugendgefährdende Medien bis hin zur erfolgreichen Beantragung einer FSK-Freigabe “ab 18 Jahren” ohne Schnittauflagen.

“The Texas Chainsaw Massacre”, mit dem ich mich auch in meiner Dissertation beschäftigt habe, ist nun in Kürze wieder frei verkäuflich. Die von “Turbine Medien” anlässlich dessen publizierte Blu-ray-Edition enthält den Film, Dokumentarfilme dazu sowie eine über zweistündige Diskussion, an der Roland Seim, Jörg Buttgereit, Christian Bartsch und ich im vergangenen Herbst teilgenommen haben.

Weitere Infos: Turbine Medien | Amazon

 

Rundumschlag

Das christliche Medienmagazin Pro hat mich vor ein paar Wochen zu den Themen TV-Castingshows, Killerspiele und Schulmobbing interviewt. Ein Videozusammenschnitt des Interviews ist heute auf der Webseite des Magazins erschienen:

Davon, dass ich an der HU “die Wirkung von Medien erforsche” (seltsam, ohne diesen Passus kommt man wahrscheinlich nicht in die Medien), distanziere ich mich natürlich.

Simulationsräume

Nach langer Planung ist nun der von Marcus Stiglegger herausgegebene Band über David Cronenberg im Berliner Bertz+Fischer-Verlag erschienen. Im Stile der dort bereits vorliegenden Regisseur-Bände versammelt er in einer Sektion thematisch-wissenschaftliche Annäherungen an die Filme und im zweiten Teil kurze Einzeldarstellungen zu jedem Film der Filmografie. Ich selbst habe einen Text über filmische Raumkonstruktionen (i.e.S. über die “Simulationsräume”) in seinen Filmen beigesteuert. Zahlreiche Autoren von F.LM, epd Film und aus dem bekannten Arbeitsumfeld des Herausgebers sind ebenfalls mit Texten im Band vertreten – erstaunlicherweise einige, die man in einem wissenschaftlich orientierten Überblickswerk zu Cronenberg erwartet hätte, jedoch nicht. Daher repräsentiert “David Cronenberg” zwar nicht die deutschsprachige Forschungslandschaft zum Werk des kanadischen Regisseurs, füllt aber eine lang bestehende publizistische Lücke!

Gewalt und Computerspiele (4/4)

Heute ist der vierte und letzte Teil meines Essays über Gewalt und Computerspiele bei Telepolis erschienen, in welchem ich auf Basis der Theorie des diskursive Normalismus versuche zu verdeutlichen, warum sowohl Gewalt als auch der Streit über die Gewalt und deren Darstellung konstitutiv für Gesellschaften ist. Schützenhilfe gibt mir dabei Jörn Ahrens.

mehr: Telepolis

»Porno war gestern«

Die Überschrift des Artikels im heutigen Tagesspiegel, für den ich als Experte interviewt wurde, ist durchaus passend für mich (bzw. meine Nichtmehrbeschäftigung mit Porno). Zwar mag ich nicht unbedingt als Medienwirkungsforscher dargestellt werden; doch wenn es um die Zusammenhänge von Ästhetik und Diskursivität geht, kann ich da schon mal ein Auge zudrücken:

Der Chef-Juror allein kann’s nicht sein: “Das Supertalent”, inzwischen in der fünften Staffel, erzielt bei RTL immer neue Rekordquoten. Was aber macht die Show so enorm populär?

mehr: Tagesspiegel

Computerspiele und Gewalt (3/4)

Heute ist der dritte Teil meines vierteiligen Essays über “Gewalt und Computerspiele” bei Telepolis erschienen, in dem ich mich mit den einzelnen Positionen und Personen in der “Killerspiele”-Debatte beschäftige.

Gewalt und Computerspiele (2/4)

Teil 2 meines vierteiligen Essays über den “Killerspiele”-Diskurs befasst sich mit der staatlichen Zensurpraxis in Deutschland und stellt die Argumente von Amtsgerichten zum Computerspiele-Verbot anhand von “Mortal Kombat” und “Manhunt” vor, die beide wegen “Gewaltverherrlichung” verboten wurden.

mehr: Telepolis

»alberne Computerspiele«

Ich weiß auch nicht, warum ich mich vom Duktus der SpOn-Technikberichterstattung so regelmäßig freiwillig anwidern lasse … Was technisch nicht auf dem neuesten Stand ist, muss dringend “albern” (usw.) gefunden werden. Auch im dort gestern erschienenen Beitrag über frühe indizierte Computerspiele zeigt sich das wieder einmal deutlich und der Autor Markus Böhm kulturhistorisch völlig blind. (Ja, natürlich sind vor allem die auf die “Bild”-Leserschaft schielenden Redakteure schuld daran; aber wenn man als Autor einen journalistischen oder medien-/kulturhistorischen Anspruch verfolgt, dann lässt man sich mit solchen Redakteuren eben nicht ein!)

Einzig die gescannten Indizierungsbescheide sind da noch von Interesse: Speed Racer, Battlezone, Raid over Moscow.

#killerspiele

Ich behalte den tag “Killerspiele” ja ziemlich genau im Blick. Jetzt – “nach Oslo” – sei da auch wieder eine Debatte in den Medien darüber entbrannt, inwiefern der Täter sich durch Ego-Shooter habe inspirieren bzw. trainieren lassen. Interessanterweise taucht aber der tag “Killerspiele” fast ausschließlich in Texten von Computer- und Game-Portalen auf, die diese neue Medien-Gewalt-Debatte dräuen sehen. Wer die wohl also angestoßen hat …? Es ist wohl so wie mit Pawlows Hunden – auf beiden Seiten des Käfigs.

»Nekrophilie ist Liebe zur Zukunft.«

Heute Abend ab 18:00 Uhr findet in der Berliner Volksbühne ein Abend zu Ehren des 20. Todestages von Heiner Müller sowie des 20-jährigen Jubiläums von Jörg Buttgereits Film “Nekromantik 2” statt. Letzterer sollte 1991 durch einen Berliner Gerichtsbeschluss wegen “Gewaltverherrlichung” vernichtet werden, konnte jedoch mit Hilfe eines Gutachtens von Knuth Hickethier davor bewahrt werden. Anlässlich dessen sitze ich heute Abend mit der Hauptdarstellerin Monika M., Detlef Kuhlbrodt auf dem Podium und diskutieren über den Film und sein Verbot.

Weitere Informationen: Volksbühne

20 Jahre Nekrophilie als Kunst

Am 9. Januar findet in der Berliner Volksbühne die Vorführung von Jörg Buttgereits Film “Nekromantik 2” statt, der vor 20 Jahren entstand und nur knapp einem Totalverbot (nebst Vernichtung aller Kopien) entging. Dem Filmwissenschaftler Knut Hickethier war es damals zu verdanken, dass das absurde Verbotsvorhaben nicht umgesetzt wurde; Hickethier deklarierte den Film notwendigerweise als Kunst, damit er als solche Schutz genießt.

Zu der Vorführung in der Volksbühne bin ich als Gast für eine Podiumsdiskussion eingeladen und diskutiere dort u.a. mit dem Regisseur über den Film, dessen Verbotsansinnen und anderes aus dem Themenfeld.

Wo: Berliner Volksbühne, großes Haus
Wann
: 09.01.2010, ab 18:00 Uhr
Weitere Infos: hier

Jud Süß – Podcast ohne Gewissen

Jud Süß – Film ohne Gewissen (D 2010, Oskar Röhler) (Berlinale-Palast)

Oskar Röhlers “Jud Süß – Film ohne Gewissen” hat nicht nur den charmantesten Untertitel seit “Zombies – Geschändete Frauen”, er hat auch das Potenzial, seine Zuschauer gegen sich aufzubringen. Jörg Buttgereit und ich habe das Erlebnis mal zwei Tage sacken lassen und unseren Sermon dazu in einem epd-Blog-Podcast abgegeben:

Nelson Muntz would say:

Wie ich gerade bei techradar und anderen lese, hat Sony ein Patent für eine Emotionserkennung eingereicht, das “unter anderem” (?) zur Steuerung für Spielsysteme zum Einsatz kommen kann:

sony_emotionQuelle: techradar

Nur noch 7 Jahre bis zum Ruhestand …

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, die FSK, wird derzeit 60 Jahre alt. Ein guter Grund der Grande Dame der Sittenwacht meine Glückwünsche zu übermitteln und ihr Altersteilzeit zu nahe zu legen.

»virtuelle Gewalt gegenüber realistischen Abbildern von Menschen«

Dieses simulationspraktische Schmankerl will ich meinen Leser nicht vorenthalten.

Traumberuf Simulationsbus-Fahrer

Wo, wenn nicht hier ließe sich folgende Pressemitteilung am besten unterbringen?

Traumberuf Busfahrer: City Bus Simulator 2010
New York bringt Manhattans Buslinie M42 auf den heimischen PC

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