Ellen Page

An American Crime (USA 2007, Tommy O’Haver) (DVD)

Was das Merken und Wiedererkennen von Schauspielernamen und -gesichtern angeht, bin ich zugegebenermaßen eine ziemliche Niete (und deshalb ein leichtes Opfer für „Scene-it“-Gegner“). Aber ab und zu passiert es mir dann doch einmal, dass sich mir ein Gesicht einbrennt – und manchmal erkenne ich das erst im Nachhinein, wie bei Ellen Page. Der bin ich zum ersten Mal vor drei Jahren im Film „Mouth to Mouth“ begegnet und war überwältigt von der Frische und Natürlichkeit, mit der die damals 18-Jährige ein ausgerissenes Teenager-Mädchen spielt, das in die Fänge einer Sekte gerät. Das nächste Zusammentreffen mit ihr fand etwas später im ein Jahr nach „Mouth to Mouth“ gedrehten „Hard Candy“ statt. Und obwohl ich den Film in seiner unverholen retributivistischen Moral en gros abstoßend finde, bin ich von der Darstellung der jugendlichen Folterknechtin – eben Ellen Page – einigermaßen verblüfft gewesen – nicht nur, weil sie es geschafft hat mich zusammen mit dem Film-Pädophilen an der Nase herumzuführen und in die Plotfalle tappen zu lassen, sondern auch, weil ihre Kalkuliertheit keinen Augenblick lang wie eine Drehbuchkonstruktion wirkt.

Zuletzt war es dann auf dem 2007er Fantasy-Filmfest „An American Crime„, in dem ich Page gesehen habe und als ich den Film vorgestern zusammen mit meiner Frau noch einmal auf DVD angeschaut habe, war ich abermals wie vom Donner gerührt. Das liegt meines Erachtens wiederum vor allem am Schauspiel Ellen Pages, die die zu Unrecht gemarterte 15-jährige Sylivia mit einer Empathie spielt, die so manchem überagierenden Jesus-Darsteller gut zu Gesicht gestanden hätte. Ein unglaubliches Talent, sich nicht nur in Opferrollen einzufühlen und diese authentisch wiederzugeben, sondern aus der Opferrolle auch ausbrechen zu können – sei es erfolgreich, wie in „Hard Candy“ oder als tragischer Selbstbetrug wie in „An American Crime“. „Juno“, der wohl bislang bekannteste Film mit Ellen Page in der Rolle eines schwangeren Teenagers, steht mir noch bevor und ich kann nur sagen: Seit ich weiß, wer sie ist, erwarte ich jedes Wiedersehen mit ihr mit Spannung.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
Dieser Beitrag wurde unter Filmtagebuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Ellen Page

  1. rrho sagt:

    Danke – An American Crime muß ich zwar noch sehen, aber ansonsten: völlig d’accord. Ich warte jetzt vor allem auf The Tracey Fragments, den ich seinerzeit auf der Berlinale verpaßt habe.

  2. wwtyd sagt:

    Oh ja, Ellen Page hat wirklich bewiesen, daß sie momentan eine der besten Jungschauspielerinnen ist. Bei Hard Candy fast schon beängstigend kaltblütig, bei Juno aufgeweckt und witzig. Im übrigen spielt sie auch bei X-Men mit 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.