Lehre im Sommersemester 2021

Im kommenden Semester bin ich wieder auf einer 100-%-Stelle und gebe zwei Seminare an der HU Berlin sowie eines an der Medienwissenschaft der Uni Bonn:

BA Modul 1: Einführung in die Medientheorien
Titel: Computerland Deutschland
Ort: Virtuell (Zoom)
Zeit: Donnerstags, 10-12 Uhr
Teilnehmerzahl: offen
Moodle: Link folgt

Der (so genannte) Computer wurde weder an einem bestimmten Ort noch einem konkreten Zeitpunkt erfunden – er bildet vielmehr einen technischen Kondensationspunkt vielfältiger kultureller Diskurse und Dispositive. Selbst als jene Maschinen, die “Digitalcomputer” genannt werden, etwa zeitgleich in drei verschiedenen Ländern das Licht der Welt erblickten, gab es schon längst andere Apparate, wie Analogrechner, Logikmaschinen und Rechenautomaten, die Vorläufer oder Alternativen darstellen. Insofern kann die Rolle deutscher Theoretiker und Ingenieure nur im Kontext einer Epistemologie verstanden werden, die verstreut über die Jahrhunderte zurück bis in die griechische Antike reicht. Vor diesem Hintergrund sollen im Seminar Ideen und Erfindungen, die in Deutschland aufgegriffen, weiterentwickelt und in technische Apparate kondensierten, in einem umfänglicheren historischen, epistemologischen und technologischen Rahmen diskutiert werden – mit Hilfe der Methode der Medien- und Computerarchäologie. In jeder Sitzung wird hierzu ein spezifischer “Knoten” innerhalb des Diskursnetzes, das sich auch über fünf “Deutschländer” (vom späten 18. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre) erstreckt, fokussiert, um die Theorien, Technologien, Praktiken und Politiken der Computer und des Computing in ihren Kontexten zu studieren.

Diskussionsgrundlage für jede Seminarsitzung ist ein wissenschaftlicher Text sowie ein studentisches Referat. Sofern das Sitzungsthema ein Gerät betrifft, wird dieses “hands-on” vorgestellt (real oder als Emulation). Alle benötigten Materialien werden vom Dozenten online zur Verfügung gestellt. Vorkenntnisse (Technik, Mathematik, Programmierung o.ä.) sind für eine Teilnahme nicht notwendig, wohl aber sollten die Teilnehmer:innen offen gegenüber diesen Themen sein.

MA Modul II: Medienhistoriografie vs. Medienarchäologie
Titel: „Der Zufall möglicherweise“ – Theorie, Geschichte und Erzeugung von Zufallszahlen
Ort: virtuell (Zoom)
Zeit: Donnerstags, 14-16 Uhr
Teilnehmerzahl: offen
Moodle: Link

Künstlich erzeugte Zufallszahlen spielen eine bedeutende Rolle in der gegenwärtigen Medientechnologie. Von der „Shuffle“-Funktion des MP3-Players bis hin zu Verschlüsselungsalgorithmen des Militärs haben sie vielfältigen Einsatz in digitalen Medien. Im Seminar wollen wir die Theorie und Geschichte der Zufallsforschung und der Zufallszahlen seit der Antike beleuchten. Nach einer Einführung in zentrale grundlegende Theorien der Zufallsforschung (Stochastik, Spieltheorie, Informationstheorie, Thermodynamik) werden ausgewählte Stationen der Geschichte der Zufallszahlen-Generierung erötert, bevor wir uns im letzten Drittel des Seminars maßgeblichen Algorithmen der Zufallszahlen-Erzeugung in Digitalcomputern zuwenden und diese anhand von Programmen analysieren.

Als Diskussionsgrundlage dienen Texte, die vom Seminarleiter in einem Moodle-Kurs bereit gestellt werden. Für eine Teilnahmebescheinigung muss ein Referat (einzeln oder als Gruppe) gehalten werden. Bedingung für die MAP ist die Anfertigung einer Hausarbeit. Lektürekompetenz von Computerprogrammen (vor allem Python oder BASIC) sind von Vorteil, können aber auch in einem begleitenden Tutorium erworben werden; alle notwendigen mathematischen Kenntnisse werden im Kurs vermittelt, Teilnehmer:innen sollten allerdings keine Scheu vor mathematischen Methoden und Lektüren besitzen.

An der Uni Bonn:

German Computing? Computing Germany
Zeit: Freitags, 10-12 Uhr
Ort: virtuell (Zoom)

The (so-called) computer was neither invented in a specific place nor at a concrete point in time – instead, it comprises a technical dew point of multifaceted discourses and dispositifs. Even the simultaneous emergence of digital computers in three different countries was distinctly preceded by the development of other apparatus like analog computers, logic machines, and calculating machines/comptometers which constituted predecessors or alternatives. Insofar, the role of German theorists and engineers can only be comprehended in the context of an epistemology that reaches back to ancient Greece. Against this background, the seminar strives to discuss the ideas and inventions that were assumed, further developed, and condensed into technical apparatus in Germany within a substantial historical, epistemological, and technological framework. This will be realized employing methods from both media- and computer archeology. Every session focuses on a specific “node/knot” within the discourse network which extends over a period comprising five “Germanies” (from the late 18th century to the 1980s) to examine the theories, technologies, practices, and politics of computers and computing in their contexts.

Academic texts as well as student presentations will be used as a basis for discussion in every seminar session. If the respective session topic relates to a device, it will be presented “hands-on” (tangible/real or as an emulation). All necessary materials will be provided online by the lecturer/docent. Previous knowledge (technology, mathematics, programming or the like) is not required to attend this course, but students should be open to the aforementioned topics.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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