Computer ausstellen

Am vorletzten Wochenende fand im Oldenburger Computermuseum ein Treffen der GI-Fachgruppe „Informatik- und Computergeschichte“ statt. Dort habe ich einen Vortrag über meine Lehrpraxis in Zusammenhang mit historischer Hard- und Software gehalten. Martin Schmitt, vom Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam, der ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe ist, hat das Treffen in seinem Blog resümiert. Meinen Vortrag hat er wie folgt zusammengefasst:

Auch der Medienwissenschaftler Dr. Stefan Höltgen (Berlin) griff das Konzept der Ausstellung in seinem Vortrag auf. Sein Ansatz beruht auf der an der Humboldt Universität vertretenen Medienarchäologie nach Kittler. Sie geht von Medientechnologien als Bedeutungsproduzenten aus. Demnach besitzt jegliche historische Situation ein medientechnisches Apriori, ermöglicht durch die Nutzung von Hardware. Ihr Anspruch – und dementsprechend auch der von Höltgen – ist es, die Geschichte neu zu schreiben und dabei das, was bisher nicht erzählt wurde – und warum sie nicht erzählt wurde – im medientechnischer Prozess zu berücksichtigen. Sie ist zugleich Theorie in der Frage, welchen Anteil das Medium hatte, wie auch Methode, die Hardware – in diesem Fall den Computer – wieder zum Laufen bringen und dadurch Wissen für die Vergangenheit wie auch die Gegenwart zu generieren. Das verspricht beispielsweise ein besseres Verständnis davon, was eigentlich ein Defekt im Computer ist, zuletzt zu sehen an Problemen wie der Prozessorlücke Meltdown. Aber auch Kulturtechniken werden erneut verständlich, wenn beispielsweise Medienarchäologen wie in den 1980er-Jahren hingehen und Programme aus Zeitschriften abtippen, der verbreitetest Weg von Wissens- und Softwaretransfer im Privatbereich seinerzeit. Dies bietet die Chance, glatte Erzählung der Biografien und Unternehmensdarstellungen zu brechen an der Genealogie der Technik. Arbeit am Objekt ist Geschichtsarbeit, so Höltgen abschließend. Die Gefahr dabei bleibt, dass heutige Interpretationen und die Eigenzeitlichkeit der Vergangenheit verwischen, quasi ein Zwitter aus heute und gestern entsteht, der ebenso verbirgt wie eröffnet. Diese Kritik ist jeweils konkret an den einzelnen Fallstudien herauszuarbeiten.

Den ganzen Beitrag kann man unter diesem Link nachlesen.

Das nächste Treffen der GI-Gruppe findet im Rahmen des Vintage Computer Festivals Europa am letzten Aprilwochenende in München statt. Ich werde dazu hier in Kürze eine Anküdigung schreiben.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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