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Lehrveranstaltungen im Wintersemester

Zu meiner freudigen Überraschung bin ich im August eingeladen worden am Institut für Medienwissenschaften der Universität Paderborn die Professur für Medien, Algorithmen und Gesellschaft im Wintersemester 2016/17 zu vertreten.

Zu meinem dortigen Deputat gehören 4 Seminare, die ich zwischen Bachelor- und Master- im Medienwissenschaften- und Informatik-Studium gebe:

L.030.35530 Retrocomputing: Begriffe, Praktiken und Theorien
Mi., 09:00-11:00 Uhr, Raum E2.145

Eine Sonderstellung in den seit einigen Jahren wahrzunehmenden „Retro-Wellen“ (Mode, Musik, Architektur, Film, …) nimmt das Retrocomputing ein. Darin werden 1. alte Computersysteme neuen Anwendungen zugeführt, 2. neue Computersysteme mit alten Ästhetiken und Nutzungspraktiken konfrontiert und 3. eine umfassende Archivierung, Restaurierung und Diskussion computerhistorischer Artefakte vorgenommen. Bei all diesen Tätigkeiten, die sich sowohl auf professionellen (Museen, Militär, …) als auch auf hobbyistischen Feldern abspielen, zeigen sich deutliche Unterschiede in der Intention und den Vorgehensweisen. Im Seminar wollen wir anhand aktueller Beiträge aus der Forschung die zentralen Motive des Retrocomputing diskutieren: Was bedeutet „retro“ und was „Retrocomputing“? Auf welchen Feldern sind die Teilnehmer tätig und wie lassen sich diese Tätigkeiten systematisch einordnen? Wie wird Computerhardware und -software bewahrt, restauriert und musealisiert? Welche Beziehungen bestehen zwischen hobbyistischen Retrocomputing-Aktivitäten und der Informatik und Elektronik? Usw. In den Blickpunkt nehmen wir dabei sowohl deutsche als auch internationale Projekte und wissenschaftliche Diskussionen. Ein Reader mit den zu diskutierenden Beiträgen wird den Kursteilnehmern zur Verfügung gestellt.

L.030.35500 „Medienwissenschaft(ler) im Museum: Das Heinz-Nixdorf MuseumsForum, medienarchäologisch durch-/unterwandert.
Do., 09:00-11:00 Uhr, Raum E2.145 (ausgewählte Termine im HNF)

Paderborn beheimatet das größte Computermuseum Europas. Im ehemaligen Firmengebäude der Nixdorf Computer AG ist seit Oktober 1996 das MuseumsForum untergebracht. Wir wollen den 20. Geburtstag dieser Einrichtung zum Anlass nehmen, das Phänomen der Musealisierung von Computern aus medienwissenschaftlicher Perspektive zu betrachten. Die Theorie und Methode der Medienarchäologie soll dabei als Grundlage dienen. Nach einer Einführungsveranstaltung (20.10.) wird in vorbereitenden Treffen das Museum zunächst auf die „herkömmliche Weise“ begangen (3.11.). Dabei suchen sich die Kursteilnehmer in Kleingruppen je ein Exponat aus. Vier weitere Vorbereitungstreffen (17.11., 1.12., 8.12. und 15.12.) dient dazu, erarbeitete medienwissenschaftliche Texte zu diskutieren und in einen Untersuchungsfragebogen für weitere Museumsbegehungen zu integrieren. An den Blockseminar-Tagen (Termine hierfür werden in der Einführungsveranstaltung festgelegt) finden dann weitere Besuche des HNF statt, auf denen Studenten-Kleingruppen ihr ausgestelltes computerhistorisches Artefakt auf Grundlage der erarbeiteten Theorie den übrigen Seminarteilnehmern vorstellen.

L.030.35520 Assembler-Programmierung für Medienwissenschaftler
Di., 18:00-20:00 Uhr, Raum E2.145

Der Computer als „Black Box“ verbirgt sich zwischen mannigfaltigen Abstraktionsschichten, die von unterschiedlichen Teildisziplinen der Elektrotechnik und Informatik separat entworfen werden. Die unterste Ebene, die ein Nutzer (ohne Lötkolben) erreichen kann, ist die der Maschinensprache. Auf diesem Niveau kann er in die Verarbeitung von Daten durch die CPU direkt eingreifen und wird dabei durch keine Abstraktionen und Restriktionen mehr gehindert. Maschinensprache und Assembler-Programmierung unterscheidet sich deutlich von der Formulierung von Algorithmen in Hoch- und Middle-Range-Sprachen; Konstrukte wie Schleifen und Kontrollstrukturen sowie Funktionen für mathematische und String-Operationen müssen hier kleinschrittig und maschinennah formuliert werden. Der Assembler-Programmierer erwirbt dabei eine intime Kenntnis des Computers als Hardware/Apparat, weshalb es sich für Medienwissenschaftler und Informatiker lohnt, sich auf dieser Ebene einmal mit ihm beschäftigt zu haben. Im Seminar erlernen wir die Assembler-Sprache einer historischen CPU, die aufgrund des kleineren Befehlsumfangs und der niedrigeren Ablaufgeschwindigkeiten leichtere epistemologische und didaktische Analysen des Codes und der Programmierpraxis zulässt als zeitgenössische Systeme. Nach einer Einführungsphase erarbeiten die Kursteilnehmer in Kleingruppen eigene Programme. Kenntnisse in der Computerprogrammierung werden nicht vorausgesetzt.

L.030.35510 Logik für Medienwissenschaftler
Di., 14:00-16:00 Uhr, Raum E2.145

„Digitale Medien kennen nur Null und Eins“, lautet eine landläufige Zuschreibung. Wie jedoch aus dieser Binärdifferenzierung von Schaltzuständen die Komplexität der Ausgaben digitaler Medien möglich wird; wie die Nullen und Einsen ins Medium hinein gelangen und darin verrechnet werden; und woher die Ideen und Technologien stammen, Maschinen mit Binärzuständen rechnen zu lassen, – das ist weit weniger oft bekannt. Die Implementierung von Logik als Grundlage digitaler Rechenprozesse ist auf verschiedene Wissensgebiete (Logik, Mathematik, Kybernetik) verteilt und wird arbeitsteilig von unterschiedlichen Disziplinen (Digital-Elektronik, Technische Informatik, Theoretische Informatik) für digitale Medien aufbereitet. Im Seminar wollen wir die Spuren dieses Prinzips bis in die griechische Antike und der Formulierung einer Aussagenlogik zurückverfolgen und von dort aus die Prinzipien der zweiwertigen Logik (Aristoteles), ihre Formalisierung in der formalen Philosophie (Frege), der Mathematik (Boole), der Digitaltechnik (Shannon) und schließlich in der Digital-Elektronik (beim Entwurf und der Optimierung logischer Gatter) kennenlernen. Am Ziel steht das Verständnis der „logischen“ Tätigkeiten eines Mikroprozessors – sowohl für dessen Daten- als auch Steuersignale – und mithin das Verständnis dessen, wie der Computer als „Rechner“ funktioniert. Kenntnisse in Mathematik oder Computerprogrammierung werden nicht vorausgesetzt, sondern gemeinsam im Seminar erarbeitet.

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