Déjà Vu?

Source Code (USA 2011, Duncan Jones) (PV CineStar)

Ein Mann erwacht in einem Zug fahrend, weiß nicht, wie er dorthin gelangt ist und wer die Frau ihm gegenüber ist, die ihn kennt und ihn mit einem ihm fremdem Namen anspricht. Nach wenigen Minuten der Verwirrung gibt es eine Explosion und der Mann findet sich in einer seltsamen Kapsel eingesperrt – vor ihm ein Monitor, auf dem ihm eine Militär-Offizierin Instruktionen gibt. Dann löst sich die Welt um ihn herum auf und er sitzt abermals in diesem Zug, abermals der Frau gegenüber, erlebt die selben Dinge wie zuvor – nur, dass er sie jetzt „kennt“, weil er sie gerade erlebt hat. Der Mann ist ein US-Soldat, der im Rahmen eines neuartigen „Zeitreise“-Experimentes in eine Situation versetzt wird, in der ein Terroranschlag kurz zuvor zwei Personenzüge vollständig zerstört hat. Der Terrorist, der später eine „dirty bomb“ in Chicago zünden will, befindet sich an Bord des Zuges und unser Held soll mittels der neuen Technologie herausfinden, wer es ist. Was geschehen ist, ist allerdings geschehen: Der Zug ist längst explodiert. Der Held befindet sich in einer Art mentaler Rekapitulation und kann nichts mehr an den Tatsachen ändern. Doch je öfter er zurückkehrt, desto mehr schmerzt ihn genau dies und desto dringlicher will er diese Scheinwelt trotzdem vor der Katastrophe retten.

Das Gefühl ist zuerst dasselbe wie bei Duncan Jones‘ „Moon“: Das habe ich doch alles irgendwo schon einmal gesehen! Die möglichen Referenzen reichen bei „Source Code“ von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ bis „12 Monkeys“. Aber einen Film ausschließlich über seine Vorbilder qualifizieren zu wollen, reicht bei weitem nicht aus, um ihm gerecht zu werden – zumal bei einen wie „Sourcecode“! Denn was Jones seit „Moon“ mit dem Science-Fiction-Kino macht, ist nichts geringeres, als dessen allzu oft auf Weltraumtemperatur heruntergefahrene emotionale Atmosphäre neu mit Wärme aufzuladen. Darin ähnelt er sehr der „Solaris“-Version Steven Soderberghs oder zuletzt Darren aronofskys „The Fountain“. „Sourcecode“ heilt jene von ihm vielleicht referenzierten Erzählungen regelrecht durch diese Wärmekur; insbesondere jenes chirurgisch meisterhaft und sehr präzise gezeichnete Medienzeitreise-Thema, das Tony Scott in „Déjà Vu“ inauguriert hatte. „Sourcecode“ zeigt also mehr als eine Zeitreise gegen den Krieg und den Terror; er öffnet den Weg in eine Alternativwelt – am Ende sogar wortwörtlich -, in der die Wunden, die Krieg und Terror gerissen hat, wieder geschlossen werden können. Damit ist er eine Utopie im besten Wortsinne.


 

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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