Teenage Robot

Android (USA 1982, Aaron Lipstadt) (DVD)

Selbst als Androind – und jetzt habe ich den Schluss verraten! – kann Klaus Kinski nicht aus seiner Haut. Auf einer Raumstation „spielt“ er den Dr. Gunther Daniel, der zusammen mit seinem Androiden Max 404 an der Erforschung neuer Roboter-Technik arbeitet. Die Androiden-Technologie ist weit fortgeschritten: Menschliche Körper mit einem elektronischen Gehirn. Selbst-lernende Systeme mit moralischen Vorstellungen – das hat auf der Erde bereits zum „Munich Syndrome“ geführt, bei dem die Roboter zwar nicht „durchgedreht“ sind, wie in „Westworld“, sich aber durch erlerntes Selbstbewusstsein zu stark von den Menschen emanzipiert haben. Dieses Problem will Dr. Daniel umgehen und übersieht dabei, dass es vor seinen Augen stattfindet.

Denn Max 404 ist ein typischer Adoleszenter – „Well, I’m doing a lot of research“, umschreibt er sein „Aufgeklärtsein“ in sexuellen Dingen. Max schaut sich den ganzen Tag Datenbankeinträge (heute wären es wohl Porno-Seiten im Internet) über die menschliche Sexualität an und spielt die ganze Zeit ein Weltraum-Ballerspiel. Die Raumschiffe in diesem Spiel bestehen einzig aus den Vektorgrafik-Linien ihrer Umrisse und auch die Abbildungen der menschlichen Körper sind nur lineare Umrisse. Alle Theorie ist monochrom und zweidimensional – es wird für Max also höchste Zeit, etwas Gegenständliches in die Finger zu bekommen.

Als drei vor der Polizei flüchtende Weltraum-Piraten, darunter eine Frau, auf der Raumstation Zuflucht suchen, bekommt er die Gelegenheit. Er ist sichtlich verwirrt vom realen menschlichen Sexualverhalten und wird regelrecht eifersüchtig, als Dr. Daniel die attraktive Piratin zu einem Candlelight-Dinner einlädt. Sein Ziel ist jedoch ein düsteres: Er will ihre „Energie“ in eine Roboter-Frau („Cassandra – The perfect woman“) transferieren und dieser so Lebensatem einhauchen. Durch einen Zufall gelingt dies sogar und die Situation an Bord spitzt sich zu: Die Piraten sind untereinander zerstritten, die Piratin will mit Max durchbrennen, Dr. Daniel will, dass Max alle Piraten ermordet und programmiert ihn diesbezüglich um – und die neue schöne Roboter-Frau will ihrem Schöpfer nicht „zu Diensten“ sein.

Am Ende, als die Polizei das Schiff stürmt, sind alle Menschen tot und Dr. Daniel hat sich selbst als Roboter herausgestellt, dessen abgerissener Kopf einfach im Mülleimer entsorgt wird. Max gibt sich als Dr. Daniel aus und fliegt mit seiner Roboter-Frau zur Erde.

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Dass sich so derartig viele Roboter-Utopien um „Sex Machines“ drehen, ist gleichermaßen einleuchtend und befremdlich. „Dolls that work in both senses of the word“, beschreibt Dr. Daniel seiner Tischpartnerin sein Arbeitsprojekt. Doch anders als „Westworld“ sind die Roboter in „Android“ nicht bloß sexuelle Dienstleister, sie haben auch selbst eine Libido, denn ihre Körper sind organisch – besitzen also Hormone und Geschlechtsorgane. Offenbar sind sie dem Menschen dann doch aber nicht so ähnlich, dass der Geschlechtstrieb im ROM implementiert wäre. Max muss sich selbst sexuell ausbilden/aufklären und legt dabei die typischen Verhaltensweisen eines Teenagers an den Tag – zu denen seit den 80ern eben auch das Spielen von Videospielen gehört. Als seine Ausbildung abgeschlossen ist, kann er seinen „Vater“ töten und dessen (neue) Frau übernehmen. Dass Dr. Daniel auch (nur) ein Roboter war, ist das zentrale utopische Phänomen des Films: Maschinen reproduzieren sich selbst.

Dass Max‘ Modelllernen aber nicht nur bei sexuellen, sondern auch bei aggressiven Verhaltensweisen fruchtet, ist eine andere Behauptung des Films: Als er ein herannahendes Polizei-Raumschiff mit dem Laser-Strahl der Station abschießt, sieht es für ihn und uns so aus, als spiele er sein Videospiel. Und als sein Verhalten selbst für Dr. Daniel immer auffälliger wird, erklärt er sich dies ganz einfach: „Those Games are driving him crazy.“

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Das „Frankenstein schuf ein Weib“-Thema ist übrigens basaler Grundstein für die meisten Roboter-Pornos. „Electro Sex ’75“, „Programmed for Pleasure“, „Randy“, „The Orgy Machine“, „Pleasure Maze“, … in all diesen Hardcore-Filmen geht es darum, dass Männer oder Frauen als „Sex-Objekte“ konstruiert werden, um ihren Erfindern oder deren späteren Kunden dienlich zu sein. Und wie in „Android“ gibt es in all diesen Filmen Fehlfunktionen, die die Geräte besser funktionieren lassen, als es ihren Konstrukteuren lieb ist.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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Ein Kommentar zu Teenage Robot

  1. änny sagt:

    ach du scheisse okay… mhhh…. ungewöhnlich aber cooool *_*

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