Der langen Rede kurzer Sinn

Auf Literaturkritik.de ist heute meine Rezension zum Sammelband „Kurz & knapp. Zur Mediengeschichte kleiner Formen vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ erschienen.

Eine Mediengeschichte kann mithin nicht bloß eine Geschichte der Medieninhalte sein. Erzählverfahren, Text-Bild-Konstellationen und Wissenskondensationen (alle drei Abgrenzungsmotive des Bands) bilden zwar eine vortreffliche Grundlage für eine Epistemologie textueller Formen, dürfen aber Medientechnologien nicht ignorieren, die ja stets als Mitautoren auftreten und deren technologischer Rahmen dasjenige formatiert, was mit ihnen geschrieben und gesagt werden kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Twitter-Netzwerk, dessen Verknappung sich zwar historisch aus der Genealogie der Funktelefonie erklären lässt, was aber noch nicht erklärt, warum die Länge der möglichen Nachrichten erst kürzlich verdoppelt wurde. Immerhin produziert diese künstliche Ressourcen-Verknappung als Maßgabe für kreative Selbstbeschränkung seit Donald Trump politische Rhetoriken, die noch vor kurzem unvorstellbar gewesen sind. Die Algorithmen und Protokolle hinter den Tweets regieren mit – ein wichtiger Grund, sie als eigene Kurzformen ins Auge zu fassen.

Link: http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=23919

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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