Little Data & Medientechnisches Wissen

Am Mittwoch, 29.11. halte ich im Rahmen des Kolloquiums „Medien, die wir meinen“ einen Vortrag über fraktale Bildkompression.

Little Data. Fraktale Bildkompression: Von einer netzhistorischen Miszelle zum medienstrukturellen Bruch

 

In der Frühphase des Internets für Privathaushalte, in der die Nutzer über analoge Telefonanschlüsse, gerüstet mit Modem-Übertragungsraten von bestenfalls 56 kBit/Sekunde, ihre Computer online brachten, war Zeit ein kostbares Gut: Insbesondere, wenn Multimedia-Inhalte (zumeist farbige Bilder) über das Netz herunter geladen werden sollten, wurde es schnell teuer, denn große Datenmengen verursachten lange Ladezeiten und damit hohe Telefonosten. Die Frage war also, wie sich solche Datenmengen verkleinern ließen, ohne auf Multimedia-Inhalte verzichten zu müssen. Das 1988 von Michael Barnsley und 1988 Alan Sloan entwickelte Verfahren der fraktalen Bildkompression reüssierte in diesem Zeitraum (Mitte bin Ende der 1990er-Jahre) zusammen mit anderen Anwendungsfällen der Fraktaltheorie in Medizin, Technik und Ökologie und erwies sich als für das Problem praktikable Lösung. Anders als zeitgenössische verlustbehaftete (GIF, JPG) oder verlustfreie (PNG, BMP) Bild-Kompressionsverfahren lässt sich fraktale Bildkompression (FIF) als „zerstörerische Kompression“ bezeichnen, denn sie beruht auf einer prozeduralen Bildneuerstellung und ähnelt daher Wavelets oder Ideen wie der „kontinuierlichen Digitaltechnik“ (Völz). Dass sie mit der Verbreitung von DSL wieder verschwand, macht sie zu einem interessanten medienempistemischen Ding, denn sie zeigt auch, wie sich das Denken über und der Wert von Daten verändert hat. Im Vortrag soll, nachdem eine kurze Einführung in die Theorie der Fraktale (Dimension, Selbstähnlichkeit, Iteration) rekapituliert wird, das Verfahren (affine Abbildung) vorgestellt und in einem Experiment vorgeführt werden. Der von Klaus Mainzer 2015 formulierte Widerstreit zwischen Daten- und Theorie-geleiteter Forschung soll in einer medienepistemoloigschen Betrachtung – und am Beispiel von fraktaler Bildkompression – als ein Strukturelement von Medienwissenschaft aufgehoben werden.

Im Anschluss an den Vortrag findet die feierliche Vorstellung des ersten Bandes der von mir herausgegebenen Lehrbuchreihe „Medientechnisches Wissen“ statt.

Wo: Pergamon-Palais, Georgenstraße 47, Medientheater (Raum 0.01)
Wann: Mittwoch, 29.11.2017, 18:00-20:00 Uhr

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

Dieser Beitrag wurde unter Computer, just published ..., Strukturwissenschaft, Technikgeschichte/RetroTopie abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Little Data & Medientechnisches Wissen

  1. Pingback: Logik, Informations- und Speichertheorie | SimulationsRaum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.