Bombshells, Sexbombs, exploding plastic dummies

Dr. Goldfoot and the Girl Bombs (Le spie vengono dal semifreddo, Italien 1966, Mario Bava) (DVD)

Sollte Dr. Goldfoot seine goldenen Schnabelschuhe nach dem Reinfall mit der „Bikini Machine“ an den Nagel gehängt haben, hat Mario Bava sie wieder abgehägt und Vincent Price ein Jahr später noch einmal in der Rolle des Mad Scientist vor die Kamera gezerrt. Hier steht allerdings nicht mehr er im Zentrum, sondern die Komiker Franco und Ciccio, offenbar das italienische Pendant zu Pat und Patachon. Beide sind eigentlich Türsteher in einem Hotel, absolvieren nebenher aber einen Fernkursus für angehende Geheimagenten. Da passt es ganz gut, dass sie einen Verdacht hegen – nämlich, dass sich chinesische Agenten im Land aufhalten. Einen von ihnen sichten sie in einem Park und fühlen sich hernach von ihm verfolgt. Wie durch einen Zufall werden sie allerdings tatsächlich von dem Agenten Bill Dexter verfolgt, der ahnt, dass jener Chinese Beziehungen zum Superschurken Dr. Goldfoot hat und wissen will, was die beiden Aushilfsagenten wissen.

Die Wiedereröffnung der vierten Wand

Goldfoot hat dieses mal nämlich einen Masterplan: Mit der Hilfe Rot-Chinas plant er die Sowjets und die Amerikaner in die Knie zwingen, um an die Weltherrschaft zu gelangen. Hierzu muss er bloß deren militärische Köpfe/Generäle ausschalten. Und an dieser Stelle kommen seine künstlichen Frauen ins Spiel. Sie hegen dieses mal nicht wirtschaftliche Interessen (Heiraten), sondern militärische (küssen). Ein Kuss löst die in ihren eingebaute Bombe aus und tötet den betreffenden Militär. Als Vorlage für die „Girl Bombs“ nutzen Goldfoot, seine Gehilfen und deren Supercomputer lebende Frauen, die sie verschleppt werden und als Roboter-Doubles zurück in ihre alten Positionen gelangen, naher ihres Einsatzgebietes.

Rita's choice ... auf lesbaren Lochkarten

Aber die Gegenseite schläft auch nicht. Ein anderer Supercomputer, ein IBM „Rita“, wählt aus allen Agenten die geeignetsten zum Kampf gegen Goldfoot aus; dumm nur, dass dieser vom Auswahlprozess weiß und den Rechner hackt, so dass die Nummern von Franco und Ciccio dabei herauskommen – den für alle möglichen Aufgaben denkbar ungeeingentsten Kandidaten. Sie nehmen ihren Auftrag sowohl an als auch ernst und schleichen sich zusammen mit Bill Dexter in das als Mädchenpensionat getarnte Geheimlabor Goldfoots. Dort lösen sie eine Katastrophe nach der anderen aus, in dem sie den Bomb-Girl-Generator hunderte der Bikini-Schönheiten produzieren lassen. Es findet schließlich eine wilde Verfolgungsjagd statt, bei der sich am Ende alle in einem B52-Bomber wiederfinden, der von Goldfoot, getarnt als Doppelgänger eines wichtigen Airforce-Generals, auf Moskau zugesteuert wird, um dort eine Wasserstoffbombe abzuwerfen. Aber selbst das vereiteln die beiden Komiker …

Nobody stops the dancing girl bombs

Ich hätte noch getrost fünf weitere Absätze zum Plot schreiben können, weil der Film regelrechte Kapriolen schlägt, um dem Zuschauer seine Geschichte aufzutischen. Zentrale Motive sind Tauschkörper, Kalter-Kriegs-Diskurse, Killerfische, Feuerlöscher, Goldunterwäsche usw. In Puncto Albernheit übertrifft „Dr. Goldfoot and the Girl Bombs“ seinen Vorgänger um Längen und es ist einmal mehr fraglich, wie Vincent Price an eine derartige Rolle gekommen sein könnte.

Original vs. Fälschung

Die hier als „expolding plastic dummies“ bezeichneten Roboterfrauen, „that looked like real women“, geraten hinter diesem Gewirr zwar etwas zur Nebensache, verdienen aber dennoch Beachtung. Schließlich können auch sie „cook, knit and dance“, wie sie auf Rückfrage bestätigen – und dass, obwohl ihre Hauptaufgabe doch darin besteht, zu explodieren. Beinahe entsteht der Eindruck, dass es sich um die Zerrbilder typischer, für den Krieg gedrillter Soldatenkörper handelt, die zwar auch all das, was man so braucht, mit auf den Lebensweg mitgegeben bekommen, ihre letzthinnige Bestimmung jedoch nie aus den Augen verlieren dürfen: für die Sache ihr Leben zu geben. Dass das Drehbuch diese Roboter zu den Ausführungsorganen eines chinesischen Militärvorstoßes macht, wirkt dabei umso unangenehmer.

Der Mann als Tausch-Roboter-Frau

Als kleines P.S. wäre vielleicht noch anzumerken, wie frech sich der Film an großen Vorbildern bedient, zu denen nicht zuletzt der promovierte Mitstreiter Goldfoots, Dr. Strangelove, zählt.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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