»Wir sind durch eine Interferenz matt gesetzt worden.«

Perry Rhodan – SOS aus dem Weltraum (…4 …3 …2 …1 …morte, It 1967, Primo Zeglio) (VHS)

»Es ist ganz angenehm, die alte Angstglocke mal wieder abzusetzen.«

Ich biege in die Schlussgerade ein – zwei Filme fehlen mir noch für meine „Roboterfilme der 1960er-Jahre“-Retrospektive. Die Sexploitationfilme (etwa zehn) habe ich dabei zunächst ganz ausgespart, weil ich sie gesondert betrachten möchte. Leider sind auch einige spanische/mexikanische sowie italienische Produktionen unberücksichtigt geblieben, weil die Quellenlage hierfür (trotz ortsansässigen Videodroms) zu schwierig ist. Einen „Italiener“ habe ich allerdings – sozusagen stellvertretend – im Programm. Eine Perry-Rhodan-Adaption, die mir sogar in der deutschen Synchronfassung vorgelegen hat und darin durch besonderen Wortwitz auffällt (ob dieser auch in der Originalfassung vorhanden ist, kann ich nicht sagen).

The technology of the first contact

Bei „Perry Rhodan – SOS aus dem Weltraum“ handelt es sich wahrscheinlich auch weniger um die Adaption eins Beitrags der Roman-/Heft-Serie als um ein eigenständiges Drehbuch. Angesiedelt ist die Filmhandlung in einer unbestimmten aber nahen Zukunft: Astronaut Perry Rhodan wird mit drei Kollegen mit dem Raumschiff „Stardust“ (eigentlich eine mehrstufige Rakete) auf den Mond geschossen, weil es dort ein natürliches chemisches Element geben soll, dass ein höheres Atomgewicht als Uran besitzt und (deshalb) teurer als Gold und Platin ist. (Das ist schlecht recherchiert: Plutonium, das ebenfalls natürlich vorkommt und schwerer als Uran ist, ist bereits 1940 entdeckt und als wichtiger Bestandteil für Atomwaffen erkannt worden. Dass der Film dies „nicht weiß“ spricht Bände!) Dafür interessiert sich nicht nur die Regierung, sondern auch ein mächtiger Mafioso, der die Planung ausspionieren lässt und den Flug zu sabotieren versucht. In der Umlaufbahn des Mondes fällt dann auch tatsächlich die Bord-Elektronik der „Stardust“ aus und das Raumschiff landet not. Bei einem Ausflug mit dem Raumanzug entdecken Perry und ein anderer Astronaut ein anderes Schiff, dass schon äußerlich nicht irdisch aussieht und sich als Grund für den Absturz der „Stardust“ herausstellt.

»Sieh dir nur mal die Form an. Kein Mensch würde mit so einem Ungetüm starten.«

Darin befindet sich der außerirdische Wissenschaftler Arkin, die Schiffskommandantin Thora und eine kleine Roboter-Armee. Das Schiff ist auf dem Mond notgelandet, weil es beschädigt ist und Arkin zudem an einer Krankheit leidet: Leukämie. Diese ist durch ein experimentelles Verfahren auf der Erde bereits behandelbar und so tun sich Menschen und Außerirdische zusammen und landen mit einem Shuttle auf der Erde. Dort werden sie nicht nur vom Militär „empfangen“, sondern auch von den Schergen der Mafia, denen es gelingt über einen Trick ins Raumschiff zu kommen, um die für die außerirdischen wertlosen Diamanten in ihren Besitz zu bringen: Die Mafia hat den Arzt und dessen Gehilfen – die Arkin heilen sollen – durch eigene Leute ersetzt, und zudem ist einer der Raumfahrer aus Perrys Mannschaft ein Maulwurf der Verbrecher. Es kommt zum finalen Kampf, der schließlich nur mit Hilfe der Roboter für Perry und die Außerirdischen entschieden werden kann.

Thora (durch ihren "Raumanzug" als Frau "markiert") und Arkin

Perry mit Thora in ihrem Schlafzimmer (links: Kunst)

»Ich ziehe doch nur meinen Raumanzug aus. Was soll's?«

„Perry Rhodan – SOS im Weltraum“ ist ein simples Filmabenteuer, das nicht nur recht spekulativ mit dem Mondlandungsthema umgeht (das zur Zeit der Produktion in aller Munde war), sondern den Stoff auch gleich noch für eine intergalaktische Romanze und einen bunten Strauß frauenfeindlicher Kalauer nutzt. Das Technik- und damit auch das Roboter-Thema steht eher im Hintergrund; auf die anfängliche Bemerkung eines Besatzungsmitgliedes „Der Computer spielt total verrückt!“ antwortet der ohnehin recht hemdsärmlige Rhodan: „Da muss einer ’n warmes Bier rein gegossen haben.“ Ähnlich wird auch über die Roboter gesprochen, die die irdische Besatzung in Empfang nehmen. Diese Art der Kontaktanbahnung erscheint allerdings dem Zuschauer und den Raumfahrern befremdlich und wird von Arkin damit begründet: „Für den ersten Kontakt mit einer fremden Rasse verwenden wir grundsätzlich Roboter, um zuerst einmal zu sehen, wie die Gegenseite reagiert.“

Multifunktions-Bildschirmtelefon (mit GPS, Antigravitations- und Schutzschild-Funktion)

Nimmt man diese Aussage ernst, ließe sie zwei Implikationen zu: 1. Die Roboter stehen für eine Art „universale Techniksprache“ -Prämisse: Jede intelligente Kultur ist bestrebt, selbst in diesem Sinne schöpferisch zu werden. Ähnliche wie die Funktion der Voyager-Sonde tritt die robotische Technik hier sozusagen als Medium auf. Die „Reaktion“ der Menschen wäre also intellektueller Natur. 2. Die Roboter – insbesondere markiert durch ihr Auftreten im Film! – können auch als die maximale Gewaltandrohung gesehen werden. Sie bilden sozusagen die Aggressionshürde, die überwunden werden muss, damit der Kontakt zu den empfindlichen Lebewesen „hinter ihnen“ möglich wird. Dass der Roboter, der Rhodan hier zunächst begegnet, „entwaffnenden“ Charakter besitzt, rückt ihn in die Nähe seines außerirdischen Filmkollegen Gort/G.O.R.T. – Die Roboter-Armee, die zum Ende für Frieden sorgt, geht mit dieser Funktion analog.

Computerprobleme im Kontrollzentrum

Dass die Roboter in „Perry Rhodan“ gleichzeitig anthropomorphisiert und dämonisiert werden, wird durch den weitere Plot gestützt – etwa als sich ein Mannschaftsmitglied Rhodans von einem Roboter einen Knopf an seine Uniform annähen lässt oder gegen einen anderen pokert („Ja, ich weiß: Roboter, Elektronengehirn … aber im Pokern bist du mir nicht über!“) Das deutet darauf hin, dass in obiger Aussage Arkins beide Verständnismöglichkeiten impliziert sind. Das Roboter-Motiv im Science-Fiction-Film griff in der Vergangenheit ebenfalls auf beide Perspektiven zurück, so dass die ansonsten unauffällige Darstellung in „Perry Rhodan – SOS im Weltraum“ hier sozusagen rein traditionell verfährt.

Roboterpolizei

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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3 Kommentare zu »Wir sind durch eine Interferenz matt gesetzt worden.«

  1. thomas sagt:

    ausgehend von deiner zusammenfassung entspricht die geschichte weitgehend den ersten heftchen der rhodan-reihe, die im ersten silberband zusammengefasst sind und die quasi die „ur-erzählung“ von perry rhodan sind. fans der reihe sollte man auf diesen film allerdings nicht ansprechen =]

  2. Danke! Ich hatte schon gehofft, von einem Rhodan-Leser auf die Adaptionsfrage aufmerksam gemacht zu werden. Ich selbst hab das leider nie gelesen und fürchte auch, dass es nun zu spät dazu ist.

  3. thomas sagt:

    gelesen habe ich das in der tat auch nie – ich höre nur dann und wann die hörbücher der silberbände – zum einschlafen .. 😉

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