Ein Hechtsprung nach vorn, zwei Schritte zurück

Die Rache der kupfernen Schlange (Dr. Satan’s Robot) (TV)

Dr. Satan's Robot(er)

Ich hätte genauer hinsehen sollen: Robot steht im englischen Titel eindeutig im Singular – und im Film steht dieser singulärer Roboter zudem erst ganz am Ende.

Und zwar am Ende eines sehr seltsamen und nicht gerade abwechslungsarmen Films. Zur Verteidigung darf aber auch angeführt werden, dass „Dr. Satan’s Robot“ eigentlich gar kein Roboterfilm aus den 60ern (so meine neue Filmreihe, die er einläuten sollte!) ist, sondern eine Kurzfilm-Serie aus dem Jahr 1940, in deren einzelnen Episoden zwar immer wieder die Rede davon ist, dass der böse Dr. Satan dem Erfinder Dr. Scott seine just entwickelte Fernsteuerung abnehmen will, um damit „Roboter“ (hier wäre er, der trügerische Singular/Plural!*) zu kontrollieren und die Welt zu beherrschen. Diese Rede wird allerdings erst ganz am Ende in wenigen Filmsekunden zum Bild, wenn sich ein – man kann es nicht anders sagen – wankender Blechkübel auf die mittlerweile gefangenen Gutwichte zubewegt, um sie zu erdrücken. Dumm nur, dass es der Film-Superheld „Die kupferne Maske“ zwischenzeitlich wieder einmal geschafft hat, Dr. Satan zu überwältigen und ihm seine Maske überzustülpen, so dass die (Fern)Bediener des Roboters glauben, ihren Erzfreind zu töten und dabei ihren eigenen Boss erledigen.

Der Held springt zur Rettung herbei

Die Filmserie ist 1966 fürs Fernsehen zu einem Spielfilm zusammengeschnitten worden – und zwar nicht gut. Zum einen gibt es hörbare Brüche auf der Tonebene (der Soundtrack bricht häufig mitten im Ton ab, es wird still oder andere Musik ist zu hören), zum anderen werden Handlungsstränge derartig brutal abgebrochen, dass man sich mühevoll zusammenreimen (oder es einfach glauben) muss, wie es diese oder jene Figur geschafft hat aus dieser oder jener brenzligen Situation zu entkommen. Das macht allerdings nach einiger Zeit, wenn man begriffen hat, dass der Film eine Art Zusammenfassung eines viel längeren Films zu sein versucht, auch nicht wenig Spaß. Zu den Kapriolen, die der Plot schlägt, kommt eine auffällige Häufung hüpfender Figuren hinzu. Wohl nur selten hat man derart beherzte Hechtsprünge in einem Film sehen können, wie in „Dr. Satan’s Robot“. Das Sahnehäubchen auf dem Ganzen bildet dann noch die deutsche Tonspur, die alles mögliche und unmögliche ändert, ohne dass ein Grund dafür einfiehle: Da wird zum Beispiel aus „Dr. Satan“ ein „Dr. Seaton“ – warum nur? Sogar in den 40ern (in denen der Film sicherlich nicht in Deutschland zu sehen war) dürfte die Angst vor der Wirkung eines bösen Namens (vgl. Zensur von Paul Lenis „Das Wachsfigurenkabinett“) schon passé gewesen sein.

Fernsteuerung des Roboters: emergente Technikeffekte

* Natürlich ließe sich dieser Einzelroboter, der für eine Armee steht, wieder an den Diskurs der 50er-Jahre („Target Earth„) anschließen. Hier kommt jedoch noch etwas anderes hinzu, dass für die Serienstrktur nicht unbedeutend ist: Der McGuffin-Aspekt. Die Filmserie hieß „Mysterious Dr. Satan“ – und nichts im Titel deutete auf den/die Roboter hin, mit denen Zuschauer angelockt bzw. hingehalten werden werden konnten. Dass Dr. Satan einen Roboter erfunden hat, wirkt technikhistorisch zudem auch weniger spektakulär als die Inszenierung jener ominösen Fernbedienung, die Dr. Scott ständig vor dem Zugriff des Bösewichtes zu schützen versucht. Fernbedienbarkeit von Haushaltsgegenständen war 1940 noch reine Utopie, was ihr unheimliches Surplus erklären dürfte. (1966 war das Thema „Fernbiedienung“ als Novum vom Tisch – ihre zunehmende Allgegenwärtigkeit auf den Tischen in zahlreichen Wohnzimmern könnte allerdings wiederum „unheimliche“ Aspekte geborgen haben.) Mit welcher fantastischen Macht diese Geräte in den Visionen von 1940 ausgestattet sind, zeigt „Dr. Satan’s Robot“ mehr als deutlich:

Ferbedienung und Fernblick

Wer die Fernbedienung von Dr. Scott besitzt, kann damit nicht nur jedes(!) technische Gerät – vom Flugzeug bis zum Roboter – steuern, sondern bekommt über die Technologie auch Einblicke, die sonst unmöglich wären: Als etwa im ersten Testlauf ein Schiff ferngesteuert werden soll, sieht man auf der Konsole der Fernbedienung dieses Schiff auf dem Monitor in unterschiedlichen Perspektiven, was zumindest die Anwesenheit einer beobachtenden Technologie in einiger Distanz voraussetzt. Dasselbe bei einem späteren Versuch Dr. Satan’s, der mit der mittlerweile gestohlenen Technik ein Flugzeug unter Kontrolle gebracht hat, in dem sich Prof. Williams befindet, welcher eine Anti-Fernsteuerungs-Technik entwickelt hat (!!!): Hier wird das Flugzeug auf dem auf der Erde befindlichen Steuerungspanel ebenfalls von Außen und in mehreren Perspektiven gezeigt. In beiden Fällen muss aber der Held „Die eiserne Maske“ mit einem Motorboot bzw. einem Sportflugzeug erst anrücken, um durch die Fernbedientheit verursachte größere Katastrophen zu verhindern. Das Auge der Fernbedienung ist also impersonell. In beidem zeigt sich: Fernbedienungen bergen emergente Eigenschaften!

Home Invasion Control

Dass das Thema „heimliche Überwachung“ hier nicht etwa bloß ein skriptnotwendiger Unfall ist, sondern als subtiler Diskurs innerhalb der Story fungiert, zeigt sich nicht zuletzt an dem technisch gut ausgestatteten Laborgebäude Dr. Satans: An einer Wandtafel wird ihm das gesamte Haus in der Draufsicht als Umrissplan angezeigt – und, wo sich ein „Eindringling“ (hier als leuchtender Punkt) gerade befindet. Zeitweise wirkt diese Kontrolle wie ein Videospiel, wenn Dr. Satan etwa weiß, dass der Eindringling gleich auf zwei Wachen treffen wird und schon gespannt auf den Ausgang dieser Begegnung ist. Für die Suspense ist diese Draufblickperspektive ebenfalls nützlich: Wir wissen, dass sich die Entführten im „Robot Room“ befinden, wo sie ihrer Ermordung harren – wird der Held sie im labyrinthischen Haus und trotz sich in den Weg stellender Gegner finden können?

Hmm, toller Film eigentlich. 😀

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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