»Take me to your cinema!«

Peeping Tom (GB 1960, Michael Powell) (DVD)

Heute noch einmal mit Audiokommentar von Laura Mulvey gesehen. Der Kritik am Kommentar (im "Video Watchdog" wurde der ganz ordentlich runter gemacht) mag ich nur bedingt folgen:

Sicherlich kaut Frau Mulvey ihre sattsam bekannten Theorien über den "male spectator" hier noch einmal ordentlich durch und angesichts des auf der Oberfläche verhandelten Themas von Skopophelie mutet das dann schon fast wie eine Nacherzählung an. Dennoch entfaltet sie gerade dort, wo sie einmal auf ihre eigene Theorie verzichtet, interessante Positionen. So wertet sie etwa den Konflikt zwischen Mark und Helens blinder Mutter als eine Personifizierung von Empirismus- und Metaphysik-Streit, die sich in den Wissenschaftler-Figuren des (verstorbenen) Neurobiologen A. N. Lewis und des Psychiaters Professor Rosen wiederholt:

„Michael Powells Peeping Tom has two main lines of attack: In the character of Professor Lewis the film caricatures the philosophical and intellectual traditions of epiricism and scientific experiment which stay caught in the visible, the surface appearance, and the verifyable as opposed to the invisble worlds of the unconscious and the mystic. If Professor Lewis is modelled on B. F. Skinner or Thomas Watson, the behaviorist’s school of psychology, the film is on the side of Freud and the unconscious. Voyeurism, or scoptophilia as Professor Rosen names it, belongs to both worlds – the visible and the invisible. The sexual perverse invests its erotic drive in the visible, the surface of xxx (unverständlich) of its object. But it’s also symptom of the unconscious belonging to the nether world with its own pervers and symptomatic subculture – the world of Peeping Tom itself. ‚Look at to see’, Mark says to Lilly. This coded phrase could be translated as: ‚Examine the look itself.’ But in order to do so the pun has to be decyphered. A process that’s impossible for the eye alone. It’s only the mind that could figure out this kind of word play and only the mind that can see through the disguised and distorted language of the unconscious.“ (1:26:30)

Der Audiokommentar enthält neben wenigen solcher Betrachtungen zumeist medienhistorische Anmerkungen, Produktionsnotizen, Kommentare zur Rezeptionsgeschichte und – wie gesagt – Mulveys Voyeur-Theorie. Wundern muss man sich disbezüglich über einige Lücken und Auslassungen (etwa, das Nichterkennen der "Observer"-Deppeldeutigkeit) und die eigenartig oberflächliche Betrachtung der Medien-in-Medien-Inszenierungen.

Ich werte den Kommentar als einen Beitrag im Diskurs um den Film aus, der in drei massiven Schüben (1960: fundamentale Ablehnung, um 1980: künstlerische Rehabilitierung, um 1995: wissenschaftliche Aufwertung) stattfindet und in nuce für die Geschichte des Serienmörderfilms an sich steht, die einen ähnlichen Diskurs-Verlauf (nur historisch verschoben) aufweist.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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