Parasiten auf ARTE

Gestern lief also der Themenabend. Die Dokumentation „Parasiten sind unter uns“ habe ich mir noch angeschaut, den – gekürzten – Shivers nicht. Interessant war die Perspektive der Doku:

Der Parasitenbegriff wurde historisch entwickelt, von seiner eher
positiv konnotierten Bedeutung im alten Griechenland als „Tischgast“
(ich meine, die Etymologie in der Doku ist nicht korrekt dargelegt
worden: „Parasitai“ waren nicht irgend welche nicht zahlenden
Tischgenossen, sondern die Angehörigen von Beamten und Schreibern, die
diese auf Staatskosten auf Reisen begleiten durften und mit am Tisch
aßen) über die Theorien des Mittelalters und der Renaissance, nach
denen Parasiten „spontan entstehen“ und damit kein Bestandteil des
Schöfpungsplans sind, dann über einen Schwerpunkt im 19. Jahrhundert,
der zum Einen die Biologie und Epidemiologie des Parasitimus
naturwissenschaftlich exakter erfasst, den Parasiten-Begriff aber auch
schon metaphorisch auf sozial unliebsame Individuen ausdehnt – was
seinen Höhepunkt in der Genozid-Politik des NS-Regimes fand, bis hin zu
einem wiederum eher positiv konnotierten Parasiten-Begriff von heute,
der die symbiotischen Eigenschaften von Parasiten hervorhebt und das
evolutionäre Modell des Parasitismus als „erfolgreichstes“ ausweist.

Sehr schön, dass sich die Dokumentation dabei weniger auf die
naturwissenschaftlichen als auf die kulturhistorischen Aspekte des
Parasitimus konzentrierte. Daher kamen neben einigen Biologen und
Medizinern vor allem Kulturwissenschaftler und Philosophen zu Wort. Vor
allem die Auftritte von Ulrich Enzensberger und Michel Serres wären positiv zu erwähnen – letzteres vor allem wegen seiner bewundernswerter Klarheit und Prägnanz (was man von Serres Parasiten-Buch leider nicht sagen kann).

Ich empfehle allen, die sich für das Thema interessieren und den Themenabend verpasst haben, die Wiederholung:

14.04.

0:25: Parasiten-Mörder – Wiederholung

Spielfilm von 1974 (David Cronenberg)

01:50: Parasiten sind unter uns – Wiederholung

Dokumentation

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
Dieser Beitrag wurde unter Filmtagebuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Parasiten auf ARTE

  1. SJ sagt:

    Aufgrund der Indizierung hatte auch ich erwartet, dass „Shivers“ nur gekürzt läuft, doch tatsächlich schien mir die Ausstrahlung vollständig. Die Dialoge, die in früheren deutschen Fassungen fehlten, hat der Sender untertitelt eingefügt. Sehr lobenswert! (Arte ist in der deutschen Fernsehlandschaft ohnehin unverzichtbar.)

  2. philosphus sagt:

    Bei „Telepolis“ gibt’s jetzt dazu nen interessanten Artikel:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19841/1.html (Rüdiger Suchsland)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.