13.01.04: Mutters Courage (DVD)
Mutters
Courage erzählt die Geschichte von George Taboris Mutter, die im
Frühjahr 1944 aus Ungarn nach Auschwitz deportiert werden sollte und
letztlich durch ihren Mut und die Willkür eines SS-Manns gerettet wurde.
Die
Geschichte ihrer Deportation wird jedoch keineswegs dramatisch
inszeniert, sondern immer wieder durch Einwürfe und zeitliche
Verschiebungen, in denen George Tabori (den er selbst spielt) ins Bild
kommt und das Geschehen kommentiert. Dem Humor Taboris ist zu
verdanken, dass der Film eine durchaus sarkastische Tendenz auf die
Situation hat: Sowohl die Naivität der Juden, die deportiert werden
sollen als auch die Stumpfheit der ungarischen Nazi-Schergen werden
auf’s Korn genommen. Das hat dem damaligen Kinopublikum allerdings so
sehr aufgestoßen, dass ein paar Szenen aus dem Film entfernt wurden
(etwa, als beim Verfrachten in die Viehwaggons ein Jude einen Nazi
fragt, ob es denn einen Speisewagen gäbe oder eine Szene, als Mutter
Tabori im Viehwagen von einem Lüstling bedrängt wird und
stillschweigend und stehend eine Vergewaltigung über sich ergehen
lässt). Insgesamt fehlen Szenen mit sexuellen und grotesken Inhalten,
denn in den 80er Jahren war die Frage von „Lachen über Auschwitz“ noch
keineswegs ambivalent geschweige denn positiv beantwortbar.
Das
Lachen, dass der Film dennoch provoziert, bleibt einem unversehens im
Halse stecken. Als zum Beispiel zwei spielende Teenager (von denen
einie Jüdin ist) von den Nazis verhaftet werden sollen und einer der
Männer sich über die „Hollywood-Juden“, die das Mädchen als Plakate bei
sich im Zimmer hat, lustig macht, fragt sie ihn frech ins Gesicht: „Und
was seit ihr? Ungarisch-arische Nazi-Schweine“ … woraufhin sie
kurzerhand im Klo ertränkt wird.
Mutters Courage wirkt zwischen
den beiden Polen Komik und Grausamkeit gut ausbalanciert und ist
keineswegs darauf aus, wie viele andere Filmeaus den 80ern oder von
1995 (dem 50. Jahrestag der Befreiung Auschwitz‘, zu dessen Anlass auch
Mutters Courage erschienen ist), ausschließlich zu schockieren.
Irgendwie muss Verhoeven schon damals gewusst haben, dass im Grauen des
Holocaust recht leicht auffindbar die vollständige Lächerlichkeit der
Nazi-Ideologie „verborgen“ liegt. Das zeigt sich neben seinem Film „Das
schreckliche Mädchen“ vor allem in Mutters Courage.



