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Als Computer noch Frauen waren

Ist ja Irre: Liebe, Liebe usw. (Carry on Loving, GB 1970, Gerald Thomas) (DVD)

Das war eine Überraschung! Auf der Suche nach filmischen Beispielen von Computer-Matchmaking-Motiven bin ich auf die britische Comödie “Carry on Loving” (aus der hierzulande bekannten Serie “Ist ja Irre …”) gestoßen, weil sich darin ein reichlich zerstrittenes Ehepaar als Betreiber einer Kuppler-Agentur verdingt. Ihr Alleinstellungsmerkmal: Sie ermitteln perfekte Paare mithilfe eines eigens dafür eingerichteten Computers:

Front-End

Links im Bild sieht man offenbar die Massenspeicher-Einheit, rechts das Rechenwerk (?). In der Mitte – von der Ehefrau und Chefin verdeckt – die Ein- und Ausgabe-Einheiten. Dass sich dieser Rechner weder einem konkreten Modell zuordnen lässt, noch überhaupt ermittelbar ist, um welches Hersteller es sich handelt, hat seinen Grund – und das ist auch schon gleich die Überraschung und sozusagen die Doppeldeutigkeit des Bildes mit der Frau “zwischen” der Computer-Hardware: Das Gerät ist ein Fake. Normalerweise sitzt nämlich ihr Ehemann am Schreibtisch, nimmt die Daten des Vermittlungswilligen auf einem Formblatt auf, schiebt sie in den rechten Eingabeschlitz und Augenblicke später kommt eine ähnlich augefüllte Datenkarteikarte aus dem linken Ausgabeschlitz heraus. Männer bekommen eine blaue Karte, Frauen eine rosafarbige.

Die Datenermittlung übernimmt dabei kein Prozessor, sondern jene Frau, die auf dem obigen Bild in der Mitte zu sehen ist: Sie sitzt im Raum hinter der Wand, an welcher der Computer steht, nimmt die Karteikarten aus einem Sammelkörbchen, wertet sie aus und sucht aus einer Kartei einen passenden Partner heraus. Ihr Algorithmus für den Datenabgleich ist dabei überaus “eigenwillig”: Sie sucht diejenigen Frauen heraus, an die sich ihr Gatte selbst heranzumachen versucht, um sie auf diese Weise durch Verkupplung mit einem anderen Mann aus dem Verkehr zu ziehen. Das ist auch der Grund dafür, dass die Ehe des Eheanbahner-Pärchens so problematisch verläuft.

Datenein- und -ausgabe

Die komischen Verwicklungen, die diese Konstellation und dieser “Pseudo-Computer” (sic) nach sich ziehen, werden vom Film in allen Varianten bis zur finalen Tortenschlacht ausgekostet. Im Zentrum steht für mich dabei zweierlei: Erstens funktioniert keine der durch dieses System angestifteten Partnerschaften auch nur kurzfristig; vielmehr zerstreiten sich alle derartig Liierten innerhalb kürzester Zeit und diejenigen, die der Zufall zusammen geführt hat, stellen sich als stabile Paarungen heraus. Dies ließe sich vor dem Hintergrund, dass es gar keine richtige Computer-Eheanbahnung ist, sogar noch als Fürsprache für das Gerät – oder zumindest nicht gegen es – sehen.

Der zweite, viel interessantere Punkt, ist allerdings, dass der Schein der Computer-Partnervermittlung immerhin dadurch zehn Jahre lang (!) aufrecht erhalten werden kann, dass eine menschliche, bzw. besser gesagt: weibliche Intelligenz “im Hintergrund die Fäden knüpft”. Das alte Motiv der Kupplerin findet hier vor dem Hintergrund des Digitalzeitalters seine Aufhebung in der Maschine, dem Mittler bzw. Medium der Vermittlung, das so gesehen nun eben doch kein Fake ist. Computer und Kupplerin versinnbildlichen sich hier als “Superhirn” (sic) förmlich gegenseitig!

Back-End

Diese Identifikation ist naheliegend, wie sich schon in anderen Filmen, in denen Frauen und Computer zusammen kommen, zeigt. Die Tradition der Partnervermittlung mit Computer reicht bis ins Jahr 1957 zurück: Dr. George W. Crane war wohl der erste, der mittels (s)einer “Scientific Marriage Foundation” Männer und Frauen auf diese Weise zusammen zu führen versucht hat. Für die Auswertung seiner Testbögen (die dankenswerterweise jemand bei Flickr zur Verfügung gestellt hat) diente ihm eine Sortiermaschine (für Lochkarten – hier hätte der Film wenigstens den Schein wahren können!) von IBM (solche Maschinen baute und vertrieb IBM mit großem Erfolg bis sie mit dem Modell 701 ins Computer-Business einstiegen).

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