S-E-X-W-O-R-L-D

Tracey’s Love Chamber (USA 1987, Ron Jeremy) (VHS)

„It is now the 22nd Century. The final conflict has come and gone. The men control the planet. The women have been devided into either breeders or harlots. All for men’s satisfaction. Except at the organzation called ‚Sex World‘ which is been around for about five years now. I work there. I’m on vacation. My roommate is another exception. She has escaped classification. She lives as an outlaw. Most of us live below the surface. A lot of the air is good now. So if the meter reads safe we can remove our helmets …“

Ron setzt den Helm ab ...

In diesem Prolog, den Regisseur und Hauptdarsteller Ron Jeremy einspricht, während er in einem chicen silbernen Fallout-Schutzanzug durch irgend eine US-amerikanische Einöde stolpert, wird quasi der komplette Film vorweg erzählt. In seinem Urlaub streunt Ron durch die Gegend und sucht einen mit Gerümpel zugestellten Ort auf, an dem sich sein „old home“ befindet. Ein Ort, an dem sich nur Kakerlaken und Ratten aufhalten – zu letzteren unterhält Ron ein angespanntes Verhältnis.

Ron findet eine Gummiratte ...

„Many of my old relics actually survived the conflict“, freut er sich angesichts des Sperrmülls, zu dem ein altes Auto, ein „Danger“-Schild, eine mannsgroße Holzfigur, ein leerer Pizza-Karton und ein tragbares TV-Gerät gehören: „I still enjoy going to my old television set and tuning into the sexual stations. It shows how sex used to be before women were classified. When they chose their own partners.“ Dann guckt er in die Röhre und schaut sich das „Sex World“-Programm an – die Pornodarbietungen seines Arbeitgebers – und das im Urlaub!

Ron guckt (gleich) "Sexworld"

„Tacey’s Love Chamber“, der zu einem Drittel so heißt, weil Tracey Adams die Hauptrolle spielt, besteht aus vier Hardcore-Sequenzen, von denen drei im „Sex World“-Studio und eine bei ihm zu Hause (also im Bunker) stattfinden. Dazwischen sieht man Ron, wie geschrieben, durch die Gegend laufen und Off-Kommentare zur Situation abgeben. Irgendwann kurz vor Schluss des Films ist der Urlaub dann wieder vorbei und Ron geht zurück ins Studio. Dort erlebt er eine Orgie mit, die er via Bildschirm verfolgt, und die mit einer netten Ansage des kopulierenden Paares endet: „Ask not what you can do for Sexworld but what can Sexworld can do for you!“ So viel Kundenorientiertheit kommentiert Ron abschließend mit: „Sex World … I think I’m in the wrong department.“ Und dann endet der Film.

„Tracey’s Love Chamber“ macht keinen Hehl daraus, dass er das Setting lediglich „missbraucht“, um ein paar Nummern, die – wie Jochen wohl nicht ganz unrichtig vermutete – bei Ron Jeremy zu Hause gedreht wurden, vorzuführen. Die postapokalyptische Atmosphäre entfaltetet sich dementsprechend eher in den steril abgefilmten Hardcore-Sequenzen als im „Dazwischen“. Das ist bestimmt von unfreiwilliger Komik und einem Ron Jeremy, der wirklich so aussieht, als wüsster nichts mit sich anzufangen, wenn er mal Urlaub hat. Interessant ist natürlich der Medieneinsatz im Film – es gibt ein paar TV-Monitore, ein TV-Video-Sat-Set (im Bunker-Wohnzimmer) und ein Film-Equipment, das allerdings lediglich aus Pappschachteln, die mit Alu-Folie umwickelt wurden und einem Mikrofon besteht. Das alles dient nur einem Zweck: Die Pornutopie als Zeit/Ort vorzuführen, wo es trotz Zivilisationsende doch noch ganz unterhaltsam zugeht. Dabei hilft natürlich das utopische Paradigma, das die weibliche Population in Mütter und Nutten unterteilt, ungemein …

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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