»Leberwurst.«

Ich kämpfe um dich (Spellbound, USA 1945, Alfred Hitchcock) (DVD)

Der Film der zweiten Examenskolloquium-Sitzung war dann schon amüsanter. Hitchcock versucht sich an einer „Verfilmung“ von Psychoanalyse. Weil psychische Prozesse nun aber mal die Eigenschaft haben, unsichtbar zu sein und nur durch „Konversion“ sichtbar zu werden, muss sich der Regisseur etwas ausdenken, an dem die Identitätsstörung seines Protagonisten sichtbar werden kann. Bei Hichtcock ist dieses „Etwas“ natürlich kriminalistischer Natur: Hat der sich als Psychiater ausgebende Mann (Gregory Peck) einen Mord begangen und die Identität des Ermordeten angenommen? Das wird von (wie immer) zwei Seiten zu ermitteln versucht: Die Polizei und die Analytiker nehmen die Spurensuche auf. Im Zentrum – quasi dazwischen – steht die emanzipierte und extrem in den Patienten/potenziellen Mörder verliebte Psychoanalytikerin (Ingrid Bergman). Ihre Liebe macht sie blind für allzu schnelle Schlüsse. Sie flieht mit dem Mann zu ihrem Doktorvater, der ihn einer Kurzzeittherapie unterzieht und so die verdrängten Erinnerungen zurückholt.

Das ist natürlich alles Holterdipolter-Psychoanalyse, zeigt aber sehr schön, wie das Prinzip der Konversion filmisch ein-/umsetzbar ist. Dort, wo die realen Bilder nicht mehr reichen, in der Traumlandschaft, tauchen surreale Bilder auf, die dann schließlich auch den Schlüssel zur Wahrheit bergen. Entworfen hat diese Traumbilder Salvador Dalé, mit dem Freud ja bekanntlich nie etwas zu tun haben wollte. Auch deshalb wirkt „Spellbound“ eher wie eine Travestie auf die Psychoanalyse, denn wie eine ernsthaften Auseinandersetzung. Und wenn man dann, in einer der Schlüsselszenen des Films, eine der schönsten Schauspielerinnen jener Zeit das (im Deutschen wie im Englischen gleichlautende) Wort „Leberwurst“ sagen hört, dann ist man förmlich gezwungen, das alles nicht ganz ernst zu nehmen.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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