»Sometimes everything’s a clue, and what you think is paranoia is actually heightened awareness.«

Nightmare Lover (Dream Lover, USA 1994, Nicholas Kazan) (DVD)

Warum heißt „Dream Lover“ hierzulande „Nightmare Lover“? Wohl aus demselben Grund, aus dem „Copycat“ in Deutschland unter „Copykill“ gehandelt wird: Weil der Verleiher die eigene Mangelbildung gern auf Dritte appliziert. Aber zum Film: Mädchen Amick ist sicherlich eine der schönsten Schauspielerinnen aller Zeiten, aber am Ende von „Nightmare Lover“ mochte ich sie „irgendwie“ nicht mehr so. Das liegt daran, dass der Film es trotz aller Unwägbarkeiten, Plot-Holes und nicht zuende gedachten Ideen schafft, in ihr eine Femme Fatale aufzubauen, wie sie seit Marlene Dietrich in „Zeugin der Anklage“ hinterlistiger kaum je zu sehen gewesen ist. Der Film legt gerade im letzten Drittel alles daran, die Figur zu dämonisieren, ihr konsequent und in allen Belangen Berechnung zu unterstellen und aus ihr eine „Maschine“ (so wird sie vom armen, gebeutelten James Spader einmal genannt) zu machen.

Damit wird sie im Sinne der Plotkonstruktion natürlich zu einem „Prinzip“ ernannt, das eine bestimmte Funktion zu erfüllen hat. Aber sind nicht alle Figuren in narrativen Konstruktion derartige „Maschinen“ und haben wir manche von ihnen vielleicht nur deshalb gern, weil sie uns ihr Maschinensein so gut verbergen? Überstrahlt nicht lediglich das Goodboy-Image Spaders (das er hier sehr gut aus „Sex, Lies, and Videotapes“ herüber gerettet hat) sein maschinelles Agieren? Ist er als der zwar manchmal etwas impulsive, doch stets reumütige Millionär nicht auch irgendwie ein „Prinzip“ – wenn auch eines, mit dem wir uns eher identifizieren mögen als mit einer Frau, die auch mal aus Berechnung mit einem Mann ins Bett (und dann sogar vor den Altar) steigt? „Nightmare Lover“ macht doch im Prinzip nichts anderes als die Adern unserer Zivilisation offenzulegen, indem er das Gegenprinzip zur romantischen Liebe, die Vernunftehe und politische Hochzeit vorromantischer Zeiten auf die Gegenwart appliziert. Böse wirkt Mädchen Amick deshalb, weil sie gleichermaßen antiquiert und modern ist, aber eben in den falschen Aspekten: Sie gibt ihre Selbstbestimmung nicht an der Wohungstür ab und plant ihr Leben nicht als Variable innerhalb der „Stammfunktion“ ihres Mannes – sondern eben nach dem Rhythmus einer „different drum“. Gut, Spader wird, weil das alles zu wahnsinnig klingt, um nicht paranoid zu sein, schließlich interniert. Doch wir wissen, wer die eigentlich Irre ist: diejenige, die sich nimmt, was sie haben will.

So, jetzt kann ich Mädchen Amick doch wieder liebhaben. 🙂

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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