13.02.04: Sonatine (DVD)
Teil 2
Die
Idee, einen zweiten Text zu Sonatine zu schreiben, ist mir recht bald
gekommen. Genau genommen direkt nachdem der Film sich entschlossen
hatte, keine gewöhnlich, gewaltgeladene Yakuza-Geschichte sein zu
wollen.
Die Poesie, die Kitano vor allem in den Schnitt und die
Kamera legt, ist beeindruckend. Zwar verschließt sie den Film einem
rationalen und interpretierenden Zugriff, weil sie – wie oben
geschrieben – eben zu gewollt aber zuwenig gewusst wirkt, doch ergänzt
sich das Spiel der Technik mit der unglaublichen Leichtigkeit der
Erzählung. Auch in ihr herrscht keine Kohärenz: Die Charaktere sind in
dem, was sie tun, nicht böse, sondern ambivalent. Die sonst so
finsteren und unberechenbaren Yakuza sind hier immer noch
unberechenbar, aber eben in der Art, wie sie als Menschen gezeigt
werden.
Dies sublimiert sich vor allem in den Szenen, in denen
Murakawa sich mit dem Mädchen unterhält. Stets ist man auf der Hut, was
wohl passiert, wenn er die Lust an ihr verliert (oder sie sich andere
Bahnen sucht!). Aber dann ist es doch immer nur wieder seine
Überraschung ihrer natürlichen, unverblümten Neugier gegenüber, die aus
ihm heraussprudelt. Diese Charakterzeichnung hält Kitano bei all seinen
Figuren durch: Da wird getanzt, gespielt, gesungen und kindische
Scherze gemacht … und damit das schwarz-weiß-Konzept der
gewalttätigen, kaltblütigen Yakuza, dass die erste dreiviertel Stunde
noch gezeichnet hat, vollständig aufgebrochen.
Sonatine ist in
all seiner Sinnlosigkeit ein Fest der Sinne. Der beschwingte Rhythmus,
der im Soudntrack die Bilder kommentiert, überträgt sich von Minute zu
Minuten mehr auf den Zuschauer. Da werden selbst die recht blutigen
Schießereien zum Ballett und es wird ganz gleichgültig, welche der
Figuren sterben muss und welche weiterleben darf, denn irgendwie ist
klar, dass es nur ein Film ist – ein Tanz der Bilder und der Ambivalenz
… und mitten drin immer wieder Kitanos Gesicht, dass hier für mich
erstmals konstruktiv beides auszudrücken im Stande ist: Freude und
Gewalt.



