Sonatine

13.02.04: Sonatine (DVD)

Teil 1

„Yakuza
Murakawa (Kitano) erhält den Auftrag auf der Insel Okinawa zwischen
zwei verfeindeten Clans zu vermitteln. Dort angekommen geraten sie
gleich zwischen die Fronten der Clans und ziehen sich, auf weitere
Befehle wartend, in ein Haus am Strand zurück. Ihre Zeit dort
verbringen sie mit Spielen aller Art bis sie den wahren Grund für ihren
Okinawa-Auftrag erfahren. Murakawa und seine gesamte Gang sollen
ausgeschaltet werden. Murakawa bewaffnet sich für seinen letzten
grossen Kampf …“

Was sich auf dem DVD-Cover wie eine typische
Yakuza-Story liest und in der ersten dreiviertel Stunde des Films auch
zu sein scheint, ändert sich schlagartig, wenn Murakawa mit seinen
Leuten in Okinawa ankommt. Dort herrscht alles andere als „Action“.
Langeweile, Tanz, alberne Strandspiele, etwas weniger alberne
Schießspiele und zwischen drin, wie zur Abwechslung vom langweiligen
Warten auf das Finale, mal eine Schießerei, mal eine Hinrichtung und
dann wieder Langeweile.

Regisseur Kitano, der selbst die
Hauptrolle in seinem Film spielt, hat für Sonatine auch das Buch
geschrieben und den Film geschnitten. Sein Schauspiel lehnt sich dabei
eng an den behäbigen Rhythmus des Films an: Er spielt seinen
Yakuza-Boss irgendwo zwischen Gleichgültigkeit und unberechenbarer
Bösartigkeit. Demgegenüber stehen die verspielten Szenen des Films, in
denen Kitano als „Murakawa“ mit seinen Yakuza-Zöglingen herumalbert und
in denen er als „ausführender Künstler des Films“ mit
Kameraperspektiven, wilden Match-Cuts und Soundtracks herumspielt,
durch Schießereien seine eigentlich sehr liebevoll eingeführten Figuren
opfert … alles wirkt kalkuliert wie in einem Schachspiel, an dessen
Ende einer der beiden Könige (Yakuzabosse) fallen muss. Die gesamte
Ästhetik Sonatines arbeitet auf dieses Finale hin.

Versucht man
nun die Fragmente dieser Ästhetisierung von Gewalt und Langeweile
zusammenzufügen, kommt man keineswegs zu einem de Sade’schen Programm,
sondern eigentlich zu gar keinem Ergebnis. Der Gesamteindruck von
„Sonatine“ ist wirr: Gewalt und Spiel, Action und Langeweile sollen
sich kontrastiv ergänzen, eventuell sogar gegenseitig verstärken,
bleiben jedoch für sich. Böswillig könnte man Kitano unterstellen: Er
hatte das Geld, er hatte die Technik … nur eine Idee hatte er nicht.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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