27.09.03: Gangs of New York (DVD)
Ein
bemerkenswert schlechtes Timing zeichnet GONY zu allererst aus. Während
der Film die erste Stunde versucht, eine Erzählung um Rache und Schuld
aufzubauen, verliert er jedes Gefühl für den Rhythmus. Nach etwa 100
Minuten, als die „historische Realität“ das Gangster-Drama einzuholen
beginnt, erkennt man erstmals die Handschrift Scorseses. Ohne Rücksicht
auf seine Figuren lässt er die Realität über das Geschehen
hinwegwalzen. Zwar erstaunen einige wirklich hölzerne Paralelmontagen
(3 Gebete, 3 Armeen, …), doch entlarven sowohl Kamera als auch
Drehbuch den zuvor abgelaufenen schnöden Kostümschinken als Relikt
eines Kinos von Gestern. Die Nierderschlagung des Aufstandes ist daher
nicht nur dramaturgisch der Höhepunkt des Films.
DiCaprio schaut
derweil 160 Minuten lang grimmig bis verbittert aus der Wäsche, schafft
es aber trotzdem nicht, sich gegen sein Image zu emanzipieren. Cameron
Diaz hat sich durch ihre Darbietung einen festen Platz in meinem
„Herzen“ (zwischen Julia Roberts und Kelly LeBrook) als nervigstes
Breitmaul der Filmgeschichte eingespielt. Beeindruckend war hingegen
Daniel-Day Lewis, bei dem man regelrecht spüren konnte, wie er in der
Rolle des Butchers auf-, und mit ihm das alte System der Gangs
untergegangen ist.



