20.09.03: Phantasm (VHS)
Als
ich 1992 in New York war, habe ich mir unter anderem (Salzstreuer mit
dem WTC drauf – auch dort gekauft) für 4,99 US$ eine Original-kassette
von Phantasm gekauft. Jetzt, 11 Jahre später, habe ich endlich mal die
Gelegenheit gefunden, mir das Tape anzuschauen.
Ich kannte den
Film natürlich schon vorher in der deutschen Fassung, die ja – soweit
ich weiß – nicht weniger „integral“ (ungekürzt) ist als die OF.
Phantasm
ist ein Film, der mich recht ratlos zurück gelassen hat: Das Werk
steckt voller Ambition und man merkt geradezu an jeder Einstellung,
dass Don Coscarelli unzählig viele Ideen für die Story und ihre
Umsetzung parat hatte. Angefangen bei den sehr impressionistischen
Farben des Films über die Projektionsspielchen der
Bild-im-Bild-Inszenierung bis hin zu den surrealen Traumszenen, die
verschiedene Figuren haben: Phantasm will Kunst sein.
Bei all
diesem Manierismus lässt der Film seine Story jedoch eigenartiger Weise
außer acht. Von inkonsequenten Handlungsentwicklungen (warum sperrt
Jody Michael zum Schluss im Zimmer ein und fährt noch mal zurück zum
Friedhof?) bis hin zu achtlos entwickelten Nebenfiguren (Was hat es mit
der alten Hexe vom Anfang des Films auf sich?) ist Phantasm geradezu
schlampig erzählt.
Werner Faulstich hat mit seiner Dawn of the
Dead-Interpretation* einmal einen sehr fruchtbaren Anstatz zum
Verständnis solcher Inkonsequenzen gegeben: Der Spielfilm als Traum.
Faulstich schlägt vor, die Inkonsequenzen von Dawn als verschobene,
verdichtete Traumbilder zu lesen und den gesamten Spielfilm damit einem
anderen narratologischen Diskurs zu unterstellen. So gesehen könnte
Phantasm, der sich zum Ende hin ja selbst als Traum-Narration ausgibt,
schon ironische Intelligenz unterstellt werden. Nur müsste sich die
Rahmenhandlung ja dann ebenfalls in das Traumkonzept einflechten
lassen. Da muss ich mir noch mal meine Gedanken zu machen … ansonsten
hat es mich gestern Abend mal wieder gefreut, mal in New York gewesen
zu sein.
maX
*
Faulstich, Werner. „Der Spielfilm als Traum. Interpretationsbeispiel:
George A. Romeros ZOMBIE.“ medien + erziehung, 29. Jg., H. 4, 195-209.



