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Fungus Isle (Philip M. Fisher Jr., 1923)
Eine weitere Lost-Island-Geschichte, die die Protagonisten eines Schiffes auf eine scheinbar unbewohnte Insel verschlägt. Es handelt sich um vier Überlebende eines im Sturm gesunkenen Schiffes. Sie waren auf der Jagd nach Dieben, die ihnen wertvolle Opale, welche sie in Australien geschürft hatte, gestohlen hatten.
Nachdem die vier auf der ihnen unbekannten Insel am Strand angeschwemmt wurden, flieht einer von ihnen – ein offenbar als Sklave gehaltener Matrose und lässt die drei anderen zurück. Diese erwachen nach und nach und stellen fest, dass der Wind vom Inselinneren braunen Staub und einen seltsamen Geruch an sie heranträgt. Auch hören sie unheimliche Töne – menschenähnliche Schreie und brechen zu einer Expedition ins Inselinnere auf.
Bald stoßen sie auf einen Wald aus unterschiedlichen mannshohen Pilzen, die unablässig Sporen absondern – auch jenen brauen Staub, den die Männer schon am Strand wahrgenommen hatten. Der Durst treibt sie weiter ins Innere des Pilzwaldes, wo sie einen Süßwasserteich finden, der jedoch ebenfalls über und über mit Pilzen bewuchert ist. Ale einer der Männer von dem Wasser trinkt, wird er wahnsinnig und rennt tiefer in den Pilzwald hinein. Die anderen beiden fliehen zurück zum Strand und waschen sich im Meerwasser die Pilzsporen von Haut und Kleidung.
Die Stimmen oder Schreie, die sie gehört haben, gehören zum Menschen, die jedoch kaum noch als solche erkennbar sind. Sie nähern sich den schlafenden Seeleuten nachts – allerdings keineswegs mit feindlichen Absichten. Sie weisen die Schiffbrüchigen auf einen Haufen am Strand hin, der mit Pilzen überwuchert ist. Darunter befindet sich Holz, aus denen ein Floß gebaut werden kann. Das Holz gehört zum Schiff der Opal-Diebe und eine Kiste mit den gestohlenen Opalen findet sich ebenfalls in dem Holzstapel. Die menschenförmigen Pilzwesen sind offenbar die Diebe, die es schon zuvor auf die Insel verschlagen hatte … Die Männer bauen sich ein Floß und fliehen damit von der Insel.
Fisher gelingt es in seiner Geschichte die Bedrohung, die nur selten akut wird, durch die Sinneseindrücke der fokalisierten Figur zu beschreiben. Immer wieder ist es der Gestank, der vom inselinneren an den Strand weht, die ungewöhnlichen Farben und Formen der Pilze, die Konsistenz des Sporenstaubs und der Geschmack, den alle im Mund haben, die die sporenverseuchte Luft eingeatmet haben. Die Pilze selbst, allesamt übergroß, werden nur vage in ihren Formen beschrieben:Â
- „Maligne Fungus“ – ein allgegenwärtiges, extrem schnell wachsende Mycel, das alles überzieht
- „Giant Puffballs“ (Riesenboviste) – Sporenköpfe, die so groß wie Häuser werden können und die platzen und braunen Sporennebel ausstoßen
- „Great roached mounds“ (wulstige, krustenartige Massen) – braune hügelartige Pilze
- „Leprous stalks“ (Lepra-Stile) – gelbe, blass-violette und fischbauch-grüne Stiele mit hohem, fleischigem Fruchtkörper
- „Fan fungus“ oder auch „Fan stuff“ (fächerförmiger Pilz) – ist essbar, aber stark narkotisch und macht süchtig. Er hat die Transformation der Inselbewohner (und des Captains) ausgelöst
- „Vermilion carpet“ (Zinnoberroter Teppichpilz) – ein Schleimpilz oder Schimmel, der Lichtungen und Pfade bedeckt
- „Toadstool“ – nickende und schwankende Pilze befinden sich als Menschen getarnte Pilze im Wald
- Sporenköpfe, die stinkende, braune Sporen absondern, die als Wolke über den Strand ziehen
- „Molded mound“ (Schimmel-Wulst) – eine dichte, krustige Schicht, die das Wrack des gesunkenen Schiffs einschließt
Am Ende suggeriert der Erzähler, dass die gesamte Insel ein Pilzwesen sein könnte.
Die Pilze stellen eine Eskalation des Fremden dar, das sich in den übrigen Elementen der Erzählung bereits ankündigt: das ferne Australien, der „kanaka“-Matrose, die fremdartige Schönheit der Opale – finden in den Pilzen und den Pilzwesen eine Verkörperung, die in schon fast Lovecraft‘schem Stil als Warnung vor dem verlassen der bekannten, gewohnten Welt auftritt.Â



