Unser Lehrer Doktor Brandt!

Das schöne Ende dieser Welt (D 1984, Rainer Erler) (DVD)

Bis zum Erscheinen von „Die Delegation
(den ich als TV-Aufzeichnung bekommen habe), ist „Das schöne Ende
dieser Welt“ der vierte und bislang letzte Film der „Rainer Erler Kult
Reihe“ von EuroVideo. Meines Erachtens sein fadestes, weil
vordergründig-politischstes Werk.

Vielleicht habe ich mich aber auch zu sehr an Herzogs „Wo die grünen
Ameisen träumen

erinnert gefühlt, der im selben Jahr erschien und – bis hin zum
Handlungsort Australien – eine
sehr ähnliches Thema hat. Bei Erlers Film geht es um den deutschen
Wissenschaftler Dr. Dr. Michael Brandt (Robert Atzorn), der nach
Australien reist, um dort im Auftrag seines Chemie-Konzerns ein
Grundstück zu
erwerben. Im Outback soll dann ein hochgiftiges DDT-Derivat für den
Export in
die Dritte Welt hergestellt werden. Man weicht mit der Produktion nach
Australien
aus, weil  in Europa und den USA mittlerweile Herstellungsverbot
für den Stoff herrscht. Brandt trifft vor Ort jedoch sofort auf
Widerstand: Der
Bruder (Götz George) der Stewardess Elaine (Claire Oberman), die Brandt
auf dem Hinflug kennen gelernt hat und mit der er eine Beziehung
beginnt, entpuppt sich als radikaler Umweltschützer, dessen Kollegen
auch nicht vor der Anwendung von Gewalt zurückschrecken, um Brandt aus
Australien zu vertreiben. Dieser taucht zunächst ab, wird sich über die
Ziele seines Konzerns aber zusehends unklarer und schlägt sich
schließlich auf die Seite der Umweltschützer.

Erlers TV-Film ist überraschend langweilig im Vergleich zu den
Arbeiten, die man von ihm kennt. Der politische Aspekt der Erzählung
gerät zu sehr in den Vordergrund; das, wofür Erler eigentlich steht –
nämlich die Verarbeitung eines solchen Themas in einen Genre-Film
– steht eigenartig zurück. Besonders augenfällig wird dies an der
durchaus intressanten Figur Craigs (George), der als pazifistischer
Umweltschützer zwar überzeugend ist, dessen endlose, naseweise Monologe
über die Umweltzerstörung Australiens sich aber schnell als „Botschaft
des Films“ entpuppen und nerven. Der Verdacht, dass hier das sorgsam
recherchierte Faktenmaterial
untergebracht werden musste, entsteht schnell. Um Zusammenhang mit der
ideologischen Kehrwende des Chemikers Brandt, gerät „Das schöne
Ende dieser Welt“ genau wie der oben angesprochene Herzog-Film schnell
zu einem umweltpolitischen Lehrstück. Damit ist er zwar politisch auf
der Höhe der (damaligen) Zeit, kann aber – genau wie Herzogs Film – als
Kunstwerk nur verlieren.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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