The Voice in the Night (1907, William Hope Hodgson) (Wikipedia)
Die nächste Erzählung aus dem Jahr 1907 bedient sich des in der Horrorliteratur der Jahrhundertwende häufig anzutreffenden Motivs des »ghost ships«, das menschenleer über den Ozean driftet. In Hodgsons Erzählung, die bereits mehrfach filmisch adaptiert wurde, wird dieses Ghost Ship allerdings nur in der Nacherzählung eines Protagonisten ›sichtbar‹.
Die Ausgangssituation beschreibt einen Fischfänger mit einer sechs Mann starken Besatzung. Eines Nachts nimmt der Wachhabende Geräusche wahr, die sich über das Wasser nähern: Jemand rudert auf den Fischfänger zu, bleibt jedoch in der Dunkelheit verborgen und ruft um Hilfe. Als der hinzugeeilte Kapitän versucht die Situation zu ergründen, erfährt er, dass der in der Dunkelheit verborgene Mann Lebensmittel für sich und seine gestrandete Frau sucht. Sich nähern oder an Bord kommen möchte er dafür aber nicht, weil sein Anblick schwer erträglich sei. Also sendet man ihm Essen in einer Kiste über das Wasser.
In der nächsten Nacht taucht er wieder auf; nun wollen die Männer auf dem Fischfänger aber wissen, mit wem sie es zu tun haben und der Mann im Ruderboot erzäht seine Geschichte: Währed seiner Hochzeitsreise ist das Schiff, auf dem er und seine Frau waren, gesunken. Sie konnten sich in einem kleinen Beiboot retten und erreichten nach ein paar Tagen ein verlassenes Schiff, an dessen Bord sie kletterten. Das Schiff war über und über mit Schimmel bedeckt, der selbst nach dem Putzen und Desinfizieren immer wieder zurückkam. Als der Schimmel nach ein paar Tagen auch die Körper des Paares zu besiedeln begann, flüchteten sie mit einem Rettungsboot des Schiffes und erreichten eine Insel.
Diese Insel war allerdings nicht nur der Ursprung des Schimmels und anderer Pilze und Flechten; hierhin hatte sich auch die Originalbesatzung des verlassenen Schiffes hingeflüchtet. Auf einem Stück Strand, das als einziger Ort nicht vom Schimmel besiedelte wurde, ließ sich das Paar nieder und versuchte zu überleben (auch, indem es sich vom ständig wiederkehrenden Schimmebewuchs befreite). Eines Tages sieht der Mann, wie seine Frau einen der größeren Pilzfruchtkörper vor Hunger zu essen begann. Er warnt sie und beide schwören, diese Pilze nicht zu essen.
Bei der Suche nach anderer Nahrung entdeckte der Mann auf der Insel die Matrosen des Ghost Ships, die vollständig verschimmelt, von Pilzen überwuchter wahnsinnig geworden sind. Von einem dieser Matrosen wird der Mann angefallen; dabei bekommt er etws von der Pilzsubstand in seinen Mund und spürt die von seiner Frau beschriebenen Wirkungen sofort. Fortan suchen die beiden ihre Lebensmittel im Meer. Bei einem der Angel-Touren stößt der Mann auf den Fischfänger – und hier endet die Geschichte.
»The Voice in the Night« ist eine für das Alter ausßergewöhnlich drastisch geschilderte Geschichte. Pilze werden hier wieder als Krankheitserreger und feindliche Invasoren genutzt – ein Motiv, das sich bis in die Gegenwart von Science-Fiction- und Horror-Erzählungen durchzieht. Die Entmenschlichung, die die Befallen erfahren, ist körperlich und geistig. Die Pilze machen wahnsinnig – entweder durch Toxine oder durch die Invasion ihres Myzels in das Nervensystem. Übertragen werden die Pilze nicht nur durch Sporen, sondern auch durch die Berührung Infizierter. Zudem wirken sie beim Essen narkotisch und machen süchtig: Die Frau und auch der Mann beschreiben, dass sie nach dem Kosten der Pilze eine beinahe unstillbare Gier nach mehr davon verspürten – der Anblick der wahnsinnig gewordenen Matrosen deutete ihnen aber voraus, wohin diese Sucht führt.



