Saw II (USA 2005, D. L. Bousman) (PV Ufa Köln)
Die ursprüngliche Fassung des Drehbuches zu "Saw" wurde hier auf die Leinwand gebracht, bereichert um ein paar Anschluss-Szenen aus dem ersten Teil. Ein Sequel ist der Film nur insofern. Wieder einmal manövriert sich die Erzählung um zahlreiche Plottwists, die sich zum Ende hin in einen regelrechten Strudel verwandeln. Die Geschichte selbst ist dabei wenig originell und erinnert allzustark (noch mehr als Teil 1) an ein Computerspiel-Adventure. Wer keine Angst vor Spoilern hat, klicke auf
Witzig ist, dass sich alles um das Phänomen der Echtzeit-Medien dreht. Gestern erst noch bei Virilio im Begriff des "Teletopos" gelesen, heute schon im Kino gesehen. Die Echtzeitsuggestion, vermittelt durch Authentisierungseffekte (schlechtes Bild, fehlender Ton, aber vor allem: Computer-Monitore) fällt keinem der Polizisten als Fake auf. Das, was für die Ermittler anch einem "Spiel auf Zeit" (klassischer Thriller) aussieht, ist in Wirklichkeit ein "Spiel nach Zeit". Das Verbrechen ist längst passiert, als es auf den Monitoren stattfindet. Der Game-Master ist in Wirklichkeit ein Erzähler, ein Filmvorführer und ein Stichwortgeber, der mit "wörtlich zu nehmenden Metaphern" hantiert. Diese erkennt der Zuschauer von "Saw II" zwar als solche, nicht aber die Opfer. Die haben zu wenige Serienmörderfilme gesehen, um zu wissen, wie man einen modus operandi entschlüsselt.



