Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don’t Look Now, GB 1973, Nicholas Roeg) (DVD)
Die an Huldigung grenzende Faszination, die diesem Film entgegen gebracht wird, habe ich schon als Jugendlicher nicht verstanden. Vor allem scheine ich ein Problem mit Roegs Art zu erzählen zu haben: Auch hier geht ihm eigentlich jedes Feingefühl für Rhythmus verloren.
Die Geschichte von "Don’t Look Now" präsentiert sich mit unglaublichen, fast schon Godard’schen (:-D) Längen und einer Spannungskurve, die kaum wahrnehmbar ist. Sicherlich korrespondiert dies gut mit dem Sujet, das eine Traum-artige Struktur der Geschichte geradezu vorzuschreiben scheint, doch empfinde ich das eher als Belastungsprobe denn als gelungene Verdopplung.
Hochinteressant ist auch hier wieder der Umgang mit dem Phänomen "Zeit". Am Schluss bekommt man geradezu das Gefühl, der Film sei rückwärts abgelaufen, so sehr verdichten sich die Zeichen (auf die Roeg plumperweise immer wieder mit Rückblenden verweist, weil er er Erinnerung seiner Zuschauer wohl misstraut) zu Bedeutungsträgern. Die finale Pointe transportiert dann sogar fast so etwas wie "Horror" – der aber wiederum durch die Rückblenden desavouiert wird.
Fulminant ist die Sexszene, nicht nur wegen ihrer Montage, sondern auch, weil es schwer vorstellbar wäre, so etwas heute im Mainstream-Kino zu zeigen. An ihr sieht man auch, zu welchen Leistungen Roeg fähig ist, wenn er nicht so "verkopft" an die Geschichte heran geht: Die Szene soll kurz vor Ende der Dreharbeiten spontan von ihm eingefügt worden sein, weil das Paar ansonsten als zu platonisch daher gekommen wäre.



