Exkursion zur Archenhold-Sternwarte

Gestern um 21 Uhr fand die Exkursion meines Master-Seminars „Mikro/Makro-Medien“ zur Archenhold-Sternwarte im Treptower Park statt. Das Wetter wechselte den ganzen Tag von bewölkt, zu wolkenfrei und zurück (mit ein paar Regen- und Schneefällen), so dass ich wenig Hoffnung hatte, auch eine Beobachtung durchführen zu können. Erfreulicherweise riss die Wolkendecke aber am frühen Abend vollständig auf. Vom Leiter der Sternwarte erfuhr ich nach meiner Ankunft aber, dass das nur ein „Loch“ im Himmel über Berlin sei, das sich spätestens um 21:30 Uhr schließen würde und dass dann sogar Schneefall zu erwarten sei.

Insofern passte er die Führung an: Zunächst die Observation mit dem 500-mm-Spiegel auf drei Objekte. Es waren erfreulich viele (ca. 25) Studenten und einige Gäste dabei, so dass es einige Zeit dauerte, die drei ausgewählte Objekte jedem vor Augen zu führen. Zuerst ein Ausschnitt aus der Schattenübergangszone der Mondoberfläche, danach das Trapez im Orion-Nebel (wobei der Nebel selbst bereits kaum noch vom Hochnebel über Berlin zu unterscheiden war) und schließlich Jupiter mit drei seiner Monde. Danach beendete die Witterung die circa 1-stündige Observation.

Als zweites wurde uns der Refraktor vom Dach des Gebäudes aus vorgeführt. Er ist das längste Teleskop der Welt mit einer Brennweite von 21 Metern und einem Gewicht von über 90 Tonnen. Das Teleskop ist sogar noch in Gebrauch (es wird 14-täglich freitags vorgeführt). Da die Temperaturen auf dem Dach merklich sanken, wurde die zweite Hälfte der Erklärungen nach Innen zum vollständig beweglichen Modell des Refraktors verlegt.

Das Gebäude der Archenhold-Sternwarte enthält ein kleines Astronomie-Museum mit technischen Artefakten des Berliner Technikmuseums. Von Teleskopen über Messinstrumente, Sextanten, Modellen und Experimenten ist es ein beeindruckendes Museum. Das letzte Exponat, das uns gezeigt wurde, war der Meridiankreis: ein Messinstrument zur Sternpositionsbestimmung für Sternkataloge, das im 19. Jahrhundert gebaut und verwendet wurde.

Die Sternwarte dient nicht zu Forschungszwecken, sondern allein als Volkssternwarte, woran nicht zuletzt der lichtverseuchte Berliner Himmel schuld ist. Auch reichen die Brennweiten natürlich längst nicht mehr dazu, neue Erkenntnisse über die Objekte am Nachthimmel zu gewinnen. Einzig ein Radioteleskop wird dort für Sonnenlichtmessungen benutzt – und ist deshalb der Öffentlichkeit nicht zugänglich (sieht man von der Glastür zum Rechnerraum und dem auf dem Dach aufgestellten Spiegel ab).

IF

Das Gebäude der Sternwarte von vorn

IF

Hinter dem Gebäude stehen zwei kleine Observatorien mit Linsen- und Spiegelteleskopen. Auf dem Dach des Gebäudes befinden sich zwei weitere Observatorien

IF

Der 500-mm-Spiegel ist als Cassegrain-Teleskop realisiert. Aufgrund der Lichtverhältnisse (und weil ich die an die Dunkelheit gewöhnten Augen nicht strapazieren wollte) habe ich ohne Blitz fotografiert.

IF

Der Spiegel des Radioteleskops

IF

Der Mond verschwinet langsam hinter der Wolkendecke

IF

Der Riesen-Refraktor vom Dach aus gesehen

IF

… im Inneren noch einmal als Modell

IF

Der Meridiankreis, der vor 10 Jahren angeschafft und restauriert wurde

 

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
Dieser Beitrag wurde unter Technikgeschichte/RetroTopie, Uni abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.