»Phantome im Netz – Militär und Hacker im Kalten Krieg der Protokolle«

Am 12. Juli halte ich auf der Tagung „Medien Krieg Raum“ am Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Universität Erlangen-Nürnberg einen Vortrag mit dem Titel “Phantome im Netz – Militär und Hacker im Kalten Krieg der Protokolle”:

Der Kalte Krieg hat die Digitalcomputertechnologie nicht nur hervorgebracht und ihre Entwicklung maßgeblich beschleunigt; bei der Privatisierung dies Mediums Computer haben sich seine Episteme und damit natürlich auch die des Kalten Krieges tief(er) in das Bewusstsein seiner Nutzer eingeschrieben als je zuvor. Zu diesen Epistemen gehören die Protokolle der interaktiven Vernetzung von digitalen Kommunikationsmedien seit Mitte der 1970er-Jahre und zu den angesprochenen Nutzern von da ab und bis Ende der 1980er-Jahre vor allem männliche Jugendliche der NATO-Staaten: Hacker.

Mit Hackern waren zunächst Computer-alphabetisierte junge Männer gemeint, die die Sprachen der an ihren Universitäten installierten Maschinen ebenso fließend beherrschten wie sie deren elektronische Aufbauten bis ins Detail kannten. Zu Beginn der 1970er-Jahre und mit dem Aufkommen der Mikroprozessoren änderten sich jedoch nicht nur diese Maschinen in Hinblick auf ihre Erkennbarkeit, sondern im selben Zuge auch die Tätigkeiten der Hacker und Bedeutungsvarianten des Begriffs. Nach und nach wurde unter „Hacker“ ein jugendlicher Computernutzer verstanden, der in opake Strukturen „eindringt“ – vulgo: der in fremde Computer einbricht, Daten stiehlt, missbraucht oder manipuliert und dabei manchmal sogar landesverräterisch tätig wird – selten jenseits der selbst verordneten „Hacker-Ethik“ und zumeist einfach deshalb, „weil er es kann“.

Mein Vortrag möchte zum einen diese Parallelentwicklung von Vernetzungstechnologien, die sowohl für das Militär als auch für Hacker deutliche „Raumvorteile“ brachten, skizzieren, um dann exemplarisch Fälle jenes „Missbrauchs von Heeresgut“ (Kittler) durch Hacker aufzuzeigen. Im Zentrum steht dabei der Hacker Kevin Mitnick, der sich zwischen 1979 und 1988 hunderte Male in US-amerikanische Behördencomputer (Veteidigungsministerium, NSA, NORAD) einhackte – weil „er einfach neugierig war“ (zit. Mitnick). Dass und wie ihm dabei die technischen Strukturen und Protokolle der noch telefonischen Computervernetzung nicht nur halfen seine Neugier zu befriedigen, sondern sie ihn aufgrund ihrer technischen Archaik und deren epistemischer Verfasstheit schließlich überführten, soll die Ambivalenz jener Netztätigkeit „Hacking“ und das Verhältnis von use und miss-use der Waffenkategorien „Computer“ und „Kommunikationsnetz“ verdeutlichen.

Weitere Informationen bei Facebook oder auf der Homepage: http://www.theater-medien.de/tagung-medien-krieg-raum/

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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