Meine Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013

Im Sommersemester werde ich drei reguläre Lehrveranstaltungen anbieten:

  1. Seminar (für BA MeWi, Modul III und MuMe, Modul X): Strings – Symbolmanipulation mit dem Computer
  2. Seminar (für MA MeWi Modul I): Die Verkabelung der Sprache. Geschichte und Theorie der medialen Sprach- und Textverarbeitung
  3. Ringvorlesung (für MA Mewi Modul I): SHIFT – RESTORE – ESC. Die Aufhebung des Retro-Computings in der Medienarchäologie

Interessierte Studenten anderer Studiengänge sind zur Teilnahme herzlich eingeladen. Das Master-Seminar ist wieder für den Scheinerwerb für Kulturwissenschaft-Master-Studenten geöffnet.

Details zu den Veranstaltungen:

Strings: Symbolmanipulation mit dem Computer
(BA MeWi Modul III, BA MuMe Modul X)

Mittwochs, 10:00-12:00 Uhr (Signallabor, Raum 2.26)

Der Computer dient heute zuvorderst als Kommunikationsmedium. Dass er diese Funktion bekommen konnte, liegt an seiner Grundeigenschaft, Symbole auf Basis von Algorithmen zu manipulieren – vulgo: Texte zu „verarbeiten“. Im Seminar wollen wir dieser Eigenschaft auf den Grund gehen und sowohl einen Blick in die Mediengeschichte der apparativen Symbolverarbeitung werfen als auch mit Hilfe eigener Programmierungen Zeichenkettenmanipulation vornehmen. Anhand von rudimentärer „Textverarbeitung“, Zeichenkettenmanipulation und schließlich der Programmierung eines Parsers (eines Programms, das Texte „versteht“) wollen wir bis zum Ende des Semesters Joseph Weizenbaums 1966 veröffentlichtes Programm ELIZA selbst programmieren, in welchem die Textkommunikation zwischen User und Computer als psychotherapeutisches Gespräch simuliert wird. Dabei werden wir die erworbenen Praktiken der Zeichenkettenmanipulation und die Theorien zur künstlichen Intelligenz zur Anwendung bringen. Vorkenntnisse in der Programmierung von Computern und Linguistik werden nicht vorausgesetzt, sondern in der Lehrveranstaltung vermittelt. Computer werden hierzu vom Fachgebiet gestellt.

 Teilnahmeanforderung: aktive Mitarbeit und Übernahme eines Referates; MAP-Bedingung: zusätzlich die Anfertigung einer Hausarbeit. Die Arbeitsmaterialien werden in einem Moodle-Kurs bereitgestellt.

 Literatur:

  • Till A. Heilmann: Textverarbeitung: Eine Mediengeschichte des Computers als Schreibmaschine. Bielefeld: transcript 2012.
  • Rudolf Busch: Die perfekte Behandlung von Zeichenketten. Eine Software- Sammlung in BASIC. München: Franzis‘ 1988.
  • Joseph Weizenbaum: ELIZA – A Computer Program For The Study of Natural Language Communication Between Man And Machine. In: Communications of ACM, Vol. 9, No. 1, Januar 1966, S. 36-45. – http://www.cse.buffalo.edu/~rapaport/572/S02/weizenbaum.eliza.1966.pdf

Die Verkabelung der Sprache. Geschichte und Theorie der medialen Text- und Sprachverarbeitung
(MA MeWi, Modul I)

Donnerstags, 10:00-12:00 Uhr (Signallabor, Raum 2.26)

Der American Standard Code for Information Interchange (ASCII) feiert am 17. Juni dieses Jahres seinen 50. Geburtstag. Ein willkommener Anlass sich einmal mit der Geschichte und Theorie der Sprachfernübertragung und -verarbeitung mithilfe elektronischer Medien zu beschäftigen. Von der Telegrafie über Telefon, Fax, BTX und Telex bis hin zur computerisierten Textverarbeitung und -übertragung werden im Seminar die Besonderheiten und Ähnlichkeiten der „Verkabelung der Sprache“ (Rüdiger Weingarten) diskutiert. Zur Untersuchung und Beschreibung werden dabei Apparate aus dem Medienarchäologischen Fundus heran gezogen. Neben der Erarbeitung von Zusammenhängen verschiedener Techniken und Technologien soll das Hauptaugenmerk auf der Fehleranfälligkeit im Symbol-Signal-Symbol-Übergang und dem Spannungsverhältnis zwischen natürlichen und formalen Sprachen sowie deren Lösungsansätzen liegen. Das Interesse an detaillierter technischer Auseinandersetzung mit signalverarbeitenden Medien sollte vorhanden sein.

Teilnahmeanforderung ist neben der aktiven Teilnahme die Übernahme eines Referates oder einer Sitzungsmoderation. Für eine MAP muss darüber hinaus eine Hausarbeit angefertigt werden. Die Arbeitsmaterialien werden in einem Moodle-Kurs bereitgestellt.

Literatur:

  • Till A. Heilmann: Textverarbeitung: Eine Mediengeschichte des Computers als Schreibmaschine. Bielefeld: transcript 2012.
  • Rüdiger Weingarten: Die Verkabelung der Sprache. Frankfurt am Main: Fischer 1993.
  • Peter Fey: Kommunizierende Automaten: Die Dynamisierung der Schrift als medienhistorische Zäsur. Bielefeld: transcript 2009.
  • Klaus Brepohl: Telematik. Die Grundlage der Zukunft. Köln: Bastei-Lübbe 1983.
  • W. Kaiser: Elektronische Textkommunikation. Berlin/Heidelberg/New York: Springer 1978.
  • Peter Weibel, Edith Decker, Deutsches Postmuseum (Hgg.): Vom Verschwinden Der Ferne: Telekommunikation Und Kunst. Köln: DuMont 1990.

Ringvorlesung: SHIFT – RESTORE – ESC. Die Aufhebung des Retrocomputings in der Medienarchäologie
(MA MeWi, Modul I)

Dienstags, 18:00-20:00 Uhr (Medientheater, Raum 0.01)

 Erst mit der Erfindung des Mikroprozessors im Jahre 1971 konnte der Computer „privatisiert“ und damit zu einem Massenmedium werden. Seine ersten beiden Jahrzehnte in Privathand waren allerdings nicht von der Verwendung als Kommunikationsmedium, sondern vor allem durch seinen spielerischen und programmiererischen Gebrauch bestimmt. Damit einher ging eine Vielzahl von Plattformen, Betriebssystemen und Programmiersprachen/-dialekten, woraus sich erst nach und nach jene Systeme entwickelten, die heute als Standards die Computernutzung dominieren. Angesichts dieser auch schon gar nicht mehr so neuen „Uniformiertheit“ einer mehr und mehr unter den GUIs im Verborgenen operierenden Computerwelt hat sich ein dezidiertes Interesse an der (Wieder-)Beschäftigung mit den Anfängen des Mikrocomputers etabliert, welches im so genannten „Retro-Computing“ sein gleichsam nostalgisches wie künstlerisch-kreatives Kondensat gefunden hat.

Blickt man allerdings genauer hinter die Kulissen der daraus entstandenen Retroszenen, so entdeckt man viel Neues im und am Alten, da der bloßen Technikmusealisierung entgegensteht: noch bis vor kurzem unbekannte Funktionen längst als veraltet geltender Chips, neue Programme, Betriebssysteme und Peripherie, die die Computer der 8- und 16-Bit-Generation z.B. internetfähig machen und Emulationssysteme, in denen jene einfachen Systeme per Soft- oder Hardware in neuen Computern und günstigen Microcontrollern nachgebildet werden. Hier eröffnet sich ein interessantes und vielseitiges medienarchäologisches Forschungsfeld, das gerade aus solchen Diskontinuitäten und missbräuchlichen Verwendungsweisen epistemologisches Wissen über das so genannte „Computerzeitalter“ und seine verborgenen Bedingungen zu bergen weiß.

In 12 Vorträgen, einer musikalischen Lecture-Performance und einer Podiumsdiskussion soll diesem Wissen nachgespürt werden: Es kommen Programmierer und „Bastler“ zu Wort und schreiten zur Tat; es werden wissens- und diskursgeschichtliche Anschlüsse der Medientheorie an die historische Informatik jüngerer Vergangenheit vorgestellt und dabei eine – im Hegel-Haus und Helgel‘schen Sinne verstandene – Aufhebung des „Retro-Computings“ in die Medienarchäologie vollzogen, die die alten Plattformen als „neue Forschungsobjekte“ in den Fokus der Medienwissenschaft rückt.

(Am 21. und 22.09.2012 findet im Atrium der Georgenstraße 47 die „Classic Computing 2013“ statt, auf welcher zahlreiche alte Computersysteme funktionsfähig ausgestellt sind.)

Timeline:

  1. 09.04.2013 – Dr. Stefan Höltgen, Prof. Dr. Wolfgang Ernst: SHIFT – RESTORE – ESC: Die Aufhebung des Retrocomputings in der Medienarchäologie
  2. 16.04.2013 – Sebastian Felzmann, M.A.: Mediennostalgie – Designnostalgie und Userreaktionen
  3. 23.04.2013 – Nikita Braguinski, M.A.: Ästhetisches Rauschen. Die Werteökonomie der Computerklänge
  4. 30.04.2013 – Pater Maria: Irrlicht Project – Chiptunes mit 8-Bit-Hardware (Lecture Performance)
  5. 07.05.2013 – Jörn Mika: SymbOS – Ein Multitasking-Betriebssystem für Z80-basierte Computer
  6. 14.05.2013 – Michael Steil: Rasterstrahl-Hacken: Grafik mit dem Commodore 64
  7. 21.05.2013 – Dr. André Fachat: Entwicklung des Commodore-64-Emulators „VICE“
  8. 28.05.2013 – Volker Mohr: Aus Neu mach Alt: RISC OS auf Beagleboard und Rasperry Pi
  9. 04.06.2013 – Constantin Gillies: Lesung aus „Extraleben 3: Endboss“
  10. 11.06.2013 – Berthold Fritz: Vom Wiedereinstieg in die 8-Bit-Welt: Die Programmierung eines Spiels für Atari-Computer
  11. 18.06.2013 – Prof. Dr. Horst Völz: Beispiele für die Softwareentwicklung zum KC 85
  12. 25.06.2013 – Prof. Dr. Claus Pias: 8-bit als Theorie-Epoche. Vom Nachleben des Homecomputing
  13. 02.07.2013 – Prof. Dr. Bernd Ulmann: Z80-Einplatinenrechner im Eigenbau
  14. 09.07.2013 – Andreas Paul, Enno Coners, Andreas Lange (Podiumsdiskussion): Hardwhere? Softwhere? Archivierung zwischen Musealiserung, Diskursivierung und Operativ(er)haltung

Weitere Informationen:

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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