»Porno war gestern«

Die Überschrift des Artikels im heutigen Tagesspiegel, für den ich als Experte interviewt wurde, ist durchaus passend für mich (bzw. meine Nichtmehrbeschäftigung mit Porno). Zwar mag ich nicht unbedingt als Medienwirkungsforscher dargestellt werden; doch wenn es um die Zusammenhänge von Ästhetik und Diskursivität geht, kann ich da schon mal ein Auge zudrücken:

Der Chef-Juror allein kann’s nicht sein: „Das Supertalent“, inzwischen in der fünften Staffel, erzielt bei RTL immer neue Rekordquoten. Was aber macht die Show so enorm populär?

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Über Stefan Höltgen

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3 Kommentare zu »Porno war gestern«

  1. Hm, genau das Problem der Scheinwelt, die sich auf einen gewissen Anteil der Zuschauer glaubwürdig als Realität ausgibt ist, vielleicht noch eher weniger beim Super-Talent, doch das wirklich gefährliche an dieser Programmsparte. Zum Affen haben sich die Deutschen auch schon bei Frankenfeld & Co. gemacht, das ist jetzt keine RTL-Krankheit. Wen sollte es stören, wenn einem offenbar interessierten Publikum das Zahlen von Rechnungen, die Erziehung von Kindern und die Hygiene in der Wohnung beigebracht werden? Es ist die Vermittlung von fragwürdigen Werten die gerade in Sendungen wie Das Model und der Freak zum Tragen kommen, die zeigen, wie man diese Vermischung mit der Realität instrumentalisieren kann. Leider will man im Artikel den kritischen Blick nicht erweitern. Oder wurdest du gefragt?

  2. „Wen sollte es stören, wenn einem offenbar interessierten Publikum das Zahlen von Rechnungen, die Erziehung von Kindern und die Hygiene in der Wohnung beigebracht werden?“

    Vielleicht bin ich da zu sehr Kantianer, aber ich finde es schon störend, wenn das (scheinbar) Richtige mit den falschen Motiven gemacht wird: Es geht nämlich eigentlich ums Geldverdienen des Senders und nicht darum, eine pädagogische Aufgabe zu erfüllen – diese ist dabei nur ein side effect. Das macht es meines Erachtens dann auch nicht besser als „Das Supermodel“ oder ähnliche Sendungen.

    Von Realität würde ich in dem Zusammenhang ohnehin ungern sprechen; es ist eine von zahlreichen möglichen Medienwirklichkeiten, die da aufgebaut wird. Ob die eine Entsprechung zu einer der zahlreichen außermedialen Wirklichkeiten besitzt, wäre noch zu hinterfragen.

    Oder habe ich deine Frage falsch verstanden?

  3. Beim Fernsehen geht es immer um Quote und auch um Geld. Wenn ein Nischenformat beim Öffentlichrechtlichen nicht funktioniert, wird es auch gestrichen, oder? Für mich stellt sich daher fatalistisch dem Massenvotum des Zuschauers ergeben nur die ethische Frage. Sicher kann die Antwort dabei nur subjektiv ausfallen. Ich finde einfach, daß es das kleinere Übel des Formates ist, pädagogisches Wirken in eine Richtung zu beinhalten, die ich vertreten kann. Dabei schlägt eine solide Lebensweise oberflächliche Hirngespinste um Längen.

    Ich will es einmal drastisch formulieren, da ja von den Sendern bewußt versäumt wird, die Gestaltung dieser Sendeformate klar offenzulegen und damit eine eindeutige Abgrenzung zwischen Realität und Inszenierung zu ermöglichen: Natürlich ist genau dieses Ratespiel für aufgeklärte Schaulustige spannend. Ist diese Geschichte so verrückt, daß sie einfach nur das Leben schreiben kann, oder war hier ein Autor am Werk? Aber was ist dann mit den unaufgeklärten Zuschauern? Ist es nicht schon nahezu ein verschwörerisches Verbrechen an diesen Menschen heikle Suggestionen anzuwenden?

    Ich bin natürlich nicht für eine Zensur, sondern für eben diese notwendige Aufklärung. Deshalb hätte es mich gefreut, hätte der Artikel noch ein Stück mehr dieser Aufgabe erfüllt. Meine Kernfrage war daher zum Abschluß verschlüsselt, ob man dich überhaupt danach gefragt habe.

    Und um den Bogen zurück auf das Model und der Freak zu bekommen: Ich wünsche mir vor allem in einer Welt zu leben, in der es ok ist, kritische Ansichten zu formulieren, in der man sich nicht einem einheitlichen Kleidungsstil unterwerfen muß und in der kurzfristiges Selbstbewußtsein nicht durch überteuerte Starfriseure generiert wird. Gerade hier aber kommen wir vom Zirkuszelt in die Freak-Show, in der Sonderlinge für einen Tag in die Verkleidung einer oberflächlichen Gesellschaft gesteckt werden. Da geht es dann zurück zur Exploitation und damit nicht wirklich weit vom Begriff Porno entfernt.

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