»Da steht ein Alien in der Kochnische und macht Bagles und Kaffee!«

Paul – Ein Alien auf der Flucht (Paul, USA 2011, Greg Molotta) (PV Cinemaxx)

Ob das nun wirklich etwas für kleine Kinder ist, wage ich zu bezweifeln; zumindest ist es aber etwas für ganz große Kinder, jene, die sich allgelegentlich auf SF-Conventions herumtreiben, bei Cosplays in den Verkleidungen ihrer Lieblingshelden auftreten und eine Urlaubsreise durch die USA unternehmen, die sie zu den Wegmarken verschwörungstheoretischer Urban Legends führt (Area 51, …) Zwei dieser so genannten „Nerds“ aus Großbritannien unternehmen genau solch eine Reise und gabeln dabei das Alien Paul auf, das vor Wissenschaftlern flieht, die ihm an die Gene wollen, und zurück zu seinen Mit-Aliens will. Paul auf den Fersen ist natürlich ein Geheimdienst und auf dem Weg zum „Fluchtpunkt“ begegnen der gemischten Reisegruppe allerlei Skurrilitäten und skurrile Typen. Darunter eine bibeltreue Darwin-Verächterin, zwei gewaltbereite Rednecks und eine ältliche Dame, die Paul entdeckt hatte, als sie noch ein Kind war und der danach ihr Leben lang niemand glauben wollte.

„Paul – Ein Alien auf der Flucht“ bedient die kleine Sparte selbstreflexiver SF-Kultur, wie sie im Kino zuletzt in Jared Hess‘ wundervollem „Gentlemen Broncos“ und vor gut zehn Jahren in der Persiflage „Galaxy Quest“ schon aspektiert wurden: wohlgesonnene Komödien, die die merkwürdige SF-Fankultur auf die Schippe nehmen und dabei aus dem reichhaltigen Schatz ebenjener Kultur zitieren. In „Galaxy Quest“ verkörperte ein solches Zitat die „Alien“-Schauspielerin Segourney Weaver – und die ist jetzt auch in „Paul“ wieder zu bewundern. Daneben gibt es gelungene Situationskomik, witzige Dialoge (wenn in der deutschen Fassung auch etwas arg bemüht „cool“, was nicht zuletzt an der Synchronleistung des Paul-Sprechers Bela B. liegt) und einen nicht unspannenden Road-Movie-Plot. Wie eingangs gesagt: Die Zotigkeit wirkt der ansonsten doch recht deutlich geplanten Kinderfilm-Affinität etwas entgegen, ist allerdings auch nicht aus der Luft gegriffen (immerhin nimmt sich die bis zur Begegnung mit Paul lammfromme Kreationistin vor, von nun ab das ganze Leben und Lieben auszukosten, wozu auch Fluchen gehört). Wahrscheinlich werden sich aber wohl nur wenige Eltern freuen, wenn ihre Kinder mit dem Kompositum „Scheiß-Sach-Piss-Titten-Mist“ als neu gelerntem Fluch nach Hause kommen.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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