»A human robot!«

The Robot vs. the Aztec Mummy (La momia azteca contra el robot humano, Mexiko 1958, Rafael Portillo) (DVD)

robotic human & human robot

… ist der erste qualitative Einbruch in meiner kleinen Retrospektive. Etwas länger als eine Stunde erzählt der Film die Geschichte eines gierigen Archäologen, der einer aztekischen Mumie den Schmuck klaut, woraufhin diese zum Leben erwacht und sich ihr Eigentum unter Gewaltanwendung zurückholt. Ein anderer Archäologe, der zufällig mit der Reinkarnation der Frau der Mumie bekannt ist, versucht das Schlimmste zu verhindern, doch der Mad Scientist hat bereits zum finalen Schlag ausgeholt: Eines der Opfer der Mumie baut er zum Teil zu einem unbesiegbaren Roboter um, mit dessen Hilfe er die Mumie noch einmal bestehlen und dann vernichten will. Der Zweikampf geht allerdings zugunsten der Mumie aus.

Ringkampf: Mumie vs. Roboter

Der Roboter taucht erst in der letzten viertel Stunde des Filmes auf und stellt eine der billigsten Kostümleistungen überhaupt dar. Ein paar blank polierte Ofenrohre, ein Blechkanister und eine Käseglocke mit Lampen als Helm. Hinter dessen Visier sieht man den Kopf des „umgearbeiteten“ Mannes, womit die Narration den Spezialeffekten natürlich ganz schön aus der Patsche hilft, denn es ist ja immer irgend ein Mensch im Roboter(-Kostüm). Sogar Gog und Magog wurden von zwei Kleinwüchsigen „gesteuert“. Damit entbirgt sich in „The Robot vs. the Aztec Mummy“ natürlich auch ein nicht unwichtiges Prinzip robotischer Vision: Der Roboter (und das verrät der Originaltitel mehr noch als der englische Verleihtitel) hat immer einen humanen Kern. Mal zeigt er sich in den „basic directives“ (The Invisible Boy), mal in der anthropomorphen Gestalt und mal wird er regelrecht freigelegt – wie im vorliegenden Fall (und später in „RoboCop“ und anderen Filmen wiederholt). Ob Portillos Film damit das Roboter-Motiv der 50er-Jahre-Science-Fiction dekostruiert, lasse ich mal dahingestellt.

Mumie und Roboter im Clinch

Der „inhumane Kern“ der Erzählung ist allerdings auf den Menschen verlagert – und zwar in die Person des verrückten Wissenschaftlers, der in Mimik, Gestik und Haltung regelrechte Stummfilm-Qualität an den Tag legt. Seinen „human robot“ feiert er vor den gefangen genommenen Gegnern als „a tribute to the intelligence of man“ und beschreibt dessen Fähigkeiten, indem er (wieder einmal) die atomare Bedrohung herbei zitiert, die er durch simples Betätigen eines Auslösers auf seiner Fernbedienung entfesseln könne:

„With the slightest twist of this dialer you two have been converted into atomic dust instantaneously. Because the robot utilizes radium and has sufficient power to desintegrate anything in the world.“

Er träumt (natürlich) Großmachtträume: Mit dem Geld der verkauften Mumienhabseligkeiten will er eine ganze Roboter-Armee bauen und die Welt unterjochen – womit der Roboter einmal mehr das Sinnbild der atomaren Abschrekcung wäre. Dass er dann allerdings von der Mumie im Ringkampf besiegt wird, erscheint angesichts ihres „verstrahlten Äußeren“ nur konsequent.

Mumie vs. Roboter - 1:0

Ach, eigentlich ist der Film doch gar nicht so schlecht. 😀

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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