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Gort/G.O.R.T.

Der Tag, an dem die Erde stillstand (The Day the Earth stood still, USA 1951, Robert Wise) (DVD)
Der Tag, an dem die Erde stillstand (The Day the Earth stood still, USA 2008, Scott Derricson) (DVD)

Diese beiden überaus faszinierenden Science-Fiction-Filme auf ihre Roboter-Darstellung zu reduzieren, ist natürlich schon beinahe eine Sünde – zumal die antrhopomorphen Maschinen hier nur eine – wenngleich auch bedeutende – Nebenrolle spielen.

Gort / G.O.R.T.

In Robert Wises Film ist der Roboter Gort gleichzeitig Beschützer des außerirdischen Botschafters Klaatu und Vertreter einer Art Weltraum-Polizei, die darüber wacht, dass von keinem Planeten eine kriegerische Gefahr ausgeht, die auf andere Systeme übergreifen könnte. Anfang der 1950er Jahre mehren sich die Zeichen aber gerade dafür, denn die Menschheit hat in den 1940ern nicht nur äußerst potente Waffen entwickelt, sondern auch eine Möglichkeit, diese über weite Strecken zu transportieren: Raketen. Die Kombination von Atomwaffe und Raketentechnologie wirkt „nach außen“ daher als Bedrohung. „The Day the Earth stood still“ beschreibt, wie sich der Kalte Krieg langsam von der Erde in die Atmosphäre verlagert – markanterweise ein Jahr bevor die US-Streitkräfte den ersten Test des SAGE-Systems vornehmen, bei dem mithilfe von Computern der Luftraum überwacht wird, um sich nähernde feindliche Flieger zu identifizieren.

Gort steigt aus

Gort ist selbst atombetrieben, wie im Film gesagt wird, er ist unangreifbar und aktiviert sich automatisch, sobald er einer Aggression ausgesetzt ist. Er verfügt neben Laserstrahlen über eine Art selektiver EMP-Waffe, mit der er Maschinen stilllegen kann (auch dieser Effekt ist aus Atombombentests wohl bekannt). Dass er dabei jedoch bei einer „demonstration of force“ selektiv bestimmte Maschinen weiterlaufen lässt (Flugzeuge, in Hospitälern, …), um keinen Schaden anzurichten, scheint in Hinblick auf seine Symbol-Funktion weniger eine Beruhigung als die Konkretisation jenes Traums von der begrenzten Kriegsführung, der auch im Kalten Krieg geträumt wurde (etwa mit taktischen Neutronen-Kernwaffen).

G.O.R.T. steigt aus

Im Remake ist G.O.R.T. wesentlich aktiver: Seine Funktion als Beschützer Klaatus wird nicht explizit erklärt, allerdings aus seinem Handeln deutlich. Ebenso seine Rolle als „Friedensstifter“ – ebenfalls „activated by the presence of violence“. Hier ist es jedoch nicht mehr die Bedrohung eines Atomkrieges, welche die Aliens auf den Plan ruft, sondern die Umweltzerstörung: Die Erde soll als eines der seltenen Biotope erhalten bleiben – dazu müssen die Menschen von ihr verschwinden. G.O.R.T., der von den Militärs mit diesem Akronym für „genetically organized robotic technology“ getauft wird, ist in seiner Beschaffenheit bis kurz vor Ende des Films mysteriös. Auf die Frage, ob es eine Maschine oder ein Lebewesen sei, antwortet ein Militär: „It’s both or neither … It seems to be some sort of silicone hydrate.“

G.O.R.T. löst sich in Nano-Roboter auf / Nano-Roboter

Damit ist er seinem Verwandten „Johnny“ aus „Devil Girl from Mars“ ähnlicher als dem Gort aus Wises Film (welcher wiederum in vielen Details die überdeutliche Vorlage für David MacDonalds Film dargestellt haben dürfte). Worin die Indifferenz aus Maschine und Lebewesen besteht, zeigt sich auf der Mikroebene: G.O.R.T. ist eine Kolonie aus mikroskopisch kleinen Insekten (oder Nano-Robotern), die sich später im Schwarm über die Erde verbreiten und alles pulverisieren, was in ihnem Weg ist. G.O.R.T. ist damit sozusagen eine aktualisierte Bedrohungsverkörperung: Eine Seuche, ein Schwarm mit insektenähnlichem Verhalten, ausgestattet mit Schwarm-Intelligenz und der Fähigkeit sich zu jeder beliebigen Form zu „formieren“ (eine von „Princes of Darkness“ bis „Mimic“ überaus beunruhigende Horror-Vision).

G.O.R.T. bedient sich der menschlichen Waffen

Dass auch G.O.R.T. über eine Art EMP-Waffe verfügt, zeigt, dass eine Bedrohungslage 60 Jahre lang stabil geblieben ist: Die Angst vor dem Versagen der Technik, das Wissen um ihre Empfindlichkeit und dass in den Kriegen neben dem Menschen die Technik immer mehr zum primären Angriffsziel wird, sobald sie „waffentauglich“ ist. (Es ließe sich wohl eine lange Geschichte der Waffentechnik und ihrer technischen Antagonisten zeichnen.) Letztlich besteht die Rettung der Menschheit im Remake ja genau darin, dass sie dann durch einen weltweiten EMP in die „Steinzeit zurück gestrahlt“ wird um ein ökologischeres Leben zu leben. Sie wird technologisch entwaffnet.

Robot Visions 1951

Die Art, wie das Remake die Symbolhaftigkeit des Roboters aus seiner Vorlage aufnimmt und in eine zeitgemäße Bedrohung transformiert, ist ebenso großartig wie die Aktualisierung des Stoffes überhaupt. Was sich bislang abzuzeichnen scheint, ist, dass die Roboter in der „prä-robotischen“ Phase (bis 1961 „UNIMATE“ in Produktion ging) der 50er-Jahre-Science-Fiction durchaus motivische Verlängerungen bis in die Gegenwart besitzen. Umso gespannter bin ich schon darauf, wie „Automations“ sich des Motivs annehmen wird!

3 Comments

  1. Habe gerade die Neuverfilmung gesehen, jetzt werde ich mal schauen, wo ich das Original zum Vergleich herbekomme.
    Und er wollte doch nur reden!

  2. Michael Haul sagt:

    So unterschiedlich können die Geschmäcker sein. Ich halte das Remake für eine unerträgliche, hirnlos actiongeile Verballhornung des Originals, die nur auf coole Effekte aus ist und obendrein mit äußerst schwachen Darstellungen von Keanu Reeves und dem leider unvermeidlichen Will-Smith-Sohn Jaden „glänzt“. Ob die fade Öko-Botschaft des Remakes eine „großartige Aktualisierung des Stoffes“ ist? Naja . . .

    Aber wie gesagt: Alles Geschmackssache.

  3. Klingt nach einem Zitat aus einer Filmdienst-Kritik der 1970er-Jahre. 😉

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