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April 21st, 2009:

filmdienst 9/2009

Heute ist mein Artikel über die Destruktion des Privaten im Thriller- und Horrorkino im aktuellen Heft der Zeitschrift filmdienst erschienen. Das Heft kommt morgen in Umlauf – mein Text ist aber auch auf der Internetseite zu finden.

Doppel-WOPR

WarGames – Kriegsspiele (WarGames, USA 1983, John Badham) (DVD)

Die Mutter aller “Spiel-Filme” habe ich in meiner Reihe natürlich nicht vergessen und das schlechte Gewissen, den Film nun schon einige Jahre nicht mehr gesehen zu haben, ihn im Essay aber dennoch als “Filetstück” zu behandeln, hat ihn mich gestern noch mal reinlegen lassen.

Erfreulich, dass ich mich an das meiste erinnern konnte. Im Zusammenhang mit den anderen Filmen zeigen sich jedoch auch hier narrative Querverbindungen, die für den 80er-Jahre-Computer-Film offenbar unerlässlich waren. Hier wären vor allem wieder alle Darstellungen von Jugend und Videospiel zu nennen. (Alex in “WarGames” übergibt in einer Sequenz das laufende Videospiel – “Galaga” – an seinen kleinen Bruder, weil er weg muss – eine sehr ähnliche Szene findet sich auch in “Starfight”). Aber auch Fragen von Realität und Virtualität.

Vor allem aber die Polyvalenz des Spiel-Begriffs kommt hier diesbezüglich in “WarGames” zur vollen Blüte. Vom “Shall we play a game?” der quakenden Voicebox des IMSAI bis hin zur entsetzten Feststellung des Generals: “Sombody’s playing a game with us”, als die Raketen-“Blips”(?) plötzlich wieder von den Monitoren verschwinden. Dass der Krieg für die Maschine ein Spiel ist, betont einer der Wissenschaftler gleich zu beginn, als er gefragt wird, was W.O.P.R. denn so eigentlich hinter seinen blinkenden Lämpchen ausbaldowere: “The W.O.P.R. has already played World War Three as a game.” Und zum Schluss entblättern sich die Bedeutungen in einer einzigen, als der Computer die Raketen-Zündung unterbricht, um Tic-Tac-Toe gegen sich selbst zu spielen. Das kann er, wenn man die Spielerzahl “0” eingibt!

Ein Spiel gegen sich selbst spielen – das kann wohl nur ein Computer perfekt, weil er sich nicht selbst betrügen kann. Betrug wäre (nicht nur?) in diesem Zusammenhang eine vorsätzlich herbeigeführte Differenz zwischen dem Realen und dem Virtuellen:

Alex: “Is this a game or is it real?”
W.O.P.R.: “What is the difference?”
Alex: “Oh, wow!”

“Shall we play a Game?”

links (oben)

Weil am kommenden Sonntag “gewählt” wird und auch SpOn das Thema heute noch mal aufs Tapet bringt: Seit ein paar Tagen findet sich hier oben links im Blog ein Banner der Initiative “Bündnis Pro Ethik” (mit einem Link dahinter, der zu der Argumentation des Berliner Senats führt, die sich gegen das Ansinnen der Initiative “Pro Religion” ausspricht). Es ist ja eher selten, dass ich mich hier politisch äußere, aber angesichts dieses infamen Angriffs auf die Ethik als Schulfach (der verdeckt ja bloß ein Angriff auf den Atheismus ist) mit überaus fragwürdiger Rhetorik und vorgetragen von seltsam unbeteiligten Fürsprechern, habe ich mir das mal erlaubt.

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