Die Welt ist alles, was der Phallus ist.

Schwanz der Vampire (BRD o. J., N. N.) (VHS)

Wie man an der Filmografie und an der Bewertung des von mir verlinkten Textes bereits sieht: Der Zeichentrick-Pornofilm führt ein verkanntes Dasein – selbst innerhalb der Pornografie. Nichts desto trotz existiert er und hat vielfältige Blüten getrieben. bereits an den Titeln lässt sich ersehen, dass es die Macher vor allem auf Märchenstoffe abgesehen haben. Insofern waren Monster-Geschichten auch nicht schwer auszumachen. The story so far:

Drei Hexen haben es sich zur Aufgabe gemacht, mehr Liebe in die Welt zu bringen. Das bedeutet vor allem, dass sie Haushalte, in denen „es“ nicht mehr so läuft, wie es sollte, mit neuer Inspirationen versorgen. Ein besonders hartnäckiger Fall ist der jenes Mannes, der nur Fußball und Bier im Kopf hat und seine Frau, anstatt sie zu vernaschen, ständig in die Küche jagt, um Nachschub zu holen. Irgendwann ist er so bedröhnt, dass er in ihr einen wandelnden Kühlschrank sieht, mit fußballförmigen und -farbigen Brüsten. Da schaltet sich eine der besagten Hexen ein und sein Fernsehprogramm ab, um ihn mit dem Film „Schwanz der Vampire“ auf andere Gedanken zu bringen.

Dieser Film im Film handelt davon, dass während einer Schlossführung im alten Gemäuer derer zu Beißensteins eine Teilneherin die Reisegruppe verlässt und sich auf dem Sarg von Leopold dem Bissigen niederlässt und dort einschläft. Bald darauf erscheint der Ahnherr und verfolgt den Geist der schlafenden kreuz und quer durch das Schloss. Die Verfolgungsjagd dauert eine Weile und macht auch ein Gespensterpärchen auf das Treiben aufmerksam, dass ob des Krachs und Gestöhnes beschließt, das Schloss zu verlassen. Irgendwann erwischt Leopold die Frau dann und macht aus ihre eine Vampirin.

Nun ist sie selbst Herrin über das Schloss und verführt zunächst den Gärtner und zeigt ihm durch den Genre-typischen Biss in den Penis „wie auf Beißenstein das Ketchup auf die Hot Dogs kommt“. Während ihrer Herrschaft beginnt das gesamte Schloss, die Möbel, Bilder, Tiere, Angestellten, … sein Liebesleben zu entdecken und vögelt munter drauf los. Doch plötzlich ist das Treiben vorbei. Die Frau erwacht auf dem Grab Leopolds und stellt fest, dass alles nur ein Traum war. Ob indes der Biertrinker, dem der Film gezeigt wurde, sein Verhalten geändert hat, verrät der Film nicht.

In Zeichentrickpornos ist die Welt anthropomorphisierte Lust. Penisse müssen nicht erst gebissen werden, um ein Eigenleben zu entwickeln, sie haben es immer schon. Überhaupt ist alles von Lust beseelt und dadurch lebendig. Das Monströse ist nicht Folge, sondern die Ursache von allem. Die Zeichentrickpornos deutscher Provenienz führen ein Pornotopia in Reinkultur vor Augen: Wie wäre es, wenn es nur das Eine gäbe. In der absurden Verkürzung und Verballhornung vor allem von Märchenstoffen liegt vor allem eine Bergung des (oftmals sowieso nicht tief verborgenen) erotischen Subtextes. Dass der vampirische Biss und die Anziehungskraft Draculas vor allem auf Frauen direkt ins Zentrum der viktorianischen Lustfeindlichkeit zielen, ist kein Geheimnis.

Eine etwas modernisierte Version der Märchen-Pornografisierung liegt mit der „apokryphen“ zweiteiligen „Dirty Disney“-Kompilation vor. Hier werden ohne erzählerischen Zusammenhang bekannte Figuren der Disney-Zeichentrickfilme in erotische Situationen versetzt. Das gehorcht ebenso den Gesetzen des Ausformulierens wie die anderen Mächen-Zeichentrickpornos. Für meinen Zusammenhang habe ich einen etwa einminütigen Clip aus „Beauty and the Beast“ gefunden.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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