»Go forward and fuck the world!«

Ultra Flesh (USA 1980, Svetlana) (DVD)

OK, das ist nun wirklich der amüsanteste Pornofilm, den ich bislang gesehen habe. Zum Plot erstmal: Die Erde steckt in der Krise, denn alle Männer sind impotent geworden. Es bilden sich bereits Demonatrationen wütender Frauen mit „I’m horny!“-Transparenten, als dem Präsidenten der USA und der First Lady eine Einladung ins Weiße Haus flattert: Sie mögen dem seltsamen Mr. Sugarman einen Besuch abstatten, denn bei ihm gäbe es noch potente Kerle und er würde ihnen auch gern verraten, warum das so ist. Die beiden reisen also dort an, während sich ein wegen der Frauenproteste ständig den Tagungsort wechselnde Krisenstab trifft, um Alternativen und Gründe der Impotenz zu diskutieren (sind am Ende die Russen schuld?). Auf einer Party, auf der zuerst ein wenig Disco getanzt wird, gibt es dann mehrfache Oral- und Vaginal-Verkehr-Beweise für Sugarmans Angebot.

Schuld an der Impotenz hat allein Mr. Sugarman, denn der ist ein Alien vom Planeten Frion. Weil es dort langsam zu warm wird, hat er die Erde als neue Heimat auserkoren, muss sie aber zuerst von der Menschheit befreien. Daher die Unfruchtbarkeit. Den Menschen kommt jedoch ein intergalaktischer Rat zu Hilfe, dem das Treiben Sugarmans schon lange ein Eiszapfen im Auge ist. Man beschließt Ultra Flesh, eine mächtige Nymphomanin, auf die Erde zu schicken, um den Männern dort ihre Stehkraft zurückzugeben. Dann soll sie auch noch das Versteck Sugarmans ausfindig machen und ihn durch koitale Überhitzung zum Schmelzen bringen (Sugarman ist nämlich wärmeempfindlich und schläft deshalb im Kühlschrank). „Your power is in your pussy. So if you are ever in trouble you can melt him by coming.“, gibt ihr der Rat als guten Rat mit auf den Weg. Auf der Erde angekommen trifft Ultra Flash aber zuerst auf die Minister-Delegation und hilft diesen armen Männern wieder auf die „Sprünge“:

… und zwar durch einen aus ihrer Schoßgegend entspringenden Laserstrahl, der die Politiker sofort mit Erektionen versorgt. Die erste Reaktion: „We have to call a press conference and tell the world that we can fuck again!“. Ultra Flesh rät jedoch zur Planmäßigkeit und den Männern: „Go forward and fuck the world!“ (Als gute amerikanische Politiker fällt ihnen das leicht), während sie sich auf den Weg macht, das übrige männliche Amerika von der Impotenz zu erlösen – allerdings nicht durch Strahlen, sondern durch Beischlaf. Als sie merkt, dass sie allein wohl doch ein bisschen zu sehr beschäftigt sein wird, ordert sie vom kosmischen Rat noch ein paar „Fleshettes“, weibliche Gehilfinnen, die ihr bei dem Job helfen.

Natürlich trifft Ulta Flesh dann auch auf Sugarman und dieser schafft es auch tatsächlich, sie zu überrumpeln, gerade als sie ihre Liebesbatterien wieder aufladen will. Er und seine Gehilfen haben vor, der neuerlichen Potenzierung der Menschheit einen Riegel vorzuschieben und mit Hilfe eines überdimensionalen Kunstpenisses sämtliche Liebe erkalten zu lassen:

Das gelingt aber danke des beherzten Eingrifss der Fleshettes und Ultra Flashs Orgasmus-Schmelze nicht und am Ende wird alles gut, denn Gefühle sind nunmal größer als Individuen: „It’s bigger than both of us“, konstatiert eine der Flashettes.

„Ultra Flesh“ ist für mich zunächst einmal wegen der beiden Kleinwüchsigen Darsteller (Gehilfen Sugarmans) interessant. Die Darstellung des Zwergen-Sexes ist hier an bestimmte Ästhetiken der Verniedlichung und Karnevalisierung gebunden (vor allem durch die Musik, den Schnittrhythmus und die Entscheidung, etliche Szenen im Zeitraffer zu zeigen). Aber darüber hinaus ist der Film natürlich ein besonderer Leckerbissen innerhalb der Erzähl-Pornografie.

Vor allem das Thema der „Lust-Seuche“ im positiv verstandenen Sinne (Ultra Flesh soll mit ihrem Körper ja neue Lust unters Volk bringen) und die daraus resultierende Lust-Politik sind für einen Film aus den Iden des AIDS-Zeitalters interessant. Wenn man die Story nämlich ihres symbolischen Überbaus entkleidet, stellt sich die außerirdische Bedrohung schnell als etwas ganz anderes heraus: Ein Kampf von Lust gegen Puritanismus – nicht umsonst ist der Präsident der USA ein zentraler Protagonist des Films.

Darüber hinaus greift „Ultra Flesh“ auch Motive des postapokalyptischen Films auf, wird doch zuerst versucht, die „Krise“ als eine Kriegshandlung einer Supermacht gegenüber der anderen zu begreifen. Dass Mr. Sugarman die Insignien eines despotischen, militaristischen Herrschers trägt und mit schwerem osteuropäischen Akzent spricht, unterstreicht nur einmal mehr, dass sich hier ein Thema als ein ganz anderes verkleidet. Ganz am Ende wird sogar ein kleiner Reflex auf die somatische Wirkung von Pornografie geliefert: Ultra Flesh und ihre Fleshettes haben einen Weg gefunden, wie sie die Lust auch ohne „Einsatz am Mann“ wieder unters Volk bringen können. Durch das Fernsehen:

„Ultra Flesh“ ist also interessant und amüsant und hat zudem noch eine derartige Schar an Darstellern vorzuweisen, wie damals wohl kaum eine andere Porno-Produktion. Da darf natürlich einer nicht fehlen:

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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