»Jennifer Convertibles«

A Gun for Jennifer (USA 1996, Todd Morris) (DVD)

… läuft dieses Jahr wohl auf dem PORNfilmfestival in Berlin und dort wohl in der Rubrik „Filme aus weiblicher Sicht“ – obwohl der Film ja von einem Mann gedreht wurde. Und das merkt man ihm an.

Zwar thematisiert er Gewalt gegen Frauen und ein patriarchales System, dass die Täter schützt und damit die Rache einer Selbstjustiz-Frauengang heraufbeschwört, doch fängt er dieses Sujet aus durchaus männlicher Perspektive ein. Die Damen arbeiten – die Dialektik ihres Tuns voll überschauend – nämlich in einem Strip-Club und dort werden auch einige ihrer Opfer auserkoren. Neu in der Walküren-Truppe ist Jennifer, die mit knapper Not von den Selbstjustiziarinnen vor einer Vergewaltigung gerettet wurde und nun gezwungen wird mitzumachen. Jennifer ist ihrem prügelnden Eheman aus Ohio entkommen und gerät nun mehr und mehr in den großstädtischen Sumpf aus Gewalt und Hass. Die Feldzüge sind so lange erfolgreich, bis bei einer Strafaktion gegen einen Prominenten Vergewaltiger, der der Justiz durch die Lappen gegangen ist, ein Polizist erschossen wird. Von da ab zerstreiten sich die Frauen und haben nun auch noch eine wohlwollende Polizistin gegen sich (wie wohl mehr Verständnis für die sonstigen Aktionen der Schwanz-ab-Feministinnen hat, als für ihre Berufsausübung gut wäre). Zuletzt geht es gegen den Paten der New Yorker Mafia – ein Himmelfahrtskommando, das die Frauen vor allem deshalb übernehmen, weil sie als Märtyrerinnen für ihre Sache in die Geschichte eingehen wollen.

„A Gun for Jennifer“ sieht nach vielem aus: Er sieht aus wie ein Exploiter aus den 70ern, er sieht aus wie ein Film, der die gesellschaftlichen Hintergründe seines Themas durchaus ernsthaft reflektieren könnte und er sieht aus wie ein Film mit ambivalenten Heldinnen. Das ist vielleicht der Grund, warum er letztlich so spannend ist und man ihn genauso gern schauen könnte wie – sagen wir mal – jeden anderen Mobster-Kracher.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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