Der Krieg nach dem Krieg

Malevil (Frankreich 1981, Christian de Chalonge) (VHS)

Was für ein seltsamer Film, der daherkommt wie eine jener surrealen Schauergeschichten Jean Rollins: Ein französisches Provinznest, das von einem Atomschlag überrascht wird. Eine handvoll Menschen, die sich zufällig im Weinkeller des Bürgermeisters aufgehalten haben, überleben und versuchen ihre Gemeinschaft neu zu ordnen. Fast stummt laufen sie durch die verbrannte und mit Asche übersäte Landschaft. Erst nach und nach finden ihre Worte wieder, wagen jedoch – bis auf ein einziges mal – nicht auszusprechen, was geschehen sein könnte. Die Zeit vergeht, sie bauen eine Agrarkultur aus und verjagen herum streundende Landstreicher, die sich an ihren Gütern vergehen wollen, mit Waffengewalt. Dann treffen Sie wenige Kilometer entfernt auf eine Endzeitsekte, die sich in einem Eisenbahntunnel verschanzt hat und dort von einem mordlüsternen Guru befehligt wird. Zunächst versuchen sich die Gruppen in wirtschaftlichen Beziehungen, beginnen aber schon bald einen Verteilungskrieg gegeneinander, der mehr und mehr zu einem System-Konflikt gerät.

„Malevil“ ist zunächst einmal ein hervorragend inszenierte und interessant besetzter (Hanns Zischler, Jean-Luis Trintignat) Endzeitfilm aus dem Herzen Europas. Die verbrannte Erde, die der Film zeigt, gewinnt beinahe abstrakte Schönheit durch das Auge der Kamera. vertrocknete Flussbetten, sich in den weiten Landschaften/Einstellungen verlierende Gestalten, unvermutete Nah und Großaufnahmen vom Leben und Sterben. Etwas bemüht und teilweise zu stark behauptet, wirkt der Konfikt im zweiten Teil des Films. Darin jedoch zeigt sich erst die (friedens)politische Botschaft von „Malevil“.

(Auch erschienen im Postapocalypse-Blog)

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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1 Antwort zu Der Krieg nach dem Krieg

  1. Hallo Herr Höltgen,

    ich bin immer begeistert, wenn Sie auf Perlen des Endzeitkinos hinweisen. Vielleicht interessiert Sie (oder andere begeisterte Simulationsraumbesucher)ja ein gerade gestartetes wissenschaftliches (und zugleich leidenschaftliches …) Projekt zu Endzeitfilmen? Mehr Infos gibt es auf http://www.postapocalypse.de, wir freuen uns über Feedback!

    Viele Grüße,
    Christian Hoffstadt

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