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Februar 26th, 2008:

»Es hat eine Abtrennung gegeben.«

Die Vorahnung (Premonition, USA 2007, Menan Yapo) (Blu-ray)

Schon das Cover hat den strukturalistischen Motor angeworfen und die ersten zwei Drittel des Films haben dann noch einmal ordentlich Bezin in den Tank gegossen. Ich erzähle die Geschichte mal so, wie ich sie zu sehen gezwungen wurde: Linda Quinn Hanson (gespielt von Sandra Bullock) wacht eines morgens auf und stellt fest, dass sie sich in einem Film befindet, dessen Segmente nicht von einem ordentlichen Cutter, sondern von David Lynch montiert wurden. Für ihr Leben bedeutet das, dass Wirkungen ihren Ursachen vorausgehen, dass die gewohnte Abfolge von Wochentagen jetzt einem fraktalen Algorithmus folgt und dass sie in der Vergangenheit aktiven Einfluss auf den Verlauf der Zukunft nehmen kann. Dumm nur, dass alle anderen Protagonisten nicht wissen, dass sich der Zeitverlauf in Präzessionsbewegung befindet. Vor allem dumm für ihren Mann, denn der stirbt bei einem Autounfall und Linda weiß das und dann ist er plötzlich wieder da, weil der Unfall noch gar nicht passiert ist und Linda weiß das auch usw.

Ärgerlich wird der Film ab dem Moment, wo er diese interessante Logik versucht durch 1. Esoterik zu erklären (die Blu-ray hält auch gleich ein Bonusprogramm zum Thema “Vorahnungen” bereit) und 2. Linda einen Pfaffen herbei zitiert, der ihr sagt, was schon Hamlet wusste, nämlich dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt … Ja, und dann ist da noch dieser Psychiater, der Linda nicht therapiert sonder stationiert und vom Drehbuchautor in seinem Aussehen und Gebaren aus Stokers “Dracula” geborgt worden ist. Es musste wohl so kommen, dass der Film eine solche Wendung nimmt, denn es ist für einen Film mit Sandra Bullock in der Hauptrolle ja auch einfach nicht auszuhalten, unverständlich (also: konsequent medial) zu bleiben. Wie schon in “White Noise” muss der mediale Exzess, der sich virusartig in alle Aspekte des Films verbreitet hat, im Wortsinne exorziert werden. Und wie schon bei “The Mist” und “Last Man on Earth” muss der liebe Gott einfach das letzte Wort haben. Immerhin bringt Linda aus dem Schneideraum nämlich auch einen dicken Bauch mit zurück in die kausale Welt.

»Irgendwie hat es immer mit den Familienverhältnissen zu tun.«

Boy eats Girl (UK/Irland 2006, Stephen Bradley) (DVD)

Wie kann man sich den strunzblösen “Die Nacht der lebenden Loser” bloß zum Vorbild nehmen? Offenbar haben das die “Boy eats Girl”-Macher für eine gute Idee gehalten und den selben Film eigentlich noch einmal gedreht. Originell ist daran einzig, dass das der Aufhänger des Films ein Simulacrum ist, weil der Protagonist Suizid begeht und deshalb mit Voodoo-Ritualen wiedererweckt wird. Der Film könnte in der derzeitigen Situation also durchaus aus staatsmedizinisches Aufklärungsvideo für suizidale Jugendliche daherkommen. Allein dieses Aufkochen von Haiti-Mythologie hat doch der Zombiefilm aber eigentlich gar nicht mehr nötig – und wenn doch, dann sollten die ausgedehnten Fleischfress-Szenen wegfallen. Splatter isses ja und selbst in der deutschen Fassung erstaunlich bildgewaltig. Die Montage ist auch nicht immer dumm. Aber das rettet den Gesamtfilm leider nicht davor, ziemlich langweilig und uninspiriert (wohl aber inspiriert) zu erscheinen.