»das Historische, das uns erregt«

„Es gibt gewisse Themen, die zwar das Interesse ganz gefangen nehmen, die aber allzu grauenvoll sind, als daß sie echter Dichtung als Thema dienen dürften. Der bloße Romanschreiber muß sie vermeiden, wenn er nicht zu verletzen oder abzustoßen wünscht. Nur dann wird man sie erlaubterweise behandeln dürfen, wenn der Ernst und die Majestät der Wahrheit sie heiligen und stärken. So werden wird zum Beispiel von ‚wollüstigem Schauder‘ erfaßt bei den Berichten vom Übergang über die Beresina, vom Erdbeben von Lissabon, von der Pest in London, von der Bartholomäusnacht oder von der Erstickung der hundertdreiundzwanzig Gefangenen im Black Hole zu Kalkutta. Aber in diesen Berichten ist es die Tatsache, ist es die Wirklichkeit, das Historische, das uns erregt. Als Erdichtungen würden wie sie einfach mit Abscheu betrachten.“

(Edgar Allan Poe, Vorzeitiges Begräbnis)

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

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Ein Kommentar zu »das Historische, das uns erregt«

  1. gogol gambetti sagt:

    Schönes Zitat!
    „[…]Als Erdichtungen würden wie sie einfach mit Abscheu betrachten.[…]“
    Genau das kann man gerade sehr schön in den Rezensionen zu Littels „Die Wohlgesinnten“ nachvollziehen. Oder konnte man, vor ein paar Jahren, an den Reaktionen zu Thor Kunkels Nazi-Schmierenkomödie „Endstufe“ studieren. Same old drag in brand new clothes. Gähn!

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