The Phantom of the Cinema

Hero (Hero and the Terror, USA 1988, William Tannen) (DVD) (2x)

Gibt es so etwas wie einen reifen Chuck-Norris-Film? In Anbetracht der filmografischen Entwicklung seiner Charaktere kann man das bejahen: „Hero“ ist ein Produkt der Reife, wenngleich der Film natürlich noch seine Schwächen hat. Aber schaut man sich einmal an, wen Norris hier spielt und mit wem er zusammenspielt und wie das inszeniert, montiert und nicht zu vergessen musikalisch unterlegt ist, dann tun sich Welten auf zwischen holzschnittartigen Roundhouskick-Streifen wie „Invasion USA“ und „Hero“.

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„Hero“ ist zudem ein Serienmörderfilm. Das ist die Schwäche des Werkes, denn hier versucht das Drehbuch eine motivgeschichtliche Angleichung an die 1988 vorherrschenden Standards. Wir bekommen einen monströsen Billy Moon (so heißt der Killer) zu sehen, dessen ehemaliger Anstaltspsychiater ihn lieber tot als lebend sehen würde und ihn mit einem instinktgeleiteten Tier vergleicht. (Wer an dieser Stelle an John Carpenters „Halloween“ denkt, liegt da nicht so falsch). Die Inszenierung des Bösen beschreitet dann auch gleich die üblichen Wege der Metaphorisierung: Der Killer wird zu einem Sinnbild für das Atavistische in der 80er-Jahre-Hochglanz-Moderne, zu einer Bedrohung für die Integrität der Familie und nicht zu vergessen zu einem Mahner gegen den Zynismus einer allzu schnell aufstrebenden Kaste schwarzer Politiker.

Ja, ganz recht: Der Bürgermeister von Los Angeles  in „Hero“ ist ein Schwarzer und wohl deshalb dichtet ihm das Drehbuch allerlei Unflätigkeiten, Selbstsucht und Zynismus an. Diese schon mehr als nur reaktionäre Haltung ist ein Kennzeichen der „Cannon“-Group, in der „Hero“ entstand. Zu solchen Plattitüden (zu denen eben auch die Zeichnung des Killers zählt) gehört auch der Versuch des Drehbuch sich in Selbstreflexivität zu üben. Der Mörder wohnt in einem verlassenen Kino, das zu Beginn des Films renoviert wird. Dort sucht er sich seine Opfer, dorthin verschleppt er sie und drapiert sie als skurrile Puppen in seinem Verschlag (einem verlassenen Requisiten-Raum). Man weiß damals schon: Das Verderben kommt auch dem Lichtspielhaus.

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All dem versucht Chuck Norris ein Ende zu setzen: Den schwarzen Zynismus eindämmen, das Kino kaputtmachen, den Killer beseitigen. Seine Action-Szenen wirken dabei aber beinahe wie eine Unterbrechung seiner Familiengeschichte. Seine Freundin ist schwanger; während er den Killer jagt, entbindet sie. Er gibt sich nicht nur äußerst gefühl- und verständnisvoll, sondern leidet regelrecht mit ihr (man bekommt wahrscheinlich die einzige Szene seiner gesamten Filmografie zu sehen, in der Norris in Ohnmacht fällt, ohne dass ihn vorher eine männliche Faust am bärtigen Kinn getroffen hätte). Norris will kein „Hero“ sein (so lautet sein Spitzname, seit er den Killer zum ersten Mal dingfest gemacht hat) – er will ein normaler Kollege, Ehemann und Vater sein. Und das wird er am Ende auch – wenngleich der Priester, denn er zu seiner Verlobten ins Krankenzimmer schleppt, ausschaut, als wäre er nicht freiwillig mitgekommen.

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Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen
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Ein Kommentar zu The Phantom of the Cinema

  1. Zetsu17 sagt:

    Ich bin ein großer Chuck Norris Fan und der Film HERO AND THE TERROR ist einfach GEEEEEIIIIIILLLLLL.
    Er ist fantastisch und sehr spannend schade das es keinen 2. Teil davon gibt.

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