Dawn of the Dead – Revisited

Ich hatte einer der letzten Ausgabe des Schnitt eine Kritik zu Dawn of the Dead (Zak Snyder), in der ich den Film als "Apokalypse der Kommunikationsfähigkeit des Menschen" gelesen hatte. Der Medien-Diskurs hatte sich mir vor allem durch den Einsatz von Stimme und Schrift sehr aufgedrängt. Nun habe ich bei der Lektüre einer recht neuen Publikation von Frank Hartmann ein paar interessante Zitate und Argumente gefunden, die meine Perspektive gut unterfüttern könnten:

Hartmann versucht in der Einleitung eine Geschichte der Medientheorie, ausgehend von McLuhan, vor allem als "kulturapokalyptische Fassung von Medientheorie" (21) zu untersuchen. Das oftmals beschworene "Verschwinden der Schrift" deutet er positiv um:

"Denn die Möglichkeit einer Kultur ohne Schrift oder gar der mediale Aufbruch in das Jenseits von Sprache muss nicht das Ende von Kommunikation bedeuten, sondern umschließt die Möglichkeit ganz anderer als der an typografischer Vernunft geschulten Artikulation. […] Im Kulturpessimismus macht sich möglicherweise die heimliche Furcht vor der Lebendigkeit einer Kultur bemerkbar, deren kommunikative Basis nicht länger exklusiv über Gutenbergs Bildungsinstitutionen vermittelt ist. Jener Argumentationstyp des Zerfalls hingegen, den kulturapokalyptische Medientheoretiker gern annehmen, widmet sich vorzugsweise dem Sprach- und Kulturverlust durch neue Medientechnologien. […] Der Drucktechnik verdankt sich das, was moderne Gesellschaften als Öffentlichkeit bezeichnen: eine unpersönliche, interaktionsarme Verbindung zwischen Menschen, die außerhalb direkter Sprecher/Hörer-Beziehungen kommunizieren." (19f.)

Ich finde, dieses Zitat 8und vor allem die darin von mir hervorgehobenen Stellen) illustriert meinen Gedanken aus der Dawn-Kritik, dass nach und nach alle Kultur (der Schrift und der Sprache) verloren geht und das die eigentliche "Dämmerung der Toten" ist, aufs Beste: Allein der Schlusssatz hätte in meinem Argumentationszusammenhang dann eine schon fast positvie (wenn auch zynische) Bedeutung: Der Körperkontakt, den die Untoten mit den Lebenden herstellen, ist ihr Kommunikationskanal außerhalb des Gutenberg-Systems, vor dem sich die Lebenden fürchten. Dadurch, dass dieser Kontakt "final" und tötlich ist, ließe sich die "Medienapokalypse Dawn of the Dead" als Kritik an der Kulturkritik des Verschwindens der Schrift lesen.

1. Der Verlust der Sprache wird als Ende der Menschheit gekennzeichnet.
2. Das Alternativsystem (direkter Kommunikationskontakt mit den Zombies) ist keine brauchbare Alternative.

So gesehen wären die Versuche aus "Day of the Dead", die Zombies wieder in das Sprachsystem zu integrieren, das hilflose Festhalten an der alten Vorstellung von der einzig wahren Art zu kommunizieren und der Ausschluss alternativer Systeme.

Über Stefan Höltgen

siehe: http://about.me/hoeltgen

Dieser Beitrag wurde unter Close Lecture veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.